Stormarn
Schadstoff

Reinbeks Schulzentrum wird vom giftigen Asbest befreit

Reinbeks Bauamtsleiter Sven Noetzel steht vor einem Schutthaufen neben dem Gebäude. Im Hintergrund bearbeitet ein Spezialist die Fassade im ersten Stock.

Reinbeks Bauamtsleiter Sven Noetzel steht vor einem Schutthaufen neben dem Gebäude. Im Hintergrund bearbeitet ein Spezialist die Fassade im ersten Stock.

Foto: René Soukup

Die Sanierung und Erweiterung des Gebäudes am Mühlenredder kostet mehr als 27 Millionen Euro. Anfang 2022 soll es fertig sein.

Reinbek. Auf dem Hof stehen ein Dutzend Container, an der Seite des Gebäudes in Richtung Kreisstraße 80 liegt ein großer Haufen Schutt – dicke Brocken aus Stein, durchzogen mit Eisenstangen. Der hintere Teil des Erdgeschosses sieht aus wie ein Skelett, das Dach wird nur noch von den Trägern gestützt. Nicht zu vergessen das Gerüst, auf dem ein Arbeiter steht und gerade mit einer Bohrmaschine ordentlich Lärm macht. Das Reinbeker Schulzentrum am Mühlenredder wird gerade vom Asbest befreit. Noch in diesem Monat beginnen Fachkräfte mit der Erweiterung.

Zehn Rathausmitarbeiter sind an Projekt beteiligt

Die Nutzfläche wächst von derzeit 7200 auf 11.800 Quadratmeter. Das Projekt kostet geschätzt 27 Millionen Euro. Hinzu kommt die Summe für die Gestaltung der Außenanlage sowie neues Mobiliar. „Die Schule wird nach der Fertigstellung weit über die Grenzen Reinbeks hinaus Maßstäbe setzen“, sagt Bauamtsleiter Sven Noetzel.

Er ist federführend bei der Sanierung samt Ausbau, bis zu zehn Rathausmitarbeiter sind an dem Projekt beteiligt. Es ist das mit Abstand teuerste der zweitgrößten Stadt im Kreis Stormarn in den vergangenen Jahren. Und es bindet Noetzel extrem: „Das Schulzentrum nimmt im Moment die Hälfte meiner Arbeitszeit in Anspruch. Das ist eigentlich zu viel.“ Gerade kommt er von einer Baubesprechung. Davon gibt es viele. „Jede Firma wird dafür separat ins Rathaus geladen“, sagt die Führungskraft.

Ende September beginnen Anbauarbeiten

In den kommenden Wochen werden viele Aufträge an Unternehmen vergeben. Danach, so Noetzel, sind die Zahlen bezüglich der Investitionen auch konkreter. Derzeit sind 20 Spezialisten mit dem Abriss beschäftigt. Der Rückbau soll Mitte Oktober abgeschlossen sein. Das Erdgeschoss ist schon jetzt nahezu asbestfrei. Um den ersten Stock herum ist eine Folie angebracht. Die Methode, Schadstoffe zu entfernen, beschreibt Noetzel so: „Die Sanierungsbereiche werden luftdicht verpackt, dann wird Unterdruck durch Pumpen erzeugt. Und es gibt Durchgangsschleusen. Dann werden Glasalplatten entfernt.“ Eben jene, die Fassaden verkleiden und in denen Asbest verarbeitet wurde. Wenn alles freigelegt ist, wird erneut auf Schadstoffbelastung gemessen.

„Wir sind im Zeitplan“, sagt Reinbeks Bauamtsleiter und nennt den 26. September als Startpunkt für die Anbauarbeiten. Die Immobilie wird an drei Stellen um drei Geschosse vergrößert. „Und es wird deutlich heller im Gebäude ob des Einbaus von mehr Glas in der Außenfassade“, so Noetzel. Durchsichtige Wände schmücken auch die Räume Richtung Innenbereich. Die Aula soll künftig auch Ort kultureller Veranstaltungen sein und zudem womöglich der Volkshochschule zur Verfügung stehen. Reinbeks Kulturchefin Elke Güldenstein, die zugleich an der Spitze der Schlossverwaltung steht, ist bei der technischen Ausstattung der Bühne eingebunden.

Das Gebäude wurde Anfang der 70er-Jahre erbaut

Gravierende Veränderungen gibt es auch im Außenbereich. So wird nur noch ein Zaun hin zur Straße zu sehen sein. An den Seiten fällt dieser weg. „Somit kann das Areal auch an Wochenenden genutzt werden“, sagt Noetzel. Er hat für die Fertigstellung des Schulzentrums den 1. Februar 2022 anvisiert.

Dass das Anfang der 1970er-Jahre erbaute Haus angefasst wird, steht schon seit Langem fest. Die Ereignisse im vergangenen Jahr beschleunigten die Umsetzung. Bürgermeister Björn Warmer hatte die Schließung des Schulzentrums am 5. Dezember angeordnet, nachdem in zwei Klassenzimmern krebserregendes Asbest ausgemacht worden war. Daraufhin veranlasste die Stadt weitere Messungen: In 30 Räumen und noch an anderen Stellen wie Flurbereichen war die Schadstoffbelastung extrem hoch. Bei mehr als 1000 Fasern pro Kubikmeter Luft besteht sofortiger Handlungsbedarf. Der Höchstwert lag bei 13.130 Fasern im Büro der Schulsozialarbeiterin Hanna Barthels. Sie hatte dort 14 Jahre gearbeitet, ist aber wohlauf.

Situation verbesserte sich nach Sommerferien

Die Jungen und Mädchen der Gemeinschaftsschule mit Oberstufe wurden daraufhin an verschiedenen Standorten untergebracht, zum Beispiel in Containern auf dem Pausenhof, am Gymnasium und einer früheren Schule in Wentorf. Abiturprüfungen wurden sogar im Rathaus geschrieben. Das erforderte von der Leitung um Rektor Dirk Böckmann einen hohen organisatorischen Aufwand.

Nach den Sommerferien hat sich die Situation verbessert. Die 730 Gemeinschaftsschüler werden jetzt in einer Containerschule unterrichtet, die neben dem Freizeitbad entstanden ist. Der sogenannte Campus hat rund sieben Millionen Euro gekostet und wurde in einem Rekord-Tempo binnen elf Wochen gebaut. Das dreigeschossige Ersatzgebäude in U-Form hat 5100 Quadratmeter Nutzfläche. Konrektor Thomas Diedrich sagte dem Abendblatt: „Wir fühlen uns hier sehr wohl.“ Besonders hebt er die neuen E-Screens hervor, die in allen Klassen- und Fachräumen installiert sind. Präsentationen, Bilder oder Videos können direkt vom Laptop oder Handy eingespielt werden. An den Seiten sind sogenannte Whiteboards angebracht, die mit speziellen Stiften beschriftet werden. Kreidetafeln sind hier Vergangenheit.

Reinbek macht das Gutachten zum Asbestfund öffentlich

Der Bildungsstandort am Mühlenredder ist auch Heimat der Amalie-Sieveking-Förderschule. Sie verbleibt während der Sanierung auf dem Gelände der Grundschule Klosterbergen. Auch dafür hat die Stadt Container angeschafft. In der kommenden Woche will die Reinbeker Verwaltung übrigens ein Gutachten vorstellen mit Details über das Freiwerden von Asbest im Schulzentrum.