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Die ersten Stormarner rollen mit E-Scootern los

Geschäftsmann Bernd Zingelmann fährt mit seinem E-Scooter jeden Tag durch die Ahrensburger Innenstadt.

Geschäftsmann Bernd Zingelmann fährt mit seinem E-Scooter jeden Tag durch die Ahrensburger Innenstadt.

Foto: Ralph Klingel-Domdey

Geräte sind seit Mitte Juni im Straßenverkehr zugelassen. Fahrradladen in Ahrensburg startet Verleih und plant den Aufbau einer Flotte.

Ahrensburg. Bernd Zingelmann spricht in Sachen Mobilität gern von Systemen. Er meint damit unter anderem die Bahn, Autos, Elektro-Fahrräder und als neue Komponente E-Scooter, also mit einer Batterie angetriebene Roller. Diese sind seit Mitte Juni im Straßenverkehr zugelassen. Und der 57-Jährige aus Delingsdorf ist wohl der erste Stormarner, der damit unterwegs gewesen ist. Täglich fährt er von seinem Arbeitsplatz in der Ahrensburger City mit dem 16 Kilogramm schweren Gerät kurze Strecken wie zum Beispiel zur Bank. Am liebsten auf Radwegen und notfalls auf der Straße. Die Nutzung von Gehwegen ist damit nicht erlaubt.

„Wachsamkeit ist das oberste Gebot, denn andere Verkehrsteilnehmer hören einen nicht. Und der E-Scooter ist schnell“, sagt Zingelmann. Tempo 20 darf der Roller fahren. Einen Unfall habe er damit noch nicht gehabt. Anderenorts wie in Berlin gab es schon Verletzte, in Schweden und Neuseeland sogar Todesfälle. Aber Zingelmann fühlt sich sicher auf seinem Zwölf-Zoll-Zweirad und trägt keinen Helm.

Ehemaliger Autohändler verkauft jetzt E-Roller

Das Thema E-Scooter beschäftigt ihn schon seit Längerem. Und das kommt nicht von ungefähr: Zingelmann betreibt in der Schlossstadt ein Fahrradfachgeschäft, führte davor ein Autohaus. Er habe bereits im vergangenen Jahr Modelle an Kunden verkauft, die sich damit auf Campingplätzen – also privaten Arealen – fortbewegen. Der Händler offeriert nur einen Typen, der für den Straßenverkehr zugelassen ist. Dieser kostet 2000 Euro. Vier Stück aus seinem Laden an der Hamburger Straße haben inzwischen einen Abnehmer gefunden. Für die Wartung müssen pro Jahr zwischen 50 und 70 Euro einkalkuliert werden. Im Internet gibt es auch E-Scooter anderer Hersteller für 300 Euro, allerdings mit wesentlich kleineren Reifen. Modelle mit Straßenzulassung gibt es ab 400 Euro.

Zingelmanns Gerät ist aus Aluminium, Kunststoff sowie Blech und zusammenklappbar. So kann er das Vehikel auch kostenfrei als Handgepäck in Zügen der Deutschen Bahn mitnehmen. Die 20 Kilometer Reichweite reichen zumindest für ihn in Ahrensburg aus, um nicht täglich an die Steckdose zu müssen. Ist der Akku leer, dauert es rund zweieinhalb Stunden, bis der Ladevorgang abgeschlossen ist. 110 Kilogramm inklusive Fahrer hält der Scooter aus, der mit einem kleinen Gepäckträger versehen und 117,5 Zentimeter lang ist.

Display an Haltestange zeigt Ladezustand des Akkus

Muskelkraft muss nur sehr wenig eingesetzt werden, um Fahrt aufzunehmen. Den Roller leicht mit dem Fuß anschieben, dann den Hebel am Lenkrad nach unten drücken – und schon beschleunigt das Gerät. Das Display an der Haltestange zeigt die Geschwindigkeit sowie den Ladezustand des Akkus an. Zingelmann rät insbesondere Menschen mit einem Hüftschaden oder Gleichgewichtsstörungen vom Scooter ab, sagt: „Die gehören nicht auf Rollen.“

