Stormarn
Finanzierung

Ahrensburger Kirche für weitere fünf Jahre gerettet

Die Kirche St. Johannes an der Rudolf-Kinau-Straße. Durch eine neue Vereinbarung kann sie weiter genutzt werden.

Die Kirche St. Johannes an der Rudolf-Kinau-Straße. Durch eine neue Vereinbarung kann sie weiter genutzt werden.

Foto: Birgit Schücking

Neuer Vertrag zwischen der Kirchengemeinde und dem Förderverein St. Johannes sichert den Weiterbetrieb in den kommenden fünf Jahren.

Ahrensburg. Sie ist eines von drei Gotteshäusern der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Ahrensburg. Sie war Gegenstand kontroverser Debatten, zeitweilig geschlossen und ihr drohte aus Geldnot die Entwidmung: die Kirche St. Johannes an der Rudolf-Kinau-Straße. Doch nun ist sie erneut gerettet – auf Zeit. Der Grund: Es gibt einen neuen Vertrag zwischen dem Förderverein St. Johannes und der Kirchengemeinde.

Neue Vereinbarung gilt seit Anfang Januar 2020

Diese Nutzungs- und Finanzierungsvereinbarung regelt den Weiterbetrieb der Kirche in den nächsten fünf Jahren. Sie ist gültig seit dem 1. Januar 2020 und ersetzt eine alte Vereinbarung, die bis Ende 2019 befristet war. St. Johannes bleibt damit weiterhin geöffnet und ein Ort für Gottesdienste und kulturelle Veranstaltungen. „Im Kirchengemeinderat gab es große Einmütigkeit für eine neue Vereinbarung. Wir freuen uns, dass es St. Johannes gibt“, sagt Herbert Meißner, Vorsitzender des Rates, der dem neuen Vertrag zustimmen musste. „Es gibt ein harmonisches Miteinander zwischen dem Förderverein und dem Kirchengemeinderat. Der Erhalt von St. Johannes sollte ein Projekt der gesamten Kirchengemeinde sein, sie sollte dies als ihre Aufgabe ansehen.“

Förderverein muss jährlich 12.000 Euro für Betrieb der Kirche zahlen

Die neue Vereinbarung sieht vor, dass der Förderverein St. Johannes mit seinen derzeit rund 200 Mitgliedern den Betrieb der Kirche mit der pauschalen Summe von 12.000 Euro jährlich unterstützt. Dazu kommen 3000 Euro jährlich als Investitionsrücklage sowie zahlreiche ehrenamtliche Leistungen der Vereinsmitglieder, die der Nutzung von St. Johannes dienen. Zu letzteren zählen etwa Küsterdienste, die Pflege der Außenanlagen und das Schmücken mit Blumen und Kerzen. „Der neue Vertrag mit der Pauschale ist für uns eine Vereinfachung, da die alte Vereinbarung unsere Leistungen noch genau mit einem Katalog spezifiziert hat“, sagt Klaus Tuch, der Vorsitzende des Fördervereins. So war konkret festgelegt, welche Summen der Verein für welche Ausgabenposten zu zahlen hatte, etwa für Strom, Müllentsorgung und Winterdienst.

Förderverein organisiert einen Laiengottesdienst pro Monat

Die Kirchengemeinde stellt für die Gebäudekosten von St. Johannes rund 40.000 Euro in ihren Haushalt ein. Wie bislang sieht der nun geltende Vertrag zudem vor, dass die Gemeinde drei Gottesdienste im Monat in St. Johannes abhält. Der Förderverein organisiert zusätzlich einen Laiengottesdienst monatlich. Daneben will er auch künftig Konzerte, Vorträge, Lesungen und andere Veranstaltungen in dem Gotteshaus anbieten. Er finanziert seine Arbeit aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und dem Erlös von Benefiz-Veranstaltungen.

Kirche St. Johannes sollte entwidmet werden

„Wir sind froh, dass es über St. Johannes ein gegenseitiges Einvernehmen zwischen dem Verein und der Kirchengemeinde gibt“, sagt Klaus Tuch. Dies war in der Vergangenheit nicht immer so: Im Jahr 2013 stellte der damalige Kirchengemeinderat beim Kirchenkreis Hamburg-Ost einen Antrag auf Entwidmung von St. Johannes. Grund war die angespannte finanzielle Lage der Ahrensburger Kirchengemeinde. Der Rat wollte die Kosten für den Unterhalt der Kirche einsparen. Als Folge war St. Johannes zeitweise geschlossen und durch einen Zaun abgesperrt.

Die Entscheidung des Gremiums führte unter den Gemeindemitgliedern zu teils heftiger Kritik und Protesten. Es kam zur Gründung des Fördervereins St. Johannes. Diesem gelang es, im Jahr 2014 einen ersten Vertrag zum Weiterbetrieb des Gotteshauses mit der Kirchengemeinde abzuschließen, der finanzielle und ehrenamtliche Leistungen des Vereins vorsah. Diese Vereinbarung wurde nun verlängert und erneuert.

