Stormarn
Nachhaltigkeit

Reinbeker stellen T-Shirts aus Plastikmüll her

Can Busowietz (links) und Kian Stötzer produzieren mit dem Reinbeker Start-up Rakkit nachhaltige Sport-Shirts. Das Logo haben sie in Cans Küche selbst entwickelt.

Can Busowietz (links) und Kian Stötzer produzieren mit dem Reinbeker Start-up Rakkit nachhaltige Sport-Shirts. Das Logo haben sie in Cans Küche selbst entwickelt.

Foto: Susanne Tamm

Junge Start-up-Unternehmer produzieren Sporthemden aus Resten von Fischernetzen, die aus dem Meer gesammelt werden.

Reinbek.  Sie sprühen nur so vor Energie, Ideen und Ehrgeiz – und sie haben dabei auch Verantwortungsbewusstsein: Can Busowietz (22) und Kian Stötzer (20) sind zwei Jungunternehmer wie aus dem Bilderbuch. Die jungen Reinbeker kennen sich seit ihrer Kindheit. „Wir sind sozusagen Sandkistenkumpel“, sagt Can Busowietz. „Wir haben schon miteinander gespielt, als wir sechs und fünf Jahre alt waren.“ Heute sind sie beide auch Geschäftsführer des Labels „Rakkit“.

Thema Nachhaltigkeit ist den jungen Männern wichtig

Dass sie ihre eigenen Chefs sein wollten, stand für beide schon in der Kindheit fest. „Ich wollte schon immer mein eigener Herr sein“, erzählt Kian Stötzer, aktuell Tennis-Trainer beim TSV Glinde und BWL-Student an der Leuphana-Universität in Lüneburg. Bei ihm sei es ähnlich gewesen, erzählt Can Busowietz, derzeit noch Angestellter einer Telefon-Gesellschaft, demnächst Teilnehmer des dualen Studiengangs Sales-Management an der International Business Academy in Hamburg. „Schon mein Vater war selbstständig“, sagt Can Busowietz. „Ich habe schon als Jugendlicher immer neben der Schule gearbeitet, beispielsweise auch online mit limitierten Sneakers und Klamotten gehandelt, später dann mit Schmuck. Da habe ich gemerkt, dass selbstständig arbeiten viel cooler ist – nicht nur, weil man auch einen größeren Teil vom Kuchen abbekommt. Das hat vielmehr auch etwas mit Selbstverwirklichung und der Umsetzung eigener Ideen zu tun.“

Sein Geschäftspartner fügt hinzu: „Dass wir etwas zusammen aufziehen, diese Option war immer da. Denn wir haben den gleichen Arbeitswillen, die gleiche Denkweise: Es ist etwas anderes, für das eigene Baby zu arbeiten.“ Ausschlaggebend sei für beide dann aber doch das Thema Nachhaltigkeit gewesen, mit dem Kian Stötzer an seiner Universität, Can Busowietz während seiner kaufmännischen Ausbildung im Hotelwesen konfrontiert worden sind. „Als Konsument gleicht man schon ein wenig einem Sandkorn in der Wüste“, stellt Kian Stötzer fest. „Als Produzenten haben wir mehr Einfluss.“ Sein Mitstreiter Can Busowietz gesteht: „Wir wollen schon auch ein bisschen die Welt retten.“

Die Voraussetzungen für das Projekt waren bestens

Gemeinsam tüftelten sie eine Geschäftsidee aus: Can Busowietz hatte Erfahrungen mit Textilienhandel, Kian Stötzer in der Sportbranche. So kamen sie auf Funktionskleidung für den Sport. Dass diese nachhaltig produziert werden muss, war für sie von vornherein klar, doch ihre Internetrecherchen bestätigten sie noch darin: „Gegen die Riesenfirmen der Sportkleidungs-Produzenten haben wir nur in der Nische nachhaltige Mode eine Chance“, erklärt Kian Stötzer.

Die Voraussetzungen sind bestens: Seine Großmutter war Buchhalterin, Can Busowietz’ Vater Steuerberater, seine Tante führt eine Marketingfirma. „Gemeinsam schieben wir das Auto an, aber fahren tun wir allein“, stellt Can Busowietz klar.

Die Jungunternehmer sind im Gespräch mit Sportvereinen

Seit einigen Wochen sind ihre Sport­shirts jetzt im Internet für 47, 99 Euro inklusive Versand unter der Adresse www.rakkit.de erhältlich. In einem Unisex-Schnitt in den Farben Schwarz und Weiß haben sie vorerst 500 Stück produzieren lassen – nachhaltig, versteht sich. Das Material – ein Nylon-6-Gewebe – wird in einer italienischen Manufaktur produziert: Zu 90 Prozent besteht das Rohmaterial dafür aus Kunststoffen, die aus den Meeren gefischt wurden. „50 Prozent des Plastikmülls in den Meeren sind übrigens Fischernetze“, berichtet Kian Stötzer.

Auf dem Weg aus Norditalien werden die Polyester-Ballen zu einer Lohnnäherei nach Österreich gebracht. „Dort werden faire Löhne gezahlt“, betont Can Busowietz. „Außerdem haben wir nur zwei Glieder in einer möglichst kurzen Lieferkette.“ 30 Shirts sind bereits verkauft, mit dem TSV Glinde sind sie für eine Kooperation im Gespräch. „Wir wenden uns auch direkt an Sportvereine“, erläutert Kian Stötzer. „Für sie sind dann selbstverständlich auch andere Farben möglich.“