Stormarn
Verfahren eingeleitet

In Hamberge ist nun Lärmschutz in Sicht

Heidrun und Claus Leonhartsberger können ihre grüne Idylle wegen des Autobahnlärms kaum genießen, sagen die Hamberger.

Heidrun und Claus Leonhartsberger können ihre grüne Idylle wegen des Autobahnlärms kaum genießen, sagen die Hamberger.

Foto: Melissa Jahn

Der Autobahnlärm nervt Anwohner seit Jahrzehnten. Nun bestätigt das Ministerium das Planfeststellungsverfahren für eine Schutzwand.

Hamberge/Kiel. Die Einwohner von Hamberge können aufatmen. Seit 30 Jahren kämpfen einige Menschen der 1700-Einwohner Gemeinde in Nordstormarn um eine Erhöhung der Lärmschutzwand zur Autobahn 1. Nun hat Minister Bernd Buchholz (FDP) in Kiel versprochen, das Projekt auf den Weg zu bringen. Das Verkehrsministerium bestätigte auf Anfrage des Abendblattes, dass das Planfeststellungsverfahren eingeleitet wurde. Der Bau soll noch innerhalb dieser Legislaturperiode, also bis 2022, erfolgen. Doch viele Hamberger sind skeptisch, ob und vor allem wann es tatsächlich losgehen wird.

Viele Hamberger können ihre Gärten nicht richtig genießen

Ein kleines Paradies haben sich Heidrun und Claus Leonhartsberger in Hamberge erschaffen. Mit einem Wintergarten, liebevoll angelegtem Garten und Schwimmteichen, in denen ihre Kois leben und die Enkelkinder das Schwimmen erlernten. Doch wirklich genießen kann das Ehepaar die heimische Idylle kaum. Besonders bei Westwind ziehen sie sich wegen des Verkehrslärms hinter eine Schallschutzverglasung zurück. „Ruhig ist es nur bei Stau“, sagt Claus Leonhartsberger. „Statt zu rufen, haben wir uns draußen das Pfeifen angewöhnt. Alles andere ist nicht zu verstehen.“ Vor 43 Jahren war die Familie nach Hamberge gezogen. Zu einer Zeit, in der die Autobahn wegen der fehlenden Lärmschutzwand zwar zu sehen, aber kaum zu hören war. „Als die dritte Spur ausgebaut wurde, haben wir eine Lärmschutzwand bekommen, die aber noch nicht einmal auf Höhe der Lastwagen reicht“, sagt Leonhartsberger. „Diese soll um weitere 3,50 Meter erhöht werden.“

Von Jahr zu Jahr nimmt der Verkehr auf der A 1 zu, insbesondere der Schwerlastverkehr. Nachbar Ernst August Levermann nutzt seinen Balkon ebenfalls kaum. Besonders stören ihn die Reifengeräusche, die die Fahrzeuge auf der Fahrbahn erzeugen. Verstärkt werde der Lärm noch durch den E-Highway. Wenn der Wind über die Oberleitung der Stromautobahn streicht, sei ein lautes Pfeifen und Brummen zu hören, sagt Levermann. Die Anwohner bemängeln, dass die Lärmschutzwand nicht gleichzeitig mit dem Bau der Teststrecke für Elektrolastwagen errichtet wurde.

Auch ärgert viele, dass das millionenteure Projekt realisiert wurde, während das Dorf seit 30 Jahren in Sachen Lärmschutz vertröstet werde. „Es finden sich immer Mittel und Wege, den politischen Willen durchzusetzen“, sagt Levermann. „Die Interessen der Wirtschaft werden schnell befriedigt – bei uns Bürgern dauert es lange.“ An eine baldige Verbesserung der Situation glaubt der Rentner nicht.

Manche Einwohner wollten sogar schon wegziehen

Hoffnungsvoll gibt sich Karsten Witt, der ebenfalls seit 35 Jahren in Hamberge wohnt. Nicht nur einmal habe er mit dem Gedanken gespielt, aus dem Dorf wegzuziehen, die Idee jedoch immer wieder verworfen. Er verbinde viele persönliche Erinnerungen mit dem Ort und es sei schwierig, woanders Adäquates zu finden. Ein Verkauf seiner Immobilie schwierig, weil sich der Lärm wertmindernd auswirke. In seinem Haus in direkter Sichtweite zur Autobahnbrücke spüre er sogar die durch die Lastwagen verursachten Erschütterungen. „Obwohl das Grundrauschen ständig da ist, kann ich mich nicht daran gewöhnen“, sagt Witt. Und weiter: „Das Gegenteil ist der Fall. Die Lärmkulisse gefährdet auch unsere Gesundheit.“

Doch weil nur um die 40 Häuser im sogenannten roten, also kritischen, Bereich des Lärmkatasters liegen, gebe es keinen Rechtsanspruch auf Lärmschutz. Umso mehr erhoffe sich Witt, dass Kiel das Versprechen schnell einlösen wird. Als gute Nachricht bewertet auch Bürgermeister Paul Friedrich Beeck die Zusage des Wirtschaftsministers. Bisher sei die Gemeinde nicht in die Planung einbezogen worden. Die genaue Ausgestaltung stehe noch nicht fest.

Auch Naturschutzverbände und BUND beteiligen sich an Prüfung

Im ersten Schritt werden beteiligte Behörden und Verbände um eine Stellungnahme gebeten. Auch die Naturschutzverbände Nabu und BUND beteiligen sich an der Umweltverträglichkeitsprüfung. Dabei wird auch die Frage geklärt, ob Ausgleichsflächen nötigt sind. Laut Beeck soll die Haselmaus im Bereich des alten Lärmschutzwalls leben. Doch die Gemeinde hat vorgesorgt: 1,7 Hektar Ackerfläche stehen auf der anderen Seite der Autobahn für Naturschutzzwecke zur Verfügung. Mit Einwänden rechnet der Bürgermeister nicht, da das Bauvorhaben verhältnismäßig klein sei.

„Wir haben dem E-Highway damals ohne Verfahren zugestimmt, um den Bau nicht zu verzögern“, sagt Beeck. „Jetzt kann das Land seinen Teil der Abmachung erfüllen.“