Pastor: Neue Vereinbarung ist „ein Modell für die Zukunft“

„Es ist unser aller Ziel, eine lebendige Kirchengemeinde zu erhalten und zu entwickeln“, sagt Hans-Peter Hansen, Mitglied des Fördervereins und Vorsitzender des Bauausschusses des Kirchengemeinderats. Und Fabian Garthe, Vorsitzender des Finanzausschusses, ergänzt: „Die Kirchengemeinde will auf die Menschen zugehen und sich nicht zurückziehen.“

Sehr zufrieden mit der neuen Vereinbarung ist Pastor Helgo Matthias Haak, dienstältester Pastor der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Ahrensburg: „Ich begrüße sie außerordentlich. Sie ist ein Modell für die Zukunft und setzt Energien frei. Ich rechne damit, dass St. Johannes so auf Dauer erhalten bleibt.“ Und dies trotz künftiger finanzieller Herausforderungen für die Kirche. „St. Johannes ist in der Gemeinde fest verankert“, sagt der Geistliche. „Sie kann nicht nur als Gotteshaus, sondern auch als Begegnungszentrum genutzt werden und als großer Veranstaltungsraum. Dafür muss die Gemeinde sich Verbündete suchen.“

Im Gemeindehaus sind Flüchtlinge untergebracht

Um St. Johannes besser erhalten zu können, planen Förderverein und Kirchengemeinde als Nächstes, einen Anbau zu errichten. „Dieser soll dazu dienen, dass die Kirche vielfältig genutzt werden kann und damit zu ihrem Erhalt beitragen“, sagt Hans-Peter Hansen. Geplant sind in dem Anbau ein Gemeinschaftsraum von 75 Quadratmetern Fläche, eine Teeküche, Toiletten mit Behinderten-WC und Abstellräume.

Der Zeitpunkt für den Baubeginn steht noch nicht fest. „Wir beginnen dieses Jahr mit der Planung, das Ganze wird ein langwieriger Prozess“, sagt Hans-Peter Hansen. So steht am Anfang eine Bauvoranfrage bei der Stadt Ahrensburg. Wird diese positiv beschieden, muss der Kirchenkreis Hamburg-Ost über den Anbau entscheiden. Gibt er grünes Licht, muss das erforderliche Grundstück noch vom Verein Heimat gekauft werden.

Letzterer hatte das St. Johannes umgebende Gelände mit dem alten Gemeindehaus 2016 von der Kirchengemeinde gekauft. Seitdem sind im Gemeindehaus Flüchtlinge untergebracht. Erst nach dem Grundstückskauf und einer Baugenehmigung kann der Anbau beginnen.

Der Anbau wird größtenteils vom Förderverein finanziert

Hans-Peter Hansen rechnet mit Baukosten von rund 250.000 Euro für den Anbau, der auch Umbauten am bestehenden Kirchengebäude mit sich bringen würde. Den Großteil der Summe will der Förderverein aufbringen. „Der Anbau ist nur möglich mit dem Förderverein, die Kirchengemeinde allein könnte ihn nicht leisten“, sagt Fabian Garthe.

Die Gemeinde könne sich nur aufgrund der nötigen Umbauten an der Kirche finanziell beteiligen. Ihr Anteil daran stehe noch nicht fest. „Die Summe wird weit unter 100.000 Euro liegen, da die Gemeinde mit der Erhaltung der im Bestand befindlichen Gebäude stark ausgelastet ist. Da die zukünftige Finanzierung der Gemeindearbeit gewährleistet sein muss, darf sie nicht durch Neubauausgaben belastet werden“, sagt der Vorsitzende des Finanzausschusses des Kirchengemeinderates.

Ahrensburger Kirchengemeinde zählt rund 10.500 Mitglieder

Was die Gebäudeinstandhaltung angeht, so sind dafür im Haushalt 2020 der Ahrensburger Kirchengemeinde – sie hat derzeit etwas mehr als 10.500 Mitglieder – rund 230.000 Euro eingestellt. Dies ist der zweithöchste Ausgabenposten nach den Personalkosten für die derzeit 13 haupt- und nebenberuflichen Mitarbeiter. Sie betragen etwa 450.000 Euro.

Das Gesamtvolumen des Haushaltes 2020 liegt bei rund 1,3 Millionen Euro. Auf der Einnahmenseite schlagen vor allem die Kirchensteuerzuwendungen von gut 600.000 Euro zu Buche. Der zweitgrößte Bereich sind Mieteinnahmen aus gemeindeeigenen Immobilien. Sie liegen schon deutlich unter der Hälfte der Kirchensteuerzuwendungen.

Finanzlage der Kirchengemeinde ist derzeit entspannt

So ist für dieses Jahr ein Überschuss von rund 70.000 Euro eingeplant. Er soll den Rücklagen der Gemeinde zufließen. „Im Moment ist die Finanzlage der Kirchengemeinde entspannt“, sagt Fabian Garthe. „Aber wir müssen in die Zukunft sehen.“ In fünf Jahren könne die Lage ganz anders aussehen, denn die Kirchensteuereinnahmen gehen weiter zurück. „Wenn wir keine Standorte und Kirchen schließen wollen, müssen wir überlegen, wie wir Einnahmen erzielen können. Und das, ohne unsere soziale Verantwortung aufzugeben“, so Garthe. „Das wird eine Gratwanderung.“