Stormarn
Rathausanbau

Bekommt Ahrensburg einen neuen Multifunktionssaal?

Das Ahrensburger Rathaus wurde 1970 eingeweiht und steht unter Denkmalschutz. Der Anbau ist auf der rechten Seite in Richtung Peter-Rantzau-Haus vorgesehen.

Das Ahrensburger Rathaus wurde 1970 eingeweiht und steht unter Denkmalschutz. Der Anbau ist auf der rechten Seite in Richtung Peter-Rantzau-Haus vorgesehen.

Foto: Thomas Jaklitsch / Thomas JAKLITSCH

Kommunalpolitiker diskutieren über Sitzungsräume im Rathausanbau. Der ist Teil des Stormarnplatz-Konzepts mit Tiefgarage und Stadtpark.

Ahrensburg. Braucht die 34.000-Einwohner-Stadt Ahrensburg einen neuen Multifunktionssaal, in dem in erster Linie die 40-köpfige Stadtverordnetenversammlung und ihre Ausschüsse tagen können? Diese Frage müssen die ehrenamtlichen Kommunalpolitiker und die Verwaltung in den nächsten Wochen beantworten, bevor sie den Rathausanbau voranbringen. Dieser kostet nach ersten Schätzungen rund 6,4 Millionen Euro – inklusive eines 400 Quadratmeter großen Ratssaals. Wenn das Stadtarchiv hinzukommen sollte, sind es sogar fast 8,2 Millionen Euro.

Raumprogramm ist Basis für den Realisierungswettbewerb

Der Anbau soll zwischen dem 1970 eingeweihten Rathaus, das seit fünf Jahren unter Denkmalschutz steht, und dem benachbarten Peter-Rantzau-Haus errichtet werden. Er ist Teil des Gesamtkonzeptes für den Stormarnplatz , zu dem auch eine Tiefgarage (8,3 Millionen Euro) und ein Stadtpark mit Skateanlage (1,6 Millionen) gehören. Den Realisierungswettbewerb für das komplette Projekt soll die Verwaltung „schnellstmöglich“ ausloben, so der Beschluss der Stadtverordneten aus dem Juni.

Grundlage dafür ist ein Raumprogramm, das jetzt im Hauptausschuss etliche Fragen aufgeworfen hat. Unstrittig ist bei allen Parteien, dass die Raumnot im Rathaus so groß ist, dass mehr Büros unabdingbar sind. Wegen der Sanierung des fast 50 Jahre alten Gebäudes sind rund 50 Mitarbeiter für die nächsten fünf Jahre in eine Außenstelle im Gewerbegebiet Nord umgezogen .

Das sagen die Politiker

„Die Kernfrage ist, ob wir 500 zusätzliche Quadratmeter für den Saal und Nebenräume haben wollen oder nicht“, sagte Michael Stukenberg (FDP). Mit Marstall und Peter-Rantzau-Haus sei die Stadt für Sitzungen „sehr gut aufgestellt“. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Thomas Bellizzi ergänzte: „Können wir es uns in der momentanen Lage erlauben, 2,3 Millionen Euro extra auszugeben?“ Ihm erschließe sich die Notwendigkeit nicht. Dass der Multifunktionssaal durch mobile Trennwände in bis zu sechs kleinere Räume verwandelt werden könne, sei bei fest installierter Einrichtung und Technik schwer vorstellbar. Bellizzi regte zudem an, auch an Raumreserven für zusätzliche Mitarbeiter zu denken.

Wir müssen wissen, wie viel Ratssaal und Fraktionsräume kosten“, sagte der Ausschussvorsitzende Matthias Stern von der CDU. Sein Fraktionschef Detlef Levenhagen riet zu einer genauen Abwägung: „Das ist die letzte Chance, so etwas zu bauen.“

Jochen Proske (SPD) sah Einsparpotenzial an anderer Stelle. „Ist ein eigener Eingangsbereich mit 75 Quadratmetern tatsächlich nötig? Es gibt doch schon das zentrale Foyer“, sagte er. Die Trennung könnte Besucher verwirren.

2022 könnten die Bauarbeiter in der Innenstadt beginnen

Für Nadine Levenhagen (Grüne) ist es wichtig, wie der Saal genutzt wird: „Ist der Raum ausschließlich für die Politik gedacht oder auch für andere Veranstaltungen?“ Ali Haydar Mercan (Linke) meinte, man müsse auf jeden Fall über den Saal nachdenken. „Wir haben schon jetzt Raumnot, deshalb müssen Termine im Peter-Rantzau-Haus lange im Voraus reserviert werden“, sagte er.

Peter Egan (Wählergemeinschaft WAB) wollte wissen, wie die Verwaltung auf den Bedarf von 65 Mitarbeiterparkplätzen gekommen sei. Man habe sich an einem früher gültigen Stellplatzerlass orientiert, erläuterte Bauamtsmitarbeiter Kay Renner. 20 Plätze müssten in der neuen Tiefgarage unter dem Stormarnplatz-Stadtpark reserviert werden. Eine Ebene der jetzigen Rathaustiefgarage könnte für das Archiv umgebaut werden.

Konkrete Planung könnte 2021 erledigt werden

Vor der Abstimmung über das Raumprogramm soll die Verwaltung alle offenen Fragen beantworten. „Wir haben zunächst das Maximalprogramm dargestellt“, sagte Bauamtsleiter Peter Kania. Die Verwaltung selbst brauche auf jeden Fall rund 1200 Quadratmeter. „Über den Rest kann man nachdenken.“ Die Parteien müssten überlegen, wie viel Platz sie brauchten.

Mit 400 Quadratmetern sei der Ratssaal ungefähr so groß wie die Reithalle im Marstall und damit für Stadtverordnetenversammlungen geeignet. In den Sitzungswochen sei mit einer guten Auslastung zu rechnen, von montags bis donnerstags gebe es durchgehend Abendtermine. Tagsüber könne auch die Verwaltung den Platz nutzen.

Der Realisierungswettbewerb ist für das kommende Jahr vorgesehen. Auf Basis der Ergebnisse könnte die konkrete Planung 2021 erledigt werden. 2022 und 2023 würde der Stormarnplatz zur Großbaustelle für Tiefgarage und Rathausanbau. Nach Fertigstellung könnte 2024 der Stadtpark auf dem Dach der Garage angelegt werden.