Stormarn
Stormarn

Tief „Sabine“ macht Baumaterial zum Geschoss

Sieker Feuerwehrleute klettern über die Drehleiter der Kollegen aus Großhansdorf aufs Dach einer im Bau befindlichen Lagerhalle. Der Sturm hatte Dämmplatten heruntergeweht.

Sieker Feuerwehrleute klettern über die Drehleiter der Kollegen aus Großhansdorf aufs Dach einer im Bau befindlichen Lagerhalle. Der Sturm hatte Dämmplatten heruntergeweht.

Foto: christoph leimig / Christoph Leimig

Sieker Feuerwehrleute sichern Dämmplatten auf Hallendach. U-Bahnstrecke bei Ahrensburg wegen umgestürzter Bäume zweimal gesperrt.

Ahrensburg/Siek.  Das Sturmtief „Sabine“ fegt weiter mit um 80 km/h schnellen Böen und reichlich Regen über Stormarn hinweg. Die Feuerwehren im Kreis mussten seit Sonntagmittag zu rund 80 Unwettereinsätzen ausrücken. Die Polizei verzeichnete mehr als 30 Alarmierungen. Die U-Bahnlinie 1 stellte den Betrieb zwischen Hamburg-Volksdorf und Ahrensburg sowohl am Sonntag als auch am Montag vorübergehend ein, weil umgestürzte Bäume die Gleise blockierten.

Am Montag fiel gegen 15 Uhr eine Birke ganz in der Nähe des Bahnhofs Ahrensburg West auf die Strecke. Der Regen hatte den Boden in der Nähe der Gleise aufgeweicht, so löste sich das Wurzelwerk des Baumes vollständig aus der Erde. Die Hamburger Hochbahn schickte Busse und Taxis als Ersatz. Feuerwehrleute zersägten den Baum. Nach etwa eineinhalb Stunden hatten die U-Bahnwaggons wieder freie Fahrt.

U-Bahnen fahren nur Tempo 40 statt 80

Am Sonntag gab es einen Busersatzverkehr von etwa 21.30 Uhr bis zum Betriebsschluss. „Wegen des Wetters galt im oberirdischen U-Bahnverkehr ein Tempolimit von 40 km/h“, sagt Hochbahn-Sprecher Christoph Kreienbaum. Sonst sind 80 km/h möglich. Das Hochbahn-Team hält die Kunden unter anderem mit Kurznachrichten auf dem Twitterkanal auf dem Laufenden.

„Kurzzeitig war auch die Strecke zwischen Volksdorf und Hoisbüttel gesperrt“, so Kreienbaum. Dort mussten Feuerwehrleute große Äste von den Gleisen räumen. Die Passagiere konnten in Busse und Taxis umsteigen. Zum Betriebsstart am Montag um 4.30 Uhr war die U 1 wieder frei. Die Geschwindigkeitsbegrenzung wurde am Morgen ebenfalls aufgehoben.

Die Integrierte Rettungsleitstelle Süd (IRLS) in Bad Oldesloe, die sämtliche Feuerwehr- und Retttungsdiensteinsätze in den Kreisen Stormarn, Herzogtum Lauenburg und Ostholstein koordiniert, hatte am Sonntag schon im Vorfeld das Personal aufgestockt. „Weitere Kollegen waren in Rufbereitschaft“, sagte ein Sprecher.

Vielerorts abgebrochene Äste und umgestürzte Bauzäune

Die Mitarbeiter nahmen mehr als 1100 Anrufe entgegen. Von den gut 140 „Sabine“-Einsätzen war mehr als die Hälfte im Kreis Stormarn. Die Lage entspannte sich schon ab 1 Uhr in der Nacht zu Montag. „Insgesamt ist es vergleichsweise ruhig geblieben“, so der Sprecher, „da haben wir schon ganz andere Tage erlebt.“ Überwiegend mussten die Helfer zu herabgefallenen Ästen, umgestürzten Bauzäunen und weggewehten Mülltonnen ausrücken. In Tangstedt wehte ein Ast in eine Maststation, wodurch der Strom für etwa eine Stunde ausfiel.

Den wohl gefährlichsten Auftrag hatte die Freiwillige Feuerwehr Siek zu erledigen. Am Sonntag gegen 20 Uhr meldeten Anrufer, dass vom Dach einer im Bau befindlichen Halle im Gewerbegebiet Jacobsrade Platten durch die Luft segelten und zu Boden krachten. „Als wir dort eintrafen, lagen die Pakete schon überall auf der Straße in Richtung zum Lidl-Lager“, sagt der Sieker Ortswehrführer Kai-Willi Bredenkamp. Offensichtlich hatten die Arbeiter das Dämmmaterial ohne jegliche Sicherung auf dem Dach des Rohbaus liegen gelassen.

Ein Helfer wurde getroffen und ins Krankenhaus gebracht

Um schnell und sicher auf das Gebäude zu gelangen, forderten die rund 20 Sieker Feuerwehrleute die Drehleiter bei den Kameraden aus dem Nachbarort Großhansdorf an. „Die restlichen Dämmplatten haben wird dann zum Teil ins Gebäude geworfen und zum anderen Teil an einen windgeschützten Platz auf dem Grundstück“, so Bredenkamp. Damit habe man auch verhindern wollen, dass die Geschosse zum Beispiel in die Scheibe der Lidl-Lkw fliegen, die ab dem frühen Morgen dort unterwegs sind. Die Amtsverwaltung prüft jetzt, ob der Bauherr haftbar gemacht werden kann, weil das Material nicht befestigt war.

Ein Feuerwehrmann stürzte auf dem Dach, als er von einem Paket getroffen wurde. Ein Rettungswagen brachte ihn in ein Krankenhaus. Nach einer Nacht durfte er wieder nach Hause. „Glücklicherweise hat er nur Prellungen erlitten, der Verdacht auf eine Gehirnerschütterung hat sich nicht bestätigt“, so Bredenkamp. Erst gegen Mitternacht – nach fast vier Stunden – waren die Feuerwehrleute wieder in ihrer Wache. Einige mussten erneut in die Jacobsrade ausrücken, weil dort Rohre von der Baustelle über die Straße rollten.

Auch Regionalbahnen fielen wegen des Unwetters aus

Im Barsbütteler Gewerbegebiet fiel ein großer Nadelbaum auf das Flachdach einer Firma an der Von-Bronsart-Straße. Feuerwehrleute sicherten den Stamm und zersägten ihn mit Kettensägen.

Auf der Bahnstrecke Hamburg–Lübeck waren die Sturmfolgen im Vergleich zur bundesweiten Einstellung des Fernverkehrs überschaubar. Weil am Sonntag die maximale Geschwindigkeit im gesamten Regionalverkehr auf 80 km/h reduziert wurde, kam es zu Verspätungen. Am Montag fielen einige Züge aus, darunter die RB 81 ab Hamburg um 7.08, 7.21 und 9.08 Uhr sowie ab Ahrensburg um 7.58 Uhr. Auch der Regionalexpress ab Hamburg um 9.34 und ab Lübeck um 10.40 Uhr fuhr nicht.

Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) kann es auch am heutigen Dienstag noch einmal zu orkanartigen Böen im Norden kommen. Gegen Abend soll der Sturm dann deutlich abflauen. Der Spitzenwert in Schleswig-Holstein war mit 141 km/h am Leuchtturm in Kiel gemessen worden. „Sabine“ sei zwar eine seltener Winterorkan, aber nicht so stark wie „Kyrill“ (2007) oder „Lothar“ (1999).