Stormarn
Sommerserie

Wir sind die Neuen im Neubaugebiet Hamberge

Andy Lukas (41) mit Frau Franziska (28) und den Töchtern Anna (2, l.) und Lea (1) in einem Blumenfeld direkt hinter ihrem Grundstück.

Andy Lukas (41) mit Frau Franziska (28) und den Töchtern Anna (2, l.) und Lea (1) in einem Blumenfeld direkt hinter ihrem Grundstück.

Foto: Marc R. Hofmann / HA

Wir sind die Neuen! In unserer Sommerserie stellen wir Menschen aus Neubaugebieten in Stormarn vor. Heute: Hamberge.

Hamberge.  Die meisten von ihnen wohnen kaum ein Jahr hier und sind doch schon eine eingeschworene Gemeinschaft – egal, ob sie aus dem 1700-Einwohner-Dorf kommen oder nicht. Kinder und Hunde spielen auf den Straßen, viele Bewohner duzen sich. Die Atmosphäre im Neubaugebiet an Haferkoppel und Roggenring im Hamberger Ortsteil Hansfelde ist familiär. „Hier lebt es sich gut“, sagt Andy Lukas.

Zehn Euro Rabatt auf den Quadratmeterpreis

Der 41 Jahre alte Vater von zwei Kindern wohnt seit Oktober vergangenen Jahres hier, ist aber schon seit 20 Jahren Hamberger. „Hier sind meine Familie und meine Freunde, hier bin ich bei der Feuerwehr“, sagt Lukas.

Als klar war, dass er, seine 28-jährige Frau Franziska und die zwei Töchter Anna (2) und Lea (1) und Labrador-Australian-Shepherd-Mix Anton mehr Platz brauchen, stand für Andy Lukas deshalb fest, dass er im Ort eine neue Bleibe suchen würden. Als Einheimischer erhielt er in dem Neubaugebiet zehn Euro Rabatt auf den Quadratmeterpreis. „Aber das war nur ein Bonbon“, sagt er. Hier gebaut hätte er auch ohne diesen besonderen Anreiz.

Bewohner wünschen sich mehr Lärmschutz

Besonders gefällt ihm, dass die kleine Gemeinde neben einem Kindergarten auch eine eigene Grundschule hat, die gerade erst erweitert wurde. Und langweilig wird ihm in seinem neuen Haus auch nicht. Vom Garten aus blickt er auf eine Wildblumenwiese. Immer wieder beobachtet er dort Spaziergänger, die Selfies inmitten des Blütenmeeres schießen. „Gerade erst waren Mädels einer Cheerleader-Mannschaft da“, sagt er lächelnd.

Doch Kritikpunkte hat er auch auch. Denn das Neubaugebiet vor den Toren Lübecks ist umgeben von den Autobahnen 1 und 20 und der Bundesstraße 75. Für ihn unverständlich: „Während wir seit Jahrzehnten auf einen besseren Lärmschutz an der A 1 warten, wird der E-Highway binnen kürzester beschlossen und umgesetzt“, sagt Lukas.

Gutes Verhältnis zu den Nachbarn

Nur ein Stück weiter die Straße entlang wohnt Stefan Wehrenberg. Der 35 Jahre alte Ergotherapeut sagt: „Als Teenager wollt ich nie aufs Dorf.“ Heute liebe er es. Zusammen mit Partnerin Stephanie und Rhodesian Ridgeback Sina (5) wohnt er seit einem Jahr in einem Bungalow am Roggenring. „Viele hier sind wie wir Mitte 20 bis Mitte 30“, sagt er.

Entsprechend gut sei das Verhältnis. Auf seiner Hunderunde komme er manchmal kaum vorwärts, weil immer wieder ein Klönschnack mit Nachbarn anstehe. „Unser Sommerfest war eine verbindende Erfahrung“, sagt Wehrenberg. Als ein Gewitter aufzog, packten alle Bewohner mit an, bauten Zelt und Musikanlage in Windeseile ab. „Und dann haben wir unterm Carport weitergefeiert.“ Mit rund 50 Teilnehmern sei praktisch die ganze Straße dabei gewesen. Eine positive Erfahrung, die sich der Ergotherapeut nicht von der nahen Autobahn kaputt machen lässt. „An die haben wir uns gewöhnt“, sagt er. Dadurch sei schließlich auch die Erreichbarkeit von Hamberg und Lübeck so gut.

