Stormarn
Projekt

Schüler lernen in Reinbek Politik und Verwaltung kennen

Der elfte Jahrgang der Reinbeker Sachsenwaldschule lernte beim Projekt Jugend im Rathaus die Abläufe zwischen Bürgern, Verwaltung und Politik kennen.

Der elfte Jahrgang der Reinbeker Sachsenwaldschule lernte beim Projekt Jugend im Rathaus die Abläufe zwischen Bürgern, Verwaltung und Politik kennen.

Foto: Susanne Tamm

Bei „Jugend im Rathaus“ werden ganz konkrete Projekte geplant, diskutiert und präsentiert. Dabei zeigt sich so manches Problem.

Reinbek. Rund 220 Jugendliche verschiedener Schulen bevölkern in diesen Tagen bis einschließlich Freitag das Reinbeker Rathaus. In verschiedenen Arbeitsgruppen lernen sie, was sie alles bedenken müssen, wenn sie Verwaltungsprojekte umsetzen wollen. Sie lernen die Abläufe zwischen Bürgern, der hauptamtlichen Verwaltung im Rathaus und der ehrenamtlichen in der Politik kennen. Dabei zur Seite stehen ihnen Rathausbedienstete sowie Mitarbeiter der Schuldnerberatung, des E-Werks Sachsenwald und Kommunalpolitiker. Die Schüler sollen versuchen, ganz konkrete Aufgaben zu lösen.

Am Dienstag waren etwa 50 Schüler des zehnten Jahrgangs des Reinbeker Gymnasiums Sachsenwaldschule aufgeteilt in fünf Arbeitsgruppen in den Gängen des Rathauses unterwegs. „Voll cool“ fand eine 15-Jährige den Vormittag im Verwaltungsgebäude. „Ich wusste ganz viel, von dem, was wir heute gelernt haben, noch nicht.“ Ob Klimaschutz, Energieversorgung, Stadtplanung für Reinbeks Jugendliche, die Digitalisierung der Schulen oder Existenzsicherung: Die komplexen Aufgaben waren so gewählt, dass die 15 bis 16 Jahre alten Jugendlichen auch einen Bezug zum Thema hatten, zu dem sie verschiedene Fragen beantworten und es abschließend auch präsentieren sollten.

Für die Abstimmung ist viel Kommunikation nötig

Die Gruppe Stadtplanung schlug vor, eine Soft-Air-Anlage in der Wildkoppel zu errichten und stieß im Plenum damit auf Skepsis. „Ist es logisch, für eine Art Spielplatz so viel Geld auszugeben?“, hakte eine Schülerin kritisch nach. Die Arbeitsgruppe hatte die Kosten auf etwa zwei Millionen Euro geschätzt.

Paula Röpnack, die für die Gruppe sprach, räumte ein, dass man sich erst einmal auf ein Vorhaben habe einigen müssen. „Welches es ist, ist für den Ablauf eigentlich egal“, erklärte sie. „Es sind so viele Faktoren, auf die man achten muss: Was sagen die Jüngeren dazu? Was die Älteren? Lärm, Finanzen, Strom, werden Fahrradständer gebraucht? Wie viele? Es ist sehr viel Kommunikation nötig, um alles abzustimmen.“

Für die letzten Details haben die Schüler keine Zeit mehr

Ein Zuhörer wollte wissen, wie es bei dem Projekt denn um Klimaschutz und Nachhaltigkeit bestellt sei. „Leider war die Zeit für uns so knapp, dass wir drei Punkte nicht mehr klären konnten, die einem solchen Projekt entgegenstehen könnten“, sagte Paula Röpnack: „Steht die Wildkoppel unter Naturschutz? Wie wirkt sich der Kinderspielplatz darauf aus? Und spielt ein Denkmal in der Nähe eine Rolle für das Vorhaben?“ Die 15-Jährige schlug vor, den Jugendlichen nächstes Mal mehr Zeit einzuräumen.

Auch die anderen Gruppen erfuhren, wie komplex eine Aufgabe sein kann. Die AG „Existenzsicherung“ beschäftigte sich zunächst damit, was das Leben überhaupt kostet: Miete, Strom, Wasser, Mediengebühren, Haftpflichtversicherung, Lebensmittel, Monatskarte und vielleicht noch Hobbys. „Das Rollenspiel zu Beginn hat uns verdeutlicht, worauf wir später achten müssen“, sagte Julia Badzong. Aber auch, dass niemand unter der Brücke schlafen muss: „Reinbek gibt im Jahr etwa 1,6 Millionen Euro für Sozialhilfe aus“, berichtete die 16-Jährige. Es gebe etwa 1000 Fälle. Viele seien Rentner und könnten nicht mehr arbeiten. Wer in Not sei, müsse einen Antrag stellen und ins Rathaus kommen.