Stormarn
Gedenken

Ausstellung im Reinbeker Schloss erinnert an Anne Frank

Sie haben die Austellung geplant (v. l.): Martin Oberwetter, Lina Samoske, Elke Güldenstein und Frederice Graf.

Sie haben die Austellung geplant (v. l.): Martin Oberwetter, Lina Samoske, Elke Güldenstein und Frederice Graf.

Foto: Pia Rabener

Besucher können virtuell das Zimmer des berühmten jüdischen Mädchens betreten, das im Konzentrationslager ermordet wurde.

Reinbek. „Lasst mich ich selbst sein“ – so lautet der Titel einer Wanderausstellung des Berliner Anne-Frank-Zentrums, die vom Sonnabend, 8. Februar, bis Ende März im Schloss Reinbek zu sehen ist. Thema ist das Leben des deutsch-jüdischen Mädchens Anne Frank, das während des Regimes der Nationalsozialisten im Konzentrationslager Bergen-Belsen im Frühjahr 1945 ermordet wurde – im Alter von 15 Jahren. Zuvor hatte Anne Frank sich mit ihrer Familie zwei Jahre lang in einem Amsterdamer Hinterhaus versteckt und dort ihr weltberühmtes Tagebuch geschrieben.

Freie Plätze für Ausbildung zum „Peer Guide“

„Unsere dreiteilige Ausstellung befasst sich sowohl mit Anne Franks Lebensgeschichte, als auch mit dem nationalsozialistischen System im Allgemeinen und dem Bezug zur Gegenwart“, sagt Elke Güldenstein. Sie ist Kulturmanagerin der Stadt Reinbek. Sie möchte insbesondere Jugendliche dazu bewegen, sich mit der eigenen Identität zu befassen und Rassismus sowie Antisemitismus als Problem in der heutigen Zeit zu erkennen. „Da Anne Frank ihr Tagebuch bereits im Alter von 13 Jahren verfasst hat, fühlen sich Jugendliche mit ihr verbunden und bekommen einen anderen Zugang zur deutschen Geschichte“, sagt Güldenstein zum Abendblatt.

Dazu sollen auch gleichaltrige „Peer Guides“ beitragen, die die Besucher der Ausstellung durch das Schloss Reinbek begleiten werden. In einem zweitägigen Seminar werden die zwischen 15 und 19 Jahre alten Helfer methodisch und inhaltlich auf die Ausstellung vorbereitet, erhalten sogar ein Zertifikat für ihr Engagement. „Für die Ausbildung zum Peer Guide sind noch Plätze frei“, sagt Elke Güldenstein.

VR-Brille ermöglicht immersives Erlebnis

Die Schüler werden den Besuchern unter anderem technische Hilfestellung bei der Nutzung der vier „Virtual Reality“-Brillen (VR-Brillen) geben. Die vom Kreisjugendring (KJR) Stormarn zur Verfügung gestellten VR-Brillen ermöglichen besondere Einblicke in das frühere Versteck der deutsch-jüdischen Familie in Amsterdam. „Ich stand eben vor dem Bücherregal im Hinterhaus und war begeistert“, sagt Güldenstein über ihre ersten Erfahrungen mit den Brillen.

„Man sieht zwar, dass die Räume nur animiert sind, aber die Gefühle, welche die Brille vermittelt, kann man nicht stoppen“, sagt Lina Samoske, Medienpädagogin beim KJR Stormarn. So ermögliche die Technologie den Besuchern, die Beklommenheit und permanente Angst nachzuempfinden, in der die Familie Frank leben musste, sagt ihr Kollege Martin Oberwetter. Auch seien Jugendliche gleich ganz anders dabei. Neben informativen Plakaten zur Biografie von Anne Frank sind für die Ausstellungsgäste ein Büchertisch und ein Modell des Hauses aufgebaut. Auf einer gesonderten Informationstafel wird auch Fritz Pfeffer gedacht. Er war Annes Zimmergenosse im Hinterhaus und kam im Dezember 1944 im Konzentrationslager Neuengamme ums Leben.

Ein vielseitiges Programm begleitet die Ausstellung

Rund um die Ausstellung bietet das Kulturzentrum ein vielseitiges Programm. So werden am Sonnabend, 29. Februar (14 Uhr), und am Sonntag, 15. März, öffentliche Führungen angeboten. Ebenfalls am Sonnabend, 29. Februar (16 Uhr), hält Elke Güldenstein einen Vortrag zu den Einflüssen des Nationalsozialismus auf Reinbek und geht dabei insbesondere auf die fünf Stolpersteine in der Stadt ein. Am Montag, 9. März (19.30 Uhr), wird im Sachsenwald-Forum der 2016 erschienene Spielfilm „Anne Frank“ gezeigt. Mit einem gleichnamigen Puppenspiel kommt am Donnerstag, 12. März, das Berliner Figurentheater Artisanen in die Stadt.

Zudem wird sich die Kirche genauso wie Frederice Graf, Fachbereichsleiterin für Kulturelle Bildung, mit eigenen Projekten an der Ausstellung beteiligen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf einer kritischen Auseinandersetzung mit der Gesellschaft sowie der eigenen Identität und auf der Bekämpfung von Vorurteilen. „Es wird gerade dieser Tage wieder wichtig, der Vergangenheit zu gedenken“, sagt Elke Güldenstein.

Übrigens: Das Programmheft zur Ausstellung liegt im Kulturzentrum Reinbek (Schlossstraße 5) aus.

Vernissage zur Ausstellung „Lasst mich ich selbst sein“: Freitag, 7. Februar, 18.00 Uhr, Schloss Reinbek, Schlossstraße 5