Stormarn
Innenstadtkonzept

Gutachter: So sollte sich Ahrensburg verändern

Foto: Birgit Schücking

Rathausplatz bebauen, Wohnungen mit Tiefgarage auf dem Stormarnplatz, neue Bibliothek – Gutachter geben konkrete Empfehlungen ab

Ahrensburg.  Das Rathaus ist saniert, in der umgebauten Bibliothek tagen die Stadtverordneten. Auf dem Stormarnplatz sind Wohnungen zu mieten und zu kaufen, unter der Erde gibt es reichlich Stellplätze für Autos. Auf einem Teil des Rathausplatzes bietet ein Elektronikmarkt Fernseher, Waschmaschinen und Staubsager an.

So jedenfalls sehen Stadtplaner das Ahrensburg der Zukunft. Sie haben im Auftrag der Verwaltung ein Innenstadtkonzept entworfen, das jetzt im Bau- und Planungsausschuss vorgestellt wurde. Das Planungsbüro BPW Baumgart+Partner aus Bremen hat dazu seit Frühjahr 2015 mit anderen Planungsunternehmen Gutachten erstellt, Gespräche mit Experten sowie Vertretern von Verwaltung und Politik geführt, die Stadt begangen und die Bürger befragt.

Planer und Stadt hoffen Fördermittel zu bekommen

Die Vorschläge und Maßnahmen für eine attraktivere Innenstadt zielen vor allem darauf ab, was planerisch und baulich möglich und aus Sicht der Gutachtern empfehlenswert ist. Es werden keine Aussagen getroffen über Kosten, Zeiträume und politische Durchsetzbarkeit der einzelnen Ideen. „Die Vorschläge wurden auch nicht allein danach erarbeitet, ob sie von Bund oder Land finanziell gefördert werden“, sagt Frank Schlegelmilch, der verantwortliche Stadtplaner von BPW. Planer und Stadt hoffen dennoch, Fördermittel zum Beispiel aus dem Programm „Städebaulicher Denkmalschutz“ vom Bund und dem Land Schleswig-Holstein zu bekommen, an dem Ahrensburg schon teilnimmt. Nicht unterschieden wird in dem Konzept, ob Maßnahmen durch private Investoren oder mit öffentlichen Mitteln finanziert werden sollen. Einige der Vorschläge des Konzeptes werden bereits umgesetzt, etwa die Sanierung des Rathauses, andere werden schon länger diskutiert, etwa die Bebauung des Rathausplatzes.

Die Planer haben Ahrensburgs Innenstadt für das neue Konzept in 13 Teilbereiche aufgeteilt, für die sie Defizite, Ziele und Maßnahmen aufführen. Die Abendblatt-Regionalausgabe Stormarn gibt einen Überblick über die Ergebnisse der Gutachter:

1 Rathaus mit Rathausplatz

Das Rathaus soll mit Mitteln der Städtebauförderung denkmalgerecht saniert werden. In der Nähe sollen Verwaltung und Politik weitere Räume erhalten. Es wird vorgeschlagen, die Bibliothek zu verlegen und deren Gebäude umzubauen. Dort soll ein neuer Ratssaal entstehen, um den als ungeeignet betrachteten Marstall zu ersetzen. Die Planer empfehlen weiter, den Rathausplatz besser zu nutzen und schlagen vor, ihn im südlichen Bereich zu bebauen. Dort könne ein neuer „Magnet“ für den Einzelhandel entstehen, etwa durch einen Elektrofachmarkt oder einen Anbieter von sogenannter junger Mode. Das neue hochwertige Gebäude soll aber auch Büros und öffentliche Dienstleistungen erhalten. Statt der überirdisch wegfallenden Parkplätze ist eine neue Tiefgarage unter dem Rathausplatz vorgesehen.

2 Stormarnplatz

Die Stadtplaner bemängeln dort eine geringe Aufenthaltsqualität und keine ausreichende Nutzbarkeit der freien Flächen. In den Sportplätzen im Innenstadtbereich sehen sie ein wichtiges Wohnbaupotenzial. Sie empfehlen daher, langfristig den westlichen Stormarnplatz mit Wohnungen zu bebauen und dazu einen städtebaulichen Ideenwettbewerb auszuschreiben. Der östliche Stormarnplatz soll demgegenüber gemeinsam mit Jugendlichen zu einem attraktiven innerstädtischen Park für deren Freizeitgestaltung entwickelt werden, in dem neue Bewegungsangebote (Basketball, Bolzen, eine neue Skateranlage) sowie Aufenthaltsbereiche vorhanden sind.

Zwischen Rathaus und Peter-Rantzau-Haus wird ein Neubau für die Bibliothek und die Volkshochschule empfohlen. Anstelle der bisherigen Skateranlage sehen die Planer eine innerstädtische Kita vor. Um zentrumsnah ausreichend öffentliche Parkplätze zu haben, soll unter dem Stormarnplatz eine komplett neue Tiefgarage gebaut werden.

