Stormarn
Hoisdorf

Bei diesem Bäcker reiten die Kunden auf dem Pferd ein

Cevin Pohlmann (l.) nimmt seine Pferde am Wochenende mit zum Brötchenkauf. Bäcker Armin Teubler (r.) reicht ihm die frische Ware über den Tresen.

Cevin Pohlmann (l.) nimmt seine Pferde am Wochenende mit zum Brötchenkauf. Bäcker Armin Teubler (r.) reicht ihm die frische Ware über den Tresen.

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Bei Armin Teubler kommen gibt es Klönschnack und spezielle HSV-Brötchen. Der Bäcker legt großen Wert auf Nachhaltigkeit.

Hoisdorf. Der kleine Backshop im Vorgarten von Armin Teubler ist zu einem morgendlichen Treffpunkt vieler Hoisdorfer geworden. Bei einem Klönschnack werden an der Waldstraße der Gemeinde Neuigkeiten ausgetauscht. Manch einer trifft einen alten Freund wieder, andere schließen neue Bekanntschaften. Für Teubler, der in einem kleinen Verkaufswagen bis zu 28 verschiedene Brötchensorten anbietet, gilt eine feste Grundregel: „Damit die Ware den vollen Geschmack entwickelt, muss sie möglichst frisch gebacken in der Auslage liegen“, sagt der 55 Jahre alte Hoisdorfer.

Armin Teublers Arbeitstag beginnt zu nachtschlafender Zeit: Wochentags steht Teubler um 3.30 Uhr in der Backstube seines Wohnhauses, am Sonnabend und Sonntag beginnt der Tag für ihn schon um 1.30 Uhr. Ab 5 Uhr ist der Backofen auf Temperatur – beim Nachschub darf nichts ins Stocken geraten.

„Keine Ahnung“ ist ein Volkornbrötchen mit ganzen Körnern

Einer der Stammgäste am Wochenende ist Cevin Pohlmann. Der Hoisdorfer sagt: „Es ist fast schon ein Ritual. Zunächst hole ich unsere Pferde aus einem nahe gelegenen Stall zum gemeinsamen Spaziergang ab, anschließend mache ich einen Stopp bei Armins Backstube und besorge Brötchen für die Familie. Armin ist ein cooler Typ. Ein Original, das es heutzutage nur noch selten gibt.“ Nachhaltigkeit ist Pohlmann wichtig. Die Brötchen reicht Armin Teubler ihm in einem umweltfreundlichen Stoffbeutel über den Tresen. Die Pferde warten währenddessen geduldig von der Tür.

Teublers Angebot ist vielfältig. Zur Auswahl steht auch das „2. Liga-Brötchen“ – ein Weizenbrötchen aus braunem Zucker und jeder Menge Haferflocken. „Bei der Namensgebung hat mich natürlich der Abstieg des HSV inspiriert“, sagt der bekennende Anhänger des FC Bayern München mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Der Renner an der Waldstraße ist aber „Keine Ahnung“. Das ist ein Vollkornbrötchen mit ganzen Körnern. „Wenn ein Kunde das erste Mal bei mir vor dem Tresen steht und ich ihn frage, ,Was darf es denn sein?‘, dann blickt er meist auf die große Auswahl und antwortet: ,Keine Ahnung‘“, erzählt Teubler. „Eines meiner Produkte musste deshalb unbedingt so heißen.“

Teuber geht keine Kompromisse ein. Das selbst gebackene Dinkelbrötchen besteht aus 100 Prozent Dinkelmehl. Ein anderes Brötchen backt er nach einem von ihm selbst kreierten Rezept. „Innen hat es ebenso viele Körner wie außen, das kommt bei den Kunden gut an“, sagt er. Der 55-Jährige nutzt auch Rohlinge oder vorgebackene Teigware mit kurzer Frischhaltezeit, die seinem Qualitätsanspruch entsprechen.

Auch Briefsachen können im Backshop erledigt werden

Teublers Backstube ist über die Grenzen Hoisdorfs hinaus bekannt. Zu ihm kommen Lütjenseer, Leute aus Großensee, Siek, Todendorf oder Ahrensburg, sagt er. Frederik Braun und Ehefrau Johanna zählen zu den Stammkunden. „Den Tipp haben wir von Nachbarn bekommen, seitdem kommen wir regelmäßig zu Armin“, sagt Braun.

Für ihn, der mit seinem Bruder Gerrit in Hamburg zusammen das Miniatur Wunderland betreibt, sei umweltverträgliches Verhalten ein wichtiges Thema. „Meine Frau und ich finden es klasse, dass Armin nur so viele Brötchen backt, wie er zu verkaufen hofft“, sagt er. „Deshalb ist manchmal die Auslage um 10 Uhr fast schon leergeräumt. Das ist besser, als große Mengen nicht verkaufter Ware wegzuschmeißen.“

Auch Armins Butterkuchen hat es vielen seiner Kunden angetan. Den verkauft er nicht stückweise, sondern nur in „Ein-Achtel-Portionen vom Blech“. Auch Briefsachen können bei Armin Teubler erledigt werden, die Hoisdorfer müssen dazu nicht extra zur Post. „Ich sehe das als zusätzlichen Service“, sagt der Unternehmer.

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Backshop hat am 1. und 2. Weihnachtags geöffnet

Teubler erzählt von einem besonders kostspieligen Brötchenkauf eines Kunden. „Der hatte seinen Hund mit der Leine an seinem Fahrrad festgebunden. Als das Tier unsere Katze vorbeilaufen sah, gab es kein Halten mehr. Das Fahrrad im Schlepptau preschte der Hund zwischen zwei geparkten Autos hindurch. Der Schaden von rund 2000 Euro wurde zum Glück anstandslos von der Versicherung bezahlt.“

Wer am Wochenende nicht rechtzeitig aus den Federn kommt, braucht bei Armin Teubler nicht auf seine Brötchen zu verzichten. „Ab und zu bekomme ich zu später Stunde noch eine Nachricht per WhatsApp. Mit der Bitte, dem Kunden morgens eine Tüte mit Brötchen an die Tür zu hängen. Bezahlt wird dann später.“

In der Nachbarschaft ist der Armin Teubler bekannt wie ein bunter Hund. „Meiner 96 Jahre alten Nachbarin bringe ich jeden morgen Brötchen und die Zeitung, in der Straße grüße ich jeden, das ist Dorfleben pur.“ Damit die Hoisdorfer während der Feiertage nicht auf ein gutes Frühstück verzichten müssen, hat der kleine Backshop auch am ersten und zweiten Weihnachtstag (7.30 bis 10.30 Uhr) geöffnet.