Stormarn
Prozess

Wie ein Autodieb der Polizei entkam – und gefasst wurde

Prozess vor dem Landgericht in Lübeck: Rafal W. verbirgt sein Gesicht hinter einer Mappe. Er soll Luxusautos gestohlen haben, die Polen verkauft wurden

Prozess vor dem Landgericht in Lübeck: Rafal W. verbirgt sein Gesicht hinter einer Mappe. Er soll Luxusautos gestohlen haben, die Polen verkauft wurden

Foto: Ha / HA

Rafal W. soll Luxus-Autos im Wert von 1,3 Millionen Euro gestohlen haben. Ein Polizist schildert die spektakuläre Festnahme

Ahrensburg/Lübeck.  Lange lieferte sich Rafal W. ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei, bis er im September 2018 festgenommen wurde. Jetzt sitzt der 42-Jährige auf der Anklagebank im Lübecker Landgericht. Er soll seit Mai 2017 bis zu seiner Festnahme 14 hochwertige Autos der Marken Mercedes und Audi in Glinde, Reinbek, Ahrensburg, Barsbüttel, Siek, Oststeinbek sowie Aumühle, Hamburg und Seevetal gestohlen haben. Der Gesamtwert der Fahrzeuge liegt bei 1,3 Millionen Euro.

Dass dem harmlos wirkenden Mann, der polnisch und ein paar Brocken Deutsch spricht, der Prozess gemacht werden kann, ist auch Alexander R. zu verdanken. Mit viel Mühe und der Unterstützung mehrerer Kollegen konnte der Ratzeburger Polizist dem Gesuchten nach einer Observation in Oldenburg Handschellen anlegen.

Im Mai 2017 wurde der Angeklagte bereits kontrolliert

Doch das war nicht seine erste Begegnung mit dem polnischen Staatsbürger. „Wir haben auf der A 1 und der A 21 viel mit KfZ-Verschiebungen zu tun“, erzählt der als Zeuge geladene Beamte. In diesem Zusammenhang sei er das erste Mal auf den Angeklagten getroffen. Im Mai 2017 stoppte er mit einem Kollegen einen verdächtigen Lexus. Hinter dem Steuer: ein nervös wirkender Rafal W., der schon zu diesem Zeitpunkt kein unbeschriebenes Blatt war. 2012 hatte ihn ein Gericht in Österreich wegen versuchten Diebstahls zu einer Haftstrafe verurteilt. W. flüchtete, versteckte seine Identität hinter falschen Papieren. „Aber wir hatten bei ihm ein komisches Gefühl“, sagt Alexander R.

Verwirrter Diensthund biss einen Polizisten

Wegen eines anderen Einsatzes habe die Kontrolle abgebrochen werden müssen. Später stoppten sie das Fahrzeug erneut – mit Verstärkung. Mehrere Beamte samt Diensthund sicherten das Fahrzeug, um Rafal W. überprüfen zu können. Doch dann passierte etwas, das Alexander R. augenscheinlich unangenehm ist: „Wir sahen da nicht wirklich gut aus.“ So sei der Verdächtige in einem günstigem Moment aufgesprungen und weggerannt. Dabei sei er mehreren Kollegen ausgewichen. Und einer der Beamten wurde auch noch von dem durch die Situation verwirrten Diensthund gebissen. K. entkam. Im Lexus fanden die Polizisten einen Funkwellenverlängerer, mit dem sich Fahrzeuge mit digitalen Schlössern und Wegfahrsperren („Keyless-Go“) austricksen lassen.

Fahnder orteten GPS-Signal des Handys

Lange Zeit wurde es still um Rafal W. Bis zum 22. September 2018. An dem Tag bekam die für Fahrzeugdiebstähle zuständige Sondereinheit der Direktion Ratzeburg die Mitteilung, dass sich der Gesuchte wieder in Deutschland aufhalte – zumindest laut GPS-Signal eines von ihm genutzten Mobiltelefons. Fahnder verfolgten die Spur bis Oldenburg – unter ihnen Polizist Alexander R. „Wir haben seinen Wagen gefunden und ihn bis zu einem Restaurant verfolgt“, erzählt der Zeuge. Dort stieg er aus. „Wir dachten, er hätte uns entdeckt und versteckten uns hinter einer Hecke. Doch er spazierte einfach los, schaute sich nicht um und wirkte gelassen.“

Mit einer Kollegin verfolgte er den Gesuchten bis zu einem Wohnblock. Erst dort gaben sie sich als Polizisten zu erkennen. Zunächst kooperierte Rafal W. Als er bemerkte, dass die Situation auf eine Festnahme hinausläuft, sei er immer aggressiver geworden, wie Alexander R. sagt: „Er wehrte sich. Wir hatten Probleme, ihn zu fixieren. Das Pfefferspray zeigte keinerlei Wirkung.“ Kurz bevor sich der kräftige Pole freikämