Stormarn
Nach Gewaltausbruch

Sülfelder planen Festival gegen Neonazis und für Vielfalt

Dieses Foto zeigt Musiker der Gruppe #Arrested bei einem ihrer Konzerte. Bald können die Besucher des Festivals „Bunte Zukunft“ die Band in Sülfeld live erleben.

Dieses Foto zeigt Musiker der Gruppe #Arrested bei einem ihrer Konzerte. Bald können die Besucher des Festivals „Bunte Zukunft“ die Band in Sülfeld live erleben.

Foto: HA/Nadine Krei

Mehrere Bands und der Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel wollen der Dorfgemeinschaft Respekt zollen für deren Einsatz gegen rechts.

Sülfeld. Mit dem Musikfestival „Bunte Zukunft“ wollen Bands und Solokünstler ihrer Anerkennung für den Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft Sülfeld im Kampf gegen Neonazis am Sonnabend, 15. Februar, Ausdruck verleihen. Angela Eggers vom Orga-Team sagt: „Das Konzert soll ein Dankeschön sein, weil wir solidarisch gegen rechts zusammenhalten.“

Pastor organisierte erste Aktion, 300 Sülfelder machten mit

Zum Hintergrund: Ende Oktober vergangenen Jahres hatten ortsansässige Neonazis zwei Bürger tätlich angegriffen. Sie hatten versucht, Aufkleber der Gruppierung „Aryan Circle“ zu entfernen, mit denen diese um den Beitritt zu ihrer rassistischen Kameradschaft warb. Erst ging die Angst um im Ort, doch dann setzte die Dorfgemeinschaft den Neonazis Widerstand entgegen. Pastor Steffen Paar von der evangelischen Gemeinde organisierte am Reformationstag einen Spaziergang gegen rechts, an dem sich etwa 300 Menschen beteiligten. Mit einer großen Demonstration und Aktionen bezogen verschiedene Initiativen Stellung, erteilten Hass und Hetze eine deutliche Absage. Das sorgte für eine Welle der Solidarität.

Pastor Paar sagt: „So haben uns die Ereignisse auch im Guten verändert.“ Die Folge sei Achtsamkeit miteinander statt wegzuschauen. Missstände müssten angesprochen, nicht totgeschwiegen werden. Zudem erwachse daraus die Erkenntnis, „dass ein mitmenschliches und demokratisches Miteinander nicht vom Himmel fällt“, so der Geistliche. Dessen sind sich auch die Mitwirkenden am Festival bewusst, die mit dieser Demonstration von Gemeinschaft und Zusammenhalt eine klare Botschaft senden. Einige Gruppen und Musiker boten von sich aus Unterstützung an. Wie Sebastian Krumbiegel, Sänger der bekannten Band Die Prinzen, den eine Bekannte aus Stormarn auf die Ereignisse in Sülfeld aufmerksam machte. Der Musiker sagt: „Es ist wichtig, sich für eine freie Gesellschaft und respektvollen Umgang und gegen Antisemitismus und Rassismus einzusetzen.“

Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel wird in Sülfeld auftreten

Krumbiegel, der vor drei Jahren ein Buch über Haltung und Zivilcourage geschrieben hat, findet es „gruselig“, wie aktuell das Thema rechte Gewalt nach wie vor ist. „Jeder kann in seinem Umfeld etwas dagegen tun“, so der Künstler, der für den Dialog eintritt und die Demokratie in seinen Liedern besingt. Aus seiner Heimatstadt Leipzig bringe er die Erfahrung mit, dass eine breite Bürgerbewegung viel gegen rechte Tendenzen ausrichten könne. Welche Titel er in Sülfeld zu Gehör bringt, hat Sebastian Krumbiegel noch nicht entschieden. „Ich habe einen Haufen Songs, die dazu passen, sagt der Sänger, der die Zuhörer zwischen den Liedern an seinen Gedanken teilhaben lässt und von seinen eigenen Erlebnissen berichtet.

Unter den Künstlern des Festivals ist die sechsköpfige Lübecker Band #Arrested, die energiegeladenen Crossover-Rock-Pop mit Einflüssen von Hip-Hop, Funk und Reggae spielt. Sie sei stolz auf das Ergebnis der Mischung unterschiedlicher Stile, das aus der Verschiedenheit der Musiker resultiere, so die Band in einem Statement. Weitere Mitwirkende aus Lübeck sind die Gruppe Bluesm@il, deren Repertoire von Traditional, Chicago Blues, Swamp, Delta Blues und Zydeco bis zu selbst komponierten Stücken und Übersetzungen von Klassikern reicht. Ebenfalls dabei sind das Singer-Songwriter-Duo Sebastian und Jantje sowie die Dorfkapelle aus Sülfeld, aus Bad Oldesloe die Kleinstadtpioniere mit Pop und Rock, De Drangdüwels mit plattdeutschem Folk-Punk, Gabi Liedtke und Commander Nilpfred mit einer Symbiose aus Pop und Punk.

Veranstalter ist die Kirchengemeinde Sülfeld. Sie stellt mit der Remise und der Kirche zwei Spielstätten zur Verfügung. Ein etwa 50-köpfiges Team organisiert das Festival und sorgt für die Technik. Dank so viel ehrenamtlichen Einsatzes aller Beteiligten können Besucher die musikalische Vielfalt bei freiem Eintritt genießen. Spenden kommen dem Verein „Zebra“ zugute, der sich um Opfer rechter Gewalt kümmert und auch in Sülfeld unterstützt hat. Pastor Paar sagt: „Mit den Spenden wollen wir etwas von unserer Dankbarkeit zurückgeben.“