3 Südlicher Eingang Innenstadt

Dieser Bereich an der Hamburger Straße soll als Eingang zur Innenstadt insbesondere für Besucher von außerhalb markiert und betont werden. Der sogenannte AOK-Knoten wird umgebaut, um den Verkehrsfluss zu verbessern. Die Ecke Hamburger Straße/Woldenhorn wird bebaut.

4 „Dreizack“/„Drei Strahlen“

Die Planer sehen Rondeel, Hagener Allee, Manhagener Allee und die Hamburger Straße als attraktiven Straßenraum, kritisieren aber unter anderem unklare Verkehrsführung, mangelnde Barrierefreiheit, wenig erkennbare Durchgänge und eine Dominanz der geparkten Fahrzeuge. Sie empfehlen andere Bodenbeläge, eine Umgestaltung der Straßen einschließlich der Fuß- und Radwege, eine bessere Beleuchtung der Durchgänge und eine Änderung der Einbahnstraßenführung. Die Südseite der Manfred-Samusch-Straße hinter Nessler soll neu bebaut werden, ebenso die Westseite der Hamburger Straße 14 bis 16.

5 Carl-Barckmann-Straße/Parkhäuser Alte Meierei und Woldenhorn

Das nördliche Parkhaus soll saniert oder neu gebaut werden, je nachdem, was wirtschaftlicher ist. Der ganze Bereich wird eine attraktive und für Ortsfremde einladende fußläufige Verbindung in die Innenstadt.

6 Königstraße/Lohe

Durch neue und ergänzende Wohnbebauung erhält der nördliche Teil der Straße Lohe eine klare Kante, im westlichen Teil wird die kleinteilige Bausubstanz ersetzt.

7 Große Straße Süd

Die Gebäude aus den 1970er-Jahren im Eingang zu Straße werden einheitlich saniert. Um attraktivere Aufenthaltsmöglichkeiten zu schaffen, werden die Parkplätze reduziert und zusätzliche Bänke sowie Spielgeräte für Kinder aufgestellt.

8 Klaus-Groth-Straße/Reeshoop

Neue Sitzgelegenheiten und eine Begrünung sollen zum Verweilen einladen. Die fensterlosen Fassaden werden durch künstlerische Gestaltung aufgewertet. An der Ecke Reeshop/Doppeleiche wird ein neues Gebäude gebaut.

9 Große Straße Nord/Alte Kate

Die nördliche Große Straße als zentrale Verbindung zum Schloss lädt kaum zum Flanieren ein. Daher wird vorgeschlagen, den Straßenraum umzugestalten und für Fußgänger und Radfahrer attraktiver zu machen. Der Blick auf die Schlosskirche muss erhalten bleiben. Die Freiräume um die Alten Katen werden einheitlich gestaltet.

10 Am Alten Markt

Auch dort haben die Gutachter viel vor. So sollen die Gottesbuden saniert und ein Konzept für eine Museumswohnung entwickelt werden. Der Markt wird verkehrsberuhigt, neue Parkplätze im Südwesten angelegt.

11 Schulstraße/ Hans-Schadendorff-Stieg

Dort ist ein neuer Innenstadteingang durch Neubau an der westlichen Bagatelle vorgesehen. Die Kita in der Schulstraße wird ausgebaut. Es kommen weitere Wohnhäuser dazu.

2 Schlosspark/Gutshof

Um den Schlossbereich als Naherholungsgebiet und als Touristenziel anziehender zu machen, empfehlen die Gutachter, die Lübecker Straße umzugestalten, etwa mit einem gesicherten Übergang zwischen Schloss und Marstall. Im Schlosspark soll es einen barrierefreien Rundweg geben. Der Speicher des Gutshofes wird saniert, der Haupteingang zum Marstall umgebaut. Gutshof und Speicher bekommen ein gemeinsames Nutzungs- und Vermarktungskonzept. Der östliche Weinberg wird neu bebaut, wobei seine sensible Lage am historischen Gutshof berücksichtigt wird.

13 Erweiterungsbereich Bahnhof

Dort kritisieren die Stadtplaner unter anderem schlechte Geh- und Radwege, zu wenig Platz für Busse und keine Orientierungsmöglichkeiten für Ortsfremde. Sie schlagen vor, den Bahnhofsbereich als zentralen Stadteingang zu gestalten und ihn für alle Verkehrsteilnehmer neu und barrierefrei zu ordnen. Unter anderem schlagen sie den Neubau eines Fahrradparkhauses vor.

Alle diese vom Planungsbüro präsentierten Vorschläge und Ergebnisse wurden vom Bau- und Planungsausschuss zunächst nur zur Kenntnis genommen. Es gab Nachfragen, aber keine längere Diskussion. „Das Konzept ist ein Portfolio an möglichen Maßnahmen. Wir müssen prüfen, was wir wollen und was förderfähig ist“, sagte Ausschussvorsitzender Hartmut Möller (SPD). Als nächster Schritt muss geklärt werden, welche Vorschläge vom Land finanziell gefördert werden. Dann wollen Stadtplaner, Ahrensburgs Verwaltung und die Politik eine konkretere Kostenplanung aufstellen.