„Lübeck war uns zu teuer“

Noch ganz frisch im Haus sind Stefanie Brett (28) und Alex Meidel (30). „Wir wohnen erst seit drei Monaten hier“, sagt sie. Besonders stolz ist das junge Paar auf ihre neue Küche mit einem Dunstabzug, der in das Kochfeld integriert ist. „Um Elektrik und Trockenbau haben wir in dem Haus selbst gekümmert“, sagt Brett. Die beiden, die bisher direkt in Lübeck gewohnt haben, opferten dafür viel Freizeit. In Hamberge gefällt es ihnen vor allem der Ruhe wegen, wie Meidel sagt. Brett ergänzt: „Ich mag das Muhen der Kühe.“ Die Tiere stehen nur wenige Hundert Meter entfernt auf einer Wiese. Und trotzdem ist Lübeck ganz nah. „Vom Fenster im Obergeschoss können wir die Kirchtürme der Stadt sehen“, sagt sie. Obwohl die beiden noch keine Kinder haben, kennen sie sich schon bestens aus: „Hier im Neubaugebiet soll ein Jugendspielplatz mit WLAN entstehen“, sagt Meidel.

Ebenfalls aus der Hansestadt an der Trave kommen Doreen und Oliver Bolzmann. Als die Nachwuchsplanung anstand, zogen die 40 und 35 Jahre alten Eheleute raus aufs Land. Im Neubaugebiet gehören sie inzwischen zu den Ureinwohnern, leben bereits seit knapp zwei Jahren in ihrem Friesenhaus in Hamberge. „Wir wollten in der Nähe bleiben, aber Lübeck war uns zu teuer“, sagt Doreen Bolzmann. Inzwischen ist Töchterchen Lea neun Monate alt. Auch die Bolzmanns loben die gute Nachbarschaft in dem Neubaugebiet, freuen sich über die vielen potenziellen Spielkameraden für ihre Tochter. „In fast jedem Haus wohnen gleich zwei Kinder“, sagt Mutter Doreen.

Infos zur Gemeinde Hamberge

1694 Einwohner hatte Hamberge Ende 2018. Ist das Neubaugebiet vollständig bezogen, könnten es noch rund 100 mehr sein. Damit wäre der Ort in etwa drei Jahren um rund 20 Prozent gewachsen, vor allem durch neue Einwohner aus den Straßen Haferkoppel und Roggenring. Die Gemeinde muss deswegen kräftig in ihre Infrastrukturinvestieren, konnte durch die wachsenden Schülerzahlen jedoch die Grundschule halten. Da Hamberge das Neubaugebiet selbst vermarktet hat, konnte mit den Gewinnen aus den Grundstückspreisenein Teil der Investitionen in Kita und Schule refinanziert werden. Besonderheit ist das Einheimischen-Modell: Wer in Hamberge seit mindestens einem Jahr wohnt oder arbeitet, erhält von der Gemeinde 10 Euro Rabatt auf den Quadratmeterpreis. Wer vor Ablauf von zehn Jahren wegzieht, muss ihn anteilig zurückzahlen. Aktuell werden zwei weitere Neubauvorhabengeplant. Auf dem Gelände der ehemaligen Gaststätte Traveblick sollen in einem Mehrfamilienhaus 35 bis 37 barrierefreie Wohnungen für junge Einwohner und Senioren entstehen, dazu eine Gewerbefläche für ein Café oder eine Tagespflege. Los gehen soll es Ende dieses Jahres. Bereits in der Planung ist ein weiteres Neubaugebiet jenseits der B 75 in Richtung Travetal.