Stormarn
Imagewechsel

Ortsmarketing: Trittau sucht den richtigen Weg

Blick vom Aussichtsturm Langer Otto mitten in der Hahnheide: Ein Plus von Trittau ist seine naturnahe Lage.

Blick vom Aussichtsturm Langer Otto mitten in der Hahnheide: Ein Plus von Trittau ist seine naturnahe Lage.

Foto: Tourismusmanagement Stormarn

Beratungsgesellschaft stellt neues Konzept vor und gibt Handlungsempfehlungen zur Umsetzung. Ein Manager soll den Prozess koordinieren.

Trittau. Eher ruhig, traditionell, etwas trist – so wird Trittau nach Untersuchungen der Beratungsgesellschaft Cima aus Lübeck derzeit wahrgenommen. Von diesem Bild möchte die Gemeinde weg, hin zu einem besseren Image. Es soll künftig die Werte Umweltbewusstsein, Generationenfreundlichkeit und Barrierefreiheit sowie eine zukunftsorientierte, innovative Wirtschaft in den Mittelpunkt stellen. Diese drei Säulen könnten das neue Leitbild von Trittau als das einer nachhaltigen Gemeinde prägen.

Laut den Beratern muss noch viel getan werden

Das ist eines der Ergebnisse, welches die Cima bei ihrer öffentlichen Informationsveranstaltung im Sitzungssaal der Verwaltung präsentiert hat. Zuvor hatte die Gemeinde die Agentur beauftragt, Vorschläge zur Organisation eines Ortsmarketings und Handlungsempfehlungen zu dessen Umsetzung zu erarbeiten. 2018 hatte die Politik beschlossen, 20.000 Euro Anschubfinanzierung im Nachtragshaushalt bereitzustellen, um diesen Prozess in Gang zu setzen.

Doch bis das neue Profil mit Inhalten gefüllt ist, muss noch viel getan werden. Ein erster Schritt in die richtige Richtung könnte laut den Beratern ein Ortsmanager sein, der das als dauerhaft angelegtes Vorhaben professionell koordiniert. Sie empfehlen der Gemeinde, eine Stelle einzurichten.

Bürger konnten ihre Wünsche einbringen

Etwa 50 Interessierte verfolgten die Ausführungen von Projektleiterin Regina Schroeder, die sie anhand einer Präsentation anschaulich erläuterte. Im Vorfeld hatten sie und ihre Kollegin Janne Borchers bereits vorhandene Konzepte ausgewertet und Daten bei Befragungen von erwachsenen und jugendlichen Einwohnern sowie Gästen und bei Interviews mit Unternehmen gesammelt. Sie analysierten den Ist-Zustand und die Bedürfnisse der verschiedenen Interessengruppen. Bei diesem Prozess waren Bürger, Vereine, Vertreter von Wirtschaft, Verwaltung und Politik eng eingebunden. Beim offenen Forum Ortsmarketing erhielten alle Gruppen Gelegenheit zur Mitarbeit und konnten ihre Wünsche und Vorstellungen einbringen.

„Das System funktioniert nur, wenn sich die Menschen mitgenommen fühlen und darin wiederfinden“, lautet die Erfahrung von Projektleiterin Schroeder. Sie habe so von den vielen guten Ideen der Akteure im Ort erfahren. „Außerdem wollte sich Trittau mit der breiten Beteiligung einen Eindruck davon verschaffen, wie die Bevölkerung zum Ortsmarketing steht.“ Sie freue sich daher, dass viele Menschen das Angebot angenommen und sich aktiv eingebracht hätten.

Öffentlichkeitsbeteiligung laut Bürgermeister ein Muss

Laut Beratungsgesellschaft könnte das Organisationsmodell des Ortsmarketings so aussehen: Die Gemeinde finanziert die Stelle des Managers in einer Größenordnung von etwa 60.000 bis 70.000 Euro pro Jahr. Zu dessen Aufgaben zählen strategische und operative Umsetzung des Ortsmarketings, Networking und Hilfestellungen für Akteure wie beispielsweise im Umgang mit der neuen Datenschutz-Grundverordnung. Unter dem Dach eines Fördervereins ließen sich die unterschiedlichen Interessen – wie beispielsweise der Gewerbegemeinschaft Trittau (GGT), Sport- und Kulturvereinen sowie Bürgern – bündeln. Der Verein könnte zudem einen Zuschuss zur Umsetzung von Projekten leisten. Dazu kämen auch die Beantragung von Fördermitteln und Sponsoring in Betracht.

Für Bürgermeister Oliver Mesch war die große Öffentlichkeitsbeteiligung ein Muss. Dabei sei transparent und ergebnisoffen ein Vorschlag für eine Struktur erarbeitet worden, der eine hervorragende Basis für ein professionelles Ortsmarketing biete. Er beinhalte eine Verzahnung von Verwaltung, GGT, Bürger und Gemeinde und sichere dadurch die Zusammenarbeit. Mesch sagt: „Die Politik hat sich zum Prozess bekannt. Ich bin mir sicher, dass das Konzept überzeugt und die Politik dem zustimmt.“

Drei Arbeitskreise für drei Themengebiete

Es sieht die Bildung von drei Arbeitskreisen vor, die sich jeweils mit einem der Themengebiete Ortskern, Gewerbegebiet und Freizeit/Kultur/Tourismus beschäftigen und dazu Vorschläge erarbeiten. Beim Ortsmanager laufen die Informationen aus den Arbeitskreis und aus der Verwaltung zusammen, er ordnet und kanalisiert den Input und leitet daraus die Handlungsstrategien ab. Nicht für alle Zuhörer waren die Vorschläge der Agentur neu. Christiane Juhnke und Bruno Scharnberg hatten schon einmal gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen den Versuch unternommen, ein Ortsmarketing für Trittau auf die Beine zu stellen. „Wir waren etwa 20 Personen“, sagt Juhnke. Doch das Projekt sei gescheitert, „weil die Gemeinde die finanziellen Mittel gestrichen hat“. Auch Bruno Scharnberg verfolgte aufmerksam die Präsentation, machte kritische Anmerkungen. Er sagt: „Jetzt scheint die Verwaltung voll dahinterzustehen. Aber das entscheidende Gremium ist die Gemeindevertretung, sie stimmt über das Ortsmarketing ab.“ Und nach wie vor müsse für jede Maßnahme Geld bereitgestellt werden.

Beide stimmen überein, dass sie sich auch diesmal gern bei dem Prozess miteinbringen würden. Frust ist dabei eingeplant. Juhnke lacht und sagt: „Davon haben wir schon viel auf dem Konto.“

Die Lütjenseerin Juliane Ebert-Schulz holte sich bei der Infoveranstaltung Anregungen für ihre Arbeit im Sozial- und Kulturausschuss. Sie sagte: „Ich vermisse ein Konzept für die Bevölkerungsschicht, die nicht Ü 40 und nicht auf Facebook unterwegs ist.“ Sie wünsche sich eine Berücksichtigung der Bedürfnisse älterer Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener ohne Kinder, so die CDU-Politikerin. „Denn sie sind die Zukunft.“ Laut Regina Schroeder könnten dazu Workshops initiiert werden. „Das ist natürlich eine Preis-Leistungs-Abwägung“, sagt die Projektleiterin. Am 12. September werden die Ergebnisse im Finanz- und Wirtschaftsausschuss diskutiert. Die Projektleiterin hofft, dass sich die Erfahrung aus Ahrensburg nicht wiederholt: Dort hatte die Politik den von der Cima erarbeiteten Vorschlag zum Stadtmarketing abgelehnt.