Stormarn
Nahverkehr

U1 soll häufiger fahren, aber Stormarn zieht nicht mit

Die U-Bahnlinie 1 Richtung Großhansdorf wird täglich auch von vielen Pendlern genutzt. Dieses Foto zeigt den Bahnhof Ahrensburg West.

Die U-Bahnlinie 1 Richtung Großhansdorf wird täglich auch von vielen Pendlern genutzt. Dieses Foto zeigt den Bahnhof Ahrensburg West.

Foto: Sabrina Michael / HA

Eine Verlängerung des Zehn-Minuten-Taktes ist vorerst gescheitert. Denn der Hamburger Senat hat sich mit Stormarn nicht abgestimmt.

Ahrensburg/Hamburg. Tag für Tag nutzen Tausende Pendler und andere Kreisbewohner die U-Bahnlinie 1, um nach Hamburg und wieder nach Hause zu fahren. In der Regel verkehren die Züge alle 20 Minuten. Um den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu stärken, hat der Senat der Hansestadt zum nächsten Fahrplanwechsel am 15. Dezember unter anderem die Ausweitung des Zehn-Minuten-Takts zwischen Volksdorf und Großhansdorf geplant. Doch dazu wird es, wenn überhaupt, frühestens Ende nächsten Jahres kommen.

„Bei den Planungen ist Stormarn schlicht übergangen worden, hätte aber zwingend beteiligt werden müssen“, sagt Björn Schönefeld, ÖPNV-Experte der Kreisverwaltung. Immerhin durchquere die Linie das Kreisgebiet bis zu ihrem östlichsten Endpunkt Großhansdorf. „Damit ist der Kreis Co-Aufgabenträger und trägt einen erheblichen Anteil an den finanziellen Mehrkosten für die Taktverlängerung“, sagt Schönefeld.

Zehn-Minuten-Takt gilt aktuell nur in Hauptverkehrszeiten

Bislang gilt der Zehn-Minuten-Takt nur in den Hauptverkehrszeiten zwischen 6.30 Uhr und 8 Uhr, sowie zwischen 17.30 Uhr und 18.45 Uhr. Mit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember sollte er nun um drei Stunden ausgeweitet werden: vormittags bis 9.30 Uhr, zum Feierabend bis 20.30 Uhr.

Vermutlich sollte die frohe Botschaft zuerst von einem hochrangigen Mitglied des Hamburger Senats öffentlichkeitswirksam verkündet werden, wurde in der jüngsten Sitzung des Verkehrsausschusses spekuliert. Immerhin sei bereits Wahlkampf in der Hansestadt, da sollte so eine Ankündigung wohl nicht zuvor schon an die Medien durchsickern. Deshalb ist der Plan offenbar als Geheimsache behandelt worden. Und zwar so geheim, dass nicht einmal der östliche Nachbarkreis davon in Kenntnis gesetzt worden ist.

Bis Stormarns Landrat Henning Görtz am 7. Oktober einen Anruf von Andreas Rieckhof, Hamburger Staatsrat der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, erhielt. Was denn der Kreis Stormarn von einer Verlängerung des Zehn-Minuten-Taktes halte, wollte Rieckhof wissen. Schon ahnend, dass er mit seiner Anfrage ziemlich spät kommt.

Kreis Stormarn müsste 500.000 Euro allein aufbringen

„Natürlich freuen wir uns über jede Verbesserung im ÖPNV“, sagt Henning Görtz. Aber die Mehrkosten beliefen sich im konkreten Fall auf rund eine halbe Million Euro. „Das mag für die Hansestadt ein eher kleiner Betrag sein, aber nicht für den Kreis Stormarn. Zumal wir auch die zahlreichen Buslinien in der Fläche sicherstellen müssen. Deshalb will solch eine Investition wohl abgewogen sein“, erklärt Görtz.

Angesichts der Kürze der Zeit sei ein geordnetes Verfahren samt Beratung in den Kreistagsgremien nicht mehr möglich gewesen. Normalerweise werden solcherart haushaltsrelevante Investitionen im Juli und August verhandelt, um sie im Etat für das Folgejahr berücksichtigen zu können. Erschwerend kommt hinzu, dass sich das Land Schleswig-Holstein an den Kosten für die U-Bahnanbindung Stormarns zwar mit 2,2 der insgesamt drei Millionen Euro beteiligt. Die 500.000 Euro für die Taktverlängerung hätte der Kreis aber ohne zusätzliche Förderung allein stemmen müssen.

Kreisanteil würde sich von 0,8 auf 1,3 Millionen Euro erhöhen

„Damit würde sich der Kreisanteil von 0,8 auf 1,3 Millionen Euro erhöhen“, rechnet ÖPNV-Fachmann Schönefeld vor. Das sei ein Differenzbetrag, mit dem acht Grundnetzbuslinien auf einen ganztägigen Ein-Stunden-Takt umgestellt werden könnten, gab er zu Bedenken. „Insofern bin ich eher skeptisch, dass es hierfür einmütige Zustimmung seitens der Kreispolitik geben wird“, so Schönefeld. Die Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Gesa Dunkelgut (CDU), äußerte sich schon mal zurückhaltend: „Der Hamburger Senat will uns offenbar vor sich hertreiben, um daheim punkten zu können.“ Um eine valide Entscheidungsgrundlage zu bekommen, müsse jetzt erst einmal eruiert werden, ob eine Ausweitung des Zehn-Minuten-Taktes überhaupt zwingend erforderlich sei und von den Nutzern der U 1 tatsächlich gewünscht werde.

Ahrensburgs Bürgermeister bedauert Verzögerung der Planung

Selbst Großhansdorfs Bürgermeister Janhinnerk Voß räumte gegenüber dem Abendblatt unumwunden ein, dass seine Gemeinde im Unterschied zu anderen Kommunen im Kreis bereits optimal angebunden sei. „Prinzipiell würde ich mich natürlich über jede Taktverbesserung freuen. Ich wäre aber schon froh, wenn das bestehende Angebot nachhaltig gesichert ist“, sagt Voß.

Sein Ahrensburger Pendant, Michael Sarach, findet die Kommunikationspanne bedauerlich. „Für die Randgebiete der Metropole ist jede Ausweitung des Angebots ein Gewinn. Insofern wäre eine Verzögerung der Takterweiterung sehr ärgerlich“, sagt Sarach. Das sahen bei einer Abendblatt-Blitzumfrage auch Pendler so. Gerade in den Stoßzeiten seien 20 Minuten Wartezeit zu lang. Wäre es anders, würden sie die U-Bahnlinie 1 noch häufiger nutzen. Und was sagt der HVV zum Ärger in Stormarn? Dort wollte man sich auf Abendblatt-Anfrage am Dienstag zu den Vorgängen nicht äußern.