Projekt

Neubau des Schulzentrum in Reinbek schreitet zügig voran

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Elvira Nickmann
Bauleiter Rohbau Mario Lehnicke (v. l.), Architekt Klaus-Heinrich Petersen, Bauleiter Hochbau Christian Scheelk und Bauamtsleiter Sven Noetzel vor dem Anbau auf der linken Seite des Gebäudes. Im Erdgeschoss soll das künftige Lehrerzimmer liegen.

Bauleiter Rohbau Mario Lehnicke (v. l.), Architekt Klaus-Heinrich Petersen, Bauleiter Hochbau Christian Scheelk und Bauamtsleiter Sven Noetzel vor dem Anbau auf der linken Seite des Gebäudes. Im Erdgeschoss soll das künftige Lehrerzimmer liegen.

Foto: Elvira Nickmann

Neubau nach Asbestfunden. Konzept sieht auch die Nutzung durch Vereine und Verbände vor. Fertigstellung ist für Februar 2022 geplant.

Reinbek. Auf dem Gelände des Schulzentrums in Reinbek herrscht Stillstand – allerdings nur in Sachen Lehrbetrieb. Denn Schüler, Lehrer und Personal der Gemeinschafts- und der Amalie-Sieveking-Schule mussten nach der Schließung der Schule 2018 wegen Asbestfunden auf einen Containercampus am Freizeitbad umsiedeln. Trotzdem geht es alles anders als ruhig auf dem Gelände am Mühlenredder zu. Denn dort sorgen Arbeiter dafür, dass der Bau des neuen und wesentlich größeren Schulgebäudes zügig voranschreitet. Läuft alles nach Plan, ist es im Februar 2022 bezugsfertig.

Alte Beton-Trägerelemente wurden in Neubau integriert

Vom Ursprungsgebäude sind nur die Trägerelemente aus Beton erhalten geblieben. Bauamtsleiter Sven Noetzel erläutert, dass bei der Entscheidung für deren Weiterverwendung sowohl der Klimaschutz als auch Kostengründe eine Rolle gespielt haben. Er sagt: „Was wir an Beton haben, hätten wir abreißen, entsorgen und wieder neu aufbauen müssen.“ Durch die Integration des bereits vorhandenen Skeletts seien die Baukosten um etwa ein Viertel reduziert worden. Das Budget für das Vorhaben umfasse rund 27,5 Millionen Euro für Planung und Hochbau – Außenanlagen und Möbel nicht eingerechnet. Die gute Nachricht: „Wir gehen nach jetzigem Stand davon aus, dass das Budget unterschritten wird“, sagt Noetzel. Auf die Ausschreibung hatten sich etliche Architektenteams beworben, fünf kamen in die Endauswahl. Jedes reichte einen Grundriss als Probe ein. Den Zuschlag erhielt das Lübecker Architektenbüro ppp. Noetzel erläutert die Gründe: „Die Architekten von ppp planen viele Schulen, sind mit den Funktionsprinzipien vertraut und haben unser System Schule von allen Bewerbern am besten verstanden.“ Zudem spiele die Atmosphäre zwischen Auftraggeber und Büro eine Rolle. Sie sei einfach stimmig.

Beim Gang über die Baustelle zeigt sich der Geschäftsführer von ppp, Klaus-Heinrich Petersen, zufrieden. Er sagt: „Trotz angespannter Konjunkturlage bewegen wir uns zeitlich und kostenmäßig im vorgegebenen Korridor.“ Er hoffe, dass die Materiallieferungen zuverlässig blieben. Christian Scheelk, Bauleiter für Hochbau, ergänzt: „Wir merken schon kleine Einschränkungen. So haben wir weniger Arbeiter vor Ort, weil viele aus dem Ausland aufgrund der aktuellen Situation nicht einreisen können oder wollen.“ Doch die verfügbaren Kräfte reichten gerade aus, um den Fortgang des Projekts zu gewährleisten.

Zwei Innenhöfe sorgen für Tageslicht in den anliegenden Räumen

Seit September ist Scheelk fast täglich vor Ort. „Die Präsenz auf der Baustelle ist wichtig.“ Links und rechts des Ursprungsgebäudes sowie im rückwärtigen Teil entstehen Anbauten. Mit 12.000 Quadratmetern wird die Fläche nahezu verdoppelt. Das ist gut so, denn die Zahl der Anmeldungen für die Gemeinschaftsschule ist bereits gestiegen. Aktuell sind vorwiegend Roh- und Tiefbauer sowie Zimmermänner im Einsatz auf der Baustelle. Die ersten Fenster wurden schon geliefert. Sie sollen im Mai eingesetzt werden. Dann ist der Start für den Innenausbau und die ausgefeilte Haustechnik geplant.

„Wir beginnen im naturwissenschaftlichen Bereich, arbeiten uns vom rückwärtigen Teil nach vorn“, beschreibt Scheelk den Ablauf. Die Physik- und Biologieräume liegen im Erdgeschoss, gleich neben einem quadratischen Innenhof. Dort sollen später Pflanzen in Beeten, Hochbeeten und an Rankhilfen wachsen. Um den Hof herum gruppieren sich mehrere Werkräume und die Lehrküchen. Trotz Lage in der Gebäudemitte, dringt Tageslicht durch die Fenster in den Küchenbereich. Denn dieser grenzt an einen weiteren, schmal geschnittenen Innenhof, der mit Sitzgelegenheiten ausgestattet wird.

Das Schulgebäude soll komplett barrierefrei ausgebaut werden

Die oberen Geschosse sind durch drei Treppenaufgänge erreichbar. Sie können auch mit einem Fahrstuhl erreicht werden. Die Schalung für den Schacht ist schon in der Nähe des Haupteingangs platziert. Schülern, die nur zu faul zum Treppensteigen sind, macht Noetzel wenig Hoffnung: „Der Fahrstuhl kann nur mit einem Chip benutzt werden.“ Die gesamte Schule werde barrierefrei ausgebaut. Wenn Noetzel über das Projekt spricht, klingt Begeisterung mit. Etliche Abstimmungsrunden, teilweise mit Lehrern und Schülern, liegen hinter, etliche noch vor ihm.

„Ich weiß nicht, wie oft wir die Kunsträume von oben nach unten und wieder zurück verlegt haben“, sagt er. „Man rennt bei so einem Prozess schon mal in eine Sackgasse.“ Und muss sich entscheiden: Die Kunsträume werden im zweiten Obergeschoss angesiedelt. Sie bekommen große Balkone, damit die Schüler draußen zeichnen können

Schüler hatten die Idee zu einem Rundweg ums Gebäude

Von dort werden sie einen guten Blick auf den Weg haben, der ums Gebäude herumführen wird und auf eine Idee der Schüler zurückgeht. Draußen sind unter anderem Kletterwand, Freiluftschach, Schulgärten, Beachvolleyball- und Basketballfeld sowie ein öffentlich nutzbarer Spielplatz geplant. Das Gelände soll zur Straße hin mittels Zaun gesichert, ansonsten frei zugänglich sein. Zum Konzept gehört, dass die Stadt das Gebäude in gewissem Umfang für Vereine, Verbände, für Feiern und Veranstaltungen öffnen will. Der Bereich mit Aula, Küche und Toiletten kann bei Bedarf abgetrennt werden. Bauamtsleiter Sven Noetzel sagt zum Abendblatt: „Wir wollen eine attraktive Stätte für Schule und Quartier schaffen.“

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