Der Geschäftsmann startet jetzt auch einen Verleih mit erst einmal einem Roller, berechnet pro Tag eine Gebühr von 19,99 Euro. Bei Rückgabe muss er nicht wieder aufgeladen sein. Der Selbstständige hat die Ambition, eine Leihflotte zu installieren, will aber erstmal mit Gewerbetreibenden in Ahrensburg den Bedarf klären. „Wir brauchen ein nachhaltiges Konzept für Mobilität“, sagt Zingelmann und impliziert dabei auch andere Fortbewegungsmittel wie E-Bikes. „Der Roller ist nur ein Türöffner und bringt junges Publikum.“ Ohnehin glaube er nicht, dass der E-Scooter in Stormarn und im ländlichen Bereich eine so große Rolle spielen werde wie in Hamburg. Dort haben Verleihfirmen rund 500 Roller im Einsatz.

Auch der Autohersteller BMW verkauft E-Scooter, diese kosten rund 2400 Euro. In der Niederlassung in Barsbüttel sind sie nicht erhältlich, sondern nur am Standort in der Hansestadt in der Straße Offakamp. Das bestätigte ein Mitarbeiter des Unternehmens dem Abendblatt.

Nicht alle Händler springen auf Trend auf

Ein weiterer in Ahrensburg bekannter Fahrradhändler ist Michael Beckmann, der sein Geschäft an der Straße Kornkamp im Gewerbegebiet hat. Er bietet seinen Kunden auch elektrische Fortbewegungsmittel an, allerdings keine Roller. Beckmann begründet das so: „Durch die kleinen Räder kriegt man keine Fahrsicherheit.“ Außerdem bezweifle er die Nachhaltigkeit, da viele Modelle nach wenigen Monaten kaputt seien.

Vornehmlich sind die E-Scooter auf Radwegen unterwegs. Jene auf Stormarner Gebiet sind oft in einem schlechten Zustand. Das hatte im vergangenen Jahr der Abendblatt-Radwege-TÜV mit Experten des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) ermittelt. „Von der Bodenbeschaffenheit mit den vielen Wellen sind die Radwege nicht für E-Scooter ausgelegt. Die Roller federn nicht nach, Schläge werden eins zu eins weitergegeben“, sagt Jürgen Hentschke, stellvertretender ADFC-Vorsitzender in Stormarn. Dadurch werde es sicherlich zu Stürzen kommen. Auch vermute er durch die gemeinsame Nutzung eine Gefährdung für Radfahrer. „Die Wege sind einfach zu schmal“, sagt Hentschke. Schlechtreden will er den Roller mit Elektroantrieb aber nicht. „Generell ist es positiv, wenn Autofahrer auf eine andere Mobilität umsteigen.“

Übrigens: Bernd Zingelmann hat kurze Distanzen mit dem E-Scooter auf öffentlichen Wegen gleich am ersten Tag der Zulassung im Straßenverkehr zurückgelegt. Das war allerdings nicht seine Premiere. Zu Testzwecken rollte er zuvor auf privatem Grund.

Wichtige Tipps

Fahrer von E-Scootern müssen mindestens 14 Jahre alt sein und keine Prüfung machen. Auf dem Roller darf sich nur eine Person befinden, Anhänger sind nicht erlaubt. Die Geräte für den Straßenverkehr müssen gemäß der Verordnung zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsen haben. Eine Haftpflichtversicherung ist vonnöten. Kosten pro Jahr: ab 14 Euro. Den Versicherungsschein muss man beim Fahren nicht dabeihaben. Ein Helm ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Allerdings raten Experten dazu, nicht ohne einen Kopfschutz zu rollern.

Bei Fahrern bis einschließlich 20 Jahre gilt die Null-Promille-Grenze. Für jene, die älter sind, gibt es folgende Regel: Wer mit 0,5 bis 1,09 Promille fährt und das erste Mal erwischt wird, zahlt 500 Euro, erhält einen Monat Fahrverbot und zwei Punkte in Flensburg. Wer mit mindestens 1,1 Promille unterwegs ist, begeht eine Straftat.

Wer ohne allgemeine Betriebserlaubnis im Verkehr fährt, muss mit einem Bußgeld von 70 Euro rechnen. Das Rollern auf dem Gehweg kostet zwischen 15 und 30 Euro. Fehlen erforderliche technische Teile wie das Licht, wird das mit 20 Euro Bußgeld geahndet. Und wer ohne den nötigen Aufkleber der Versicherung unterwegs ist, muss mit 40 Euro rechnen.