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Ehepaar schließt Oldesloer Sonderpostenmarkt nach 28 Jahren

Angela Dittmar engagiert sich auch in der Oldesloer Wirtschaftsvereinigung, will dort weiterhin im Vorstand bleiben.

Angela Dittmar engagiert sich auch in der Oldesloer Wirtschaftsvereinigung, will dort weiterhin im Vorstand bleiben.

Foto: HA

Nach einer ärztlichen Diagnose wollen die Inhaber des Preisparadieses in ihrem Leben einen neuen Weg einschlagen.

Bad Oldesloe. Eine Ära geht zu Ende: Am 15. Mai wird das Oldesloer Preisparadies schließen. 1992 gründeten Angela und Martin Dittmar den Sonderpostenmarkt. Andere Einzelhändler gaben dem Ehepaar und ihrem Geschäft ein Vierteljahr. Doch die beiden hielten durch, 28 Jahre lang.

Es ist nicht die Konkurrenz zahlreicher Ein-Euro-Shops und auch nicht der Trend Richtung Online-Handel, der dem Preisparadies ein Ende setzt. „Wir schließen nicht aus wirtschaftlichen Gründen“, sagt Martin Dittmar. Im November sei bei ihm ein Tumor festgestellt worden. „Der hat sich aber als nicht bösartig herausgestellt“, sagt der 68-Jährige. Ein Warnschuss sei das aber trotzdem gewesen. Dem Händler-Paar wurde bewusst, dass es auch noch ein Leben außerhalb des Geschäftes gibt.

Einen Nachfolger hat das Ehepaar nicht gefunden

Am 15. Februar 1992 öffneten die Hamburger das Preisparadies in Bad Oldesloe. Zunächst an der Lübecker Straße. Später zogen sie in die heutigen Räume an der Brunnenstraße. Einen Nachfolger, der das Lebenswerk weiterführt, gibt es nicht. Für Martin Dittmer wäre da nur einer in Frage gekommen: ein einstiger Auszubildender und langjähriger Mitarbeiter. Vor acht Jahren, im Alter von 30 Jahren, nahm dieser sich das Leben. „Sein Tod steckt mir heute noch in den Knochen, er war wie ein Sohn für mich“, sagt Martin Dittmar und blickt auf ein Foto, das im Aufenthaltsraum auf einem Regal steht. Es ist mir Trauerflor verziert. Oft denkt er an den jungen Mann, der im Alter von 14 Jahren ins Preisparadies kam, aufgeweckt, unheimlich engagiert, wie Martin Dittmer sagt: „Ich habe ihm gesagt, er soll in zwei Jahren wiederkommen. Das tat er. An seinem 16. Geburtstag war er wieder da.“

Die Hamburger wollen jetzt nach Bad Oldesloe umziehen

Das Preisparadies gibt Martin Dittmar nur ungern auf. Es ist ein wichtiger Teil seines Lebens. Er und seine Frau hatten noch einige Pläne, etwa einen Online-Shop, um dem Trend zu folgen. Technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen im Handel verschloss sich das Paar nie. Seit Jahren ist das Sortiment auch im Internet abrufbar. Doch das reicht nicht, um erfolgreich Einzelhandel zu betreiben. Deswegen war Angela Dittmar (63) immer in erster Reihe, wenn es darum ging, etwas in der Innenstadt auf die Beine zu stellen. „Ich bleibe auch weiterhin im Vorstand der Wirtschaftsvereinigung“, sagt die gebürtige Brasilianerin. Die Kreisstadt ist zu ihrer Heimat geworden: „Früher waren wir Hamburger, die in Bad Oldesloe arbeiten. Mittlerweile sind wir Oldesloer, die nur noch in Hamburg schlafen.“

Jetzt sucht das seit 33 Jahren verheiratete Paar ein Haus in Bad Oldesloe. In der Zeit nach dem Preisparadies will Angela Dittmar nach Brasilien reisen, nach Tarauacá, ihrem Geburtsort im Amazonas-Gebiet nahe der peruanischen Grenze. Seit 40 Jahren sei sie nicht mehr dort gewesen. Die Reise macht sie mit ihrem Mann. Gemeinsame Urlaube waren in den vergangenen 30 Jahren nicht möglich. Nur einmal machten die Dittmars das Geschäft für eine Woche zu, um gemeinsam verreisen zu können.