Stormarn
Millionen-Projekt

Bargteheider Waldorfschule plant Neubau

Freuen sich auf den Neubau (v. l.): Jörg Wülfken (Geschäftsführer der Schule), Janina Jurk, Myriam Schwarz und Polina Kress-Pampel vom Vorstand des Vereins zur Förderung einer Waldorfschule in Stormarn und Zweitklässler Titus (7).

Freuen sich auf den Neubau (v. l.): Jörg Wülfken (Geschäftsführer der Schule), Janina Jurk, Myriam Schwarz und Polina Kress-Pampel vom Vorstand des Vereins zur Förderung einer Waldorfschule in Stormarn und Zweitklässler Titus (7).

Foto: Filip Schwen

Nahe dem Sportzentrum am Volkspark soll auf 12.600 Quadratmetern ein Schulgebäude für etwa 250 Schüler entstehen.

Bargteheide. Seit mehr als sieben Jahren lernen die 176 Schüler der Freien Waldorfschule Bargteheide in Containern. Doch das soll sich bald ändern: Ab 2021 soll auf dem Areal an der Alten Landstraße westlich des Sportzentrums am Volkspark für neun Millionen Euro ein Schulgebäude entstehen. Um das Bauprojekt zu verwirklichen, ist die private Bildungseinrichtung auf Spenden angewiesen.

Zurzeit werden die Schüler in 36 Containern unterrichtet

„Die Container waren eine Möglichkeit, um den Schulbetrieb zeitnah aufnehmen zu können“, sagt Janina Jurk, Mitglied im Vorstand des Vereins zur Förderung einer Waldorfschule in Stormarn. 36 Container nutzt die Schule zurzeit, dazu einen Holzpavillon. „Aber inzwischen stoßen wir mit der derzeitigen räumlichen Situation an unsere Kapazitätsgrenzen“, sagt Jurk.

Bargteheide hat die bisher einzige Waldorfschule im Kreis

Die Waldorfschule in Bargteheide war 2012 aus einer Elterninitiative hervorgegangen. Sie ist die einzige Bildungseinrichtung in Stormarn, die nach dem pädagogischen Konzept Rudolf Steiners arbeitet. Damals hatte Hamburg das Schulgesetz geändert, sodass Kinder aus Schleswig-Holstein nicht mehr ohne weiteres eine Schule in der Hansestadt besuchen konnten. Die nächste Waldorfschule sei in Lübeck gewesen, so Jurk.

Geschäftsführer rechnet mit 13 Klassen im nächsten Schuljahr

„Der Schulbetrieb hat 2012 mit 56 Kindern in den Klassen eins bis fünf begonnen“, sagt Jörg Wülfken, Geschäftsführer der Waldorfschule. Seitdem sei die Schule stetig gewachsen, jedes Jahr sei ein neuer Jahrgang hinzugekommen. „Derzeit haben wir zwölf Klassen, eine in jeder Jahrgangsstufe.“ Im kommenden Schuljahr werden es 13 sein. Wülfken: „Im Sommer wechseln die Zwölftklässler in das Abschlussjahr. 2021 werden sie als erster Jahrgang ihr Abitur an der Freien Waldorfschule ablegen.“

25 Lehrkräfte unterrichten die Schüler in herkömmlichen Schulfächern wie Deutsch, Mathematik, Englisch und den Naturwissenschaften, aber auch in Eurythmie, Handarbeit, Werken und Malen. „Im Unterschied zu staatlichen Schulen sind wir stärker zum künstlerisch-handwerklichen Bereich hin orientiert“, sagt Polina Kress-Pampel vom Vorstand des Fördervereins. Die Schule biete alle staatlichen Abschlüsse, also Haupt- und Realschulabschluss sowie Fachabitur und Abitur an.

Förderverein pachtete das Schulgelände von der Stadt

Zu den Containergebäuden kam 2013 ein Holzpavillon hinzu, der einen Festsaal und einen weiteren Klassenraum beherbergt. „Er wurde weitgehend von den Eltern geplant und gebaut“, sagt Kress-Pampel. Das derzeitige Schulgelände an der Alten Landstraße 89 f gehört der Stadt Bargteheide, der Förderverein der Waldorfschule hat es lediglich gepachtet. Der Neubau soll auf dem 12.600 Quadratmeter großen Nachbargrundstück im Süden des derzeitigen Standortes entstehen. Es grenzt im Osten an die Sportanlagen des TSV Bargteheide. „Das Grundstück haben wir 2019 erworben“, sagt Janina Jurk. Den Entwurf für das neue Schulgebäude hat das Lübecker Architekturbüro Feyerabend-Sippel erstellt.

Auf 3300 Quadratmetern sollen 250 Schüler lernen

Der Bau soll über drei Stockwerke verfügen und auf rund 3300 Quadratmetern etwa 250 Schülern Platz bieten. Das zweite Obergeschoss ist als Staffelgeschoss geplant. „Der Neubau wird über elf Klassenräume, vier Gruppenräume, drei Laborräume für die Naturwissenschaften und je einen Raum für Musik- und für Eurythmieunterricht verfügen“, sagt Jurk. Dazu kommen ein Informatik-Raum, ein Verwaltungstrakt und eine Küche. Jurk: „Das Besondere ist, dass die Eingangshalle auch als Fest- und Pausenhalle und als Mensa fungiert.“ Die breite Treppe zum ersten Stock sei auf eine Bühne ausgerichtet und werde so gestaltet, dass sie während Veranstaltungen als Sitzmöglichkeit für bis zu 200 Personen diene. „Im Schulalltag wird die Halle mit Tischen ausgestattet sein und als Mensa genutzt.“

Blockheizkraftwerk soll die Schule mit Wärme versorgen

Im Süden des Gebäudes soll ein eingeschossiger Technikanbau entstehen, der bei Bedarf aufgestockt werden kann. Ein Blockheizkraftwerk soll die Schule mit Wärme versorgen, außerdem soll der Neubau über einen Aufzug verfügen, damit ein barrierefreier Zugang zu allen Räumen gewährleistet ist.

Im vergangenen Jahr ist auf dem Areal neben dem geplanten Standort des Neubaus bereits ein zweigeschossiger Steinpavillon mit fünf Räumen entstanden. Derzeit sind im Erdgeschoss die drei Oberstufenklassen untergebracht. „Nach der Fertigstellung des Neubaus sollen alle Klassen in das neue Gebäude umziehen, in dem Steinpavillon werden die Fachräume für Kunst und Gartenbau unterkommen“, so Jurk.

Auch ein Waldorfkindergarten soll aufs Gelände ziehen

Außerdem soll der Holzpavillon auf das neue Gelände versetzt werden. Jurk: „Den Abbau bereiten wir gerade vor, die Versetzung soll noch 2020 abgeschlossen sein.“ Dort sollen die Schüler nach dem Umzug Werkunterricht erhalten. „In Zukunft soll außerdem der Waldorf-Kindergarten Bargteheide auf das neue Schulgelände ziehen“, sagt Kress-Pampel. Derzeit sind die 20 Kinder in einem Gebäude an der Jersbeker Straße untergebracht.

„Das Haus ist schon lange ausgelastet“, so Kress-Pampel. Das Kindergartengebäude soll in der südöstlichen Ecke des Grundstücks Platz finden. Bei der Finanzierung des Projektes ist der Förderverein auf Unterstützung angewiesen. Der Verein ist Eigentümer von Gebäuden und Grundstück, vermietet sie an die Schule. Er hat bereits das neue Grundstück gekauft und kommt für die Erschließung auf. Jurk: „Es verbleiben 7,2 Millionen Euro für den Bau und die Gestaltung des Pausenhofs.“

Staat fördert Schulbetrieb zu 80 Prozent, den Rest tragen Eltern

Der Schulbetrieb wird zu 80 Prozent staatlich gefördert. Den Rest tragen die Eltern in Form von Schulgeld bei. Doch davon ließen sich keine großen Investitionen tätigen. Der Verein habe von einem Geldinstitut bereits die Zusage für einen Kredit erhalten, der über die Schulgeldeinnahmen gedeckt werden solle. „Allerdings müssen wir 750.000 Euro Eigenkapital einbringen“, so Jurk.

Der Förderverein hofft auf Spenden. Jurk sagt: „Wir haben die Schule in Eigenregie aufgebaut und hoffen, dass uns jetzt viele Menschen dabei unterstützten, den nächsten Schritt zu einem eigenen Gebäude erfolgreich zu gehen.“