Therapie

Ein Hund bringt Ostereier in Stormarner Pflegeheime

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Darauf können sich mehrere Pflegeeinrichtungen in Stormarn zu Ostern freuen: Tanja Starken  kommt mit Therapie-Begleithündin Maya zu Besuch.

Darauf können sich mehrere Pflegeeinrichtungen in Stormarn zu Ostern freuen: Tanja Starken kommt mit Therapie-Begleithündin Maya zu Besuch.

Foto: Pia Rabener

Die Ahrensburger Psychotherapeutin Tanja Starke besucht mit ihrer Therapiebegleithündin Maya Einrichtungen im Kreis.

Ahrensburg.  Therapiebegleithund Maya ist verwirrt. So hat sie ihr Frauchen noch nie gesehen: Tanja Starken hat ein Hasenkostüm angezogen. Die 47- Jährige ist beruflich als Kinder- und Jugendcoach sowie Psychotherapeutin aktiv. 2016 hat sie sich Verstärkung durch die Goldendoodle-Hündin zugelegt. Normalerweise besuchen die beiden im Monat mehrere Pflegeeinrichtungen und Altenheime im Kreis Stormarn, Starken bietet Gruppentherapien für Demenzkranke, aber auch für geistig Eingeschränkte oder Spastiker an. Durch die Coronapandemie fallen diese Besuche nun aus. Die Psychotherapeutin hat sich aber eine Alternative einfallen lassen.

„Bewohner bespaßen, ohne direkten Kontakt mit ihnen zu haben“

„Ich habe überlegt, wie ich die Bewohner bei Laune halten kann in diesen Zeiten. Da kam mir die Idee mit dem Hasenkostüm“, sagt Starken und fügt lächelnd hinzu: „Außerdem fehlen sie mir auch, ich will den Kontakt halten.“

Sie wird über die Ostertage von Sonnabend bis Montag im Hasenkostüm vor den Einrichtungen Ostereier verstecken. Die ausgebildete Therapie-Begleithündin Maya ist so gut erzogen, dass sie die Ostereier suchen kann und sie zu Frauchen apportiert. „Die Bewohner können uns dann zumindest mit genügend Sicherheitsabstand aus den Fenstern zugucken. So können Maya und ich die Menschen bespaßen, ohne direkten Kontakt mit ihnen zu haben“, sagt Starken. Sie habe von vielen Betreuern gehört, dass die Situation in den Heimen für Bewohner und Personal sehr belastend sei.

Maya ist eine Mischung aus Golden Retriever und Pudel

„Maya verbreitet Freude. Und zwar überall, wo sie hinkommt“, sagt Starken, die seit vier Jahren selbstständig ist und sich in der Ausbildung zum Hundetrainer befindet. Über die Besuche vom Osterhasen hinaus plant die Ahrensburgerin, in ihrem eigenen Garten mit Maya zu trainieren und das Spektakel live per Beamer im Heim zu übertragen. „Die Einrichtungen, die nicht über das technische Equipment verfügen, bekommen von mir eine selbstgebrannte CD“, so Starken. Sie erhofft sich, dass sie auf diesem Wege für Gesprächsanregungen unter den Bewohnern sorgen kann.

Die zottelige Maya ist im Alter von zehn Monaten zu Familie Starken nach Ahrensburg gekommen. Der Mischling aus Golden Retriever und Pudel eigne sich hervorragend als therapeutische Hilfe im Umgang mit Dementen, da er von besonders ruhiger, gehorsamer und liebevoller Natur sei, so Starken.

Die Arbeit mit dem Hund helfe vor allem Demenzkranken

Unter anderem wird sie mit ihrer vierbeinigen Kollegin dem Fasanenhof und dem Wohnpark Malepartus in Bargteheide sowie der Demenz-Wohngruppe Habitas in Hammoor einen Besuch abstatten. „Ich wollte den Bewohnern, mit denen ich regelmäßig arbeite, einen Stoffhund als Ersatz für Maya schenken, aber selbst das ist momentan einfach zu gefährlich“, bedauert die Ahrensburgerin. Als Ersatz dafür hat sie Briefe an die Heime verschickt, „damit sie mich nicht vergessen“.

Dass sich die Menschen auch mit dem nötigen Sicherheitsabstand über ihren Besuch freuen, da ist sich Starken sicher. Die Arbeit mit dem Hund rufe besonders bei Demenzkranken schöne Erinnerungen an eigene Haustiere hervor, lockere die Stimmung in der Runde auf und rege zum Erzählen an.

Ihre Coachings bietet Starken im Moment per Videochat an

„Ich überlege, auch dem Personal der Pflegeeinrichtungen therapeutische Hilfe anzubieten. Die Mitarbeiter sind im Moment täglich in Kontakt mit der Risikogruppe, haben Angst sich anzustecken oder das Virus zu verbreiten. Das ist eine Belastung“, sagt die Psychotherapeutin. Außerhalb der Seniorenbetreuung arbeitet die Heilpraktikerin mit Kindern und Jugendlichen, bietet sogenannte Coaching-Gespräche an. „Im Moment natürlich nur digital“, sagt Starken. In den Sitzungen geht es um Ängste und Methoden, diese schnell und effektiv zu bewältigen.

( pra )

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