Stormarn
Stadtentwicklung

Wohnungsbau: So will Ahrensburg mit den Flächen tricksen

Im Frühjahr 2019 hatten die Politiker 15 Potenzialflächen für Wohnungsbau bestimmt, die Verwaltung dazu die jeweils mögliche Wohnungszahl genannt. Das Grundstück Kornkamp/südlich Clariant wurde nun aus rechtlichen Gründen gestrichen.

Im Frühjahr 2019 hatten die Politiker 15 Potenzialflächen für Wohnungsbau bestimmt, die Verwaltung dazu die jeweils mögliche Wohnungszahl genannt. Das Grundstück Kornkamp/südlich Clariant wurde nun aus rechtlichen Gründen gestrichen.

Foto: Grafik: Olsen / Stadt Ahrensburg

Weil der Flächennutzungsplan stockt, schlägt die Verwaltung vor, die Zahl der Wohnungen auf potenziellen Baugebieten zu verschweigen.

Ahrensburg. Um bei der Erstellung des neuen Flächennutzungsplans endlich voranzukommen, hat die Ahrensburger Verwaltung die Politik mit einem neuen Vorschlag überrascht. „Sie könnten nur die Potenzialflächen beschließen und wir verzichten auf eine detaillierte Wohnungsdichte“, sagte Stadtplanerin Stefanie Soltek in Richtung der Mitglieder des Bau- und Planungsausschusses. Das bedeutet: Die Politiker würden in dem Plan zwar festlegen, welche Flächen im Stadtgebiet für Wohnungsbau infrage kommen, aber nicht, wie viele Wohnungen dort jeweils realisiert werden könnten. „Wir gehen dann einfach davon aus, dass wir die vom Land geforderte Zahl dort unterbringen können.“

Seit 2011 diskutieren die Politiker bereits über einen neuen F-Plan

Zum Hintergrund: Seit 2011 arbeitet Ahrensburg bereits an der Aufstellung eines neuen Flächennutzungsplans. Das aktuell gültige Werk stammt aus dem Jahr 1974, Entwicklungsziele und Ausgangsdaten sind längst überholt. Doch immer wieder kam der Prozess zum Stocken. Bürger protestierten gegen die Ausweisung von Bauflächen vor ihrer Haustür, Politiker strichen immer mehr Areale heraus. Das Innenministerium in Kiel bemängelte daraufhin, dass die Zahl der Wohnungen nicht ausreiche.

Im Frühjahr 2019 konnten sich die Politiker schließlich auf 15 Areale einigen, die in den neuen F-Plan aufgenommen werden sollen. Die Verwaltung nannte damals für jedes Gebiet eine mögliche Wohnungszahl, 779 Einheiten kamen zusammen. Dem Bauamt kamen daraufhin Zweifel, ob die Zahl ausreichen würde, um beim Innenministerium die erforderliche Genehmigung für den Flächennutzungsplan zu erhalten. Denn die Stadt prognostiziert bis zum Jahr 2035 einen Bedarf von 1278 Wohnungen.

Verwaltung sieht Ahrensburg auf der rechtlich sicheren Seite

Peter Kania bezeichnete den neuen Vorschlag als „relativ elegante Lösung, damit uns der Flächennutzungsplan nicht wieder vom Ministerium oder Bürgern um die Ohren gehauen wird“, so der Bauamtsleiter. „Wir versuchen, eine Lösung zu finden, gegen die Kiel nichts machen kann.“ Rechtlich sei Ahrensburg mit dem Weg auf der sicheren Seite. „Die Bodendichte ist keine Pflichtangabe.“

Bei den Politikern sorgte der Vorschlag mehrheitlich für wenig Begeisterung. Markus Kubczigk (SPD) nannte das Weglassen der Wohnungszahlen einen „Etikettenschwindel“, sagte: „Das ist doch nicht seriös. Wir machen das nur, weil wir die erforderlichen Wohnungen nicht hinbekommen. Das merkt Kiel doch.“ Detlef Steuer (WAB) zeigte sich irritiert: „Wir diskutieren ewig über die Zahl, und nun sagen Sie plötzlich, das sei egal?“ Auch Carola Behr (CDU) konnte dem Vorschlag der Verwaltung wenig Positives abgewinnen. „Es ist schon wichtig, dass wir als Politik in den Plan reinschreiben, wie viele Wohnungen wir auf welcher Fläche haben wollen. Damit treffen wir eine wichtige Aussage.“

Bevölkerungsentwicklung nach 2030 ist bislang unklar

Letztlich wurde der Vorschlag der Verwaltung aber mit Stimmen von CDU, Grünen, WAB und FDP angenommen, damit die Rathausmitarbeiter erst einmal weiter an dem Plan arbeiten können. Auch ein Ergänzungsantrag der WAB für die später nach Kiel zu schickende Begründung erhielt eine politische Mehrheit. Im nächsten Schritt will die Verwaltung beim Land um eine Prognose der Bevölkerungsentwicklung bis 2035 bitten. Bisher reichen die Angaben nur bis 2030, den restlichen Bedarf hat die Verwaltung errechnet.

Zudem beschlossen die Politiker, die Fläche Kornkamp südlich der Firma Clariant aus dem Plan zu streichen. Eine Wohnbebauung sei dort nicht möglich, weil der Abstand zu Gewerbegebäuden zu gering sei, hieß es aus dem Rathaus.