Stormarn
Ahrensburg

22-Jähriger niedergeschlagen: Vater "fahndet" per Facebook

Stefan Gäth aus Hoisdorf sucht per Facebook-Aufruf nach Zeugen, die eine Attacke auf seinen Sohn beobachtet haben.

Stefan Gäth aus Hoisdorf sucht per Facebook-Aufruf nach Zeugen, die eine Attacke auf seinen Sohn beobachtet haben.

Foto: Filip Schwen

Der junge Mann wurde mit laut Polizei mit einem stumpfen Gegenstand niedergeschlagen. Sein Vater sucht auf eigene Faust nach dem Täter.

Ahrensburg.  Es sollte ein schöner Abend im „J’s Kellaa“ werden, doch für Jan Gäth endete der Besuch der Ahrensburger Diskothek im Krankenhaus. Der 22-Jährige – so schreiben es seine Eltern später in einem privaten Fahndungsaufruf bei Facebook – wurde vor dem Club niedergeschlagen. Von hinten und aus dem Nichts. Sie halten es für ausgeschlossen, dass sich ihr Sohn so eine Verletzung durch einen Sturz zugezogen haben könnte. Was an dem Abend passiert ist und wie der junge Mann aus Hoisdorf zu seiner schweren Kopfverletzung kam, ermittelt jetzt die Polizei.

Seit einer knappen Woche liegt Jan Gäth im Asklepios Klinikum St. Georg. Ein Rettungswagen brachte den schwer verletzten Hoisdorfer am Sonnabendmorgen (28.September), in das Hamburger Krankenhaus. Die schnelle Behandlung und eine Not-OP retteten dem 22-Jährigen das Leben. „Er ist glücklicherweise schnell gefunden worden“, sagt Vater Stefan Gäth dem Abendblatt. Die Mediziner hätten sofort gehandelt und Jan in ein künstliches Koma versetzt. „Für die gute Arbeit der Einsatzkräfte sind wir sehr dankbar.“

Die Kopfwunde wurde mit 24 Stichen genäht

Mit 24 Stichen sei die Wunde seines Sohnes genäht worden. Die OP-Narbe in Form eines Halbkreises auf der linken Seite des Kopfes hält nach der Operation die Haut zusammen. Durch den Schlag auf den Kopf hatte der Hoisdorfer einen Filmriss. Nur bruchstückhaft kommen Erinnerungen zurück. Am Wochenende soll Jan Gäth zur Freude seines Vaters nach Hause kommen: „Es geht ihm von Tag zu Tag besser und ich hoffe, dass keine dauerhaften Schäden zurückbleiben.“

Stefan Gäth und seine Frau Kirsten hatten erst etwa zwölf Stunden nach dem mutmaßlichen Angriff erfahren, dass ihr gemeinsamer Sohn schwer verletzt auf der Intensivstation liegt. „Bei einem 22-jährigen Sohn gerate ich nicht sofort in Panik, wenn er sich mal einen Tag lang nicht meldet – obwohl das für ihn schon ungewöhnlich ist. Aber ich hatte trotzdem ein ungutes Gefühl. Als Vater merkt man, wenn etwas nicht stimmt“, sagt Gäth. Und seine „väterlichen Antennen“ haben ihn nicht getäuscht. Am Sonnabendnachmittag rief das Krankenhaus an. „Wir sind dann gleich hingefahren. Es war ein Schock, ihn dort so zu sehen.“

Zahl ähnlicher Angriffe ist laut Kriminalstatistik gestiegen

Für Stefan Gäth ist klar, dass sein Sohn niedergeschlagen wurde. „Vielleicht mit einer Flasche oder einer Eisenstange.“ Der Hoisdorfer beschreibt seinen Sohn als jemanden, der nie aggressiv oder auf Krawall aus war. Im Gegenteil: „Als ehemaliger Schülerlotse hat er eher deeskaliert. Aber heute reicht es ja manchmal schon, die falsche Person anzugucken.“ Gestohlen wurde nichts. Auch fand sich bislang kein Zeuge es mutmaßlichen Angriffs. Deswegen hat die Familie des Opfers ein paar Tage nach dem Vorfall eine Belohnung von 1000 Euro für Hinweise ausgesetzt. In der Hoffnung, dass der Angreifer mit seiner Tat vor Freunden prahlt.

Es ist jetzt schon das zweite Mal, dass sein Sohn Opfer eines Angriffs wird: Vor ein paar Jahren war er auf einem Stadtteilfest überfallen und bestohlen worden. Stefan Gäth: „Es kann nicht sein, dass man sich in der Nacht in Ahrensburg auf der Straße nicht mehr sicher fühlen kann.“ Laut Kriminalstatistik ist die Zahl der Angriffe auf öffentlichen Straßen, bei denen Opfer erhebliche Verletzungen erlitten haben, im Kreis Stormarn von 2017 auf 2018 um 50,5 Prozent gestiegen. In Ahrensburg zählte die Polizei im vergangenen Jahr 30 solcher Taten, im Vorjahr waren es 23.

Polizei sieht private Fahndungsaufrufe eher kritisch

Auch die Polizei glaubt nicht an einen Unfall. „Es wurde Anzeige erstattet und wir ermitteln wegen des Verdachts der schweren Körperverletzung“, sagt der Ahrensburger Kripo-Chef Ralf Lorenzen. Jan Gäth war von seinen Freunden torkelnd und mit einer stark blutenden Kopfwunde vor der Diskothek gefunden worden. Ein unbekannter Täter, davon geht die Polizei aus, habe dem Opfer zuvor „mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf geschlagen“. Zeugen des Vorfalls gibt es bislang nicht. „Der Geschädigte kann sich an nichts erinnern und wir hoffen auf Hinweise“, sagt Lorenzen. Grundsätzlich sehe er private Fahndungsaufrufe kritisch, aber in diesem Fall sei es unproblematisch, da keine Persönlichkeitsrechte Dritter verletzt worden seien. Eine Rücksprache mit der Polizei wäre aber ratsam.

Jan Gäth wurde am Morgen des 28. September gegen halb fünf Uhr morgens gefunden. Laut Polizei muss er sich die Verletzungen zwischen 4.10 und 4.30 Uhr zugezogen haben. Hinweise nimmt die Ahrensburger Kriminalpolizei (04102/8090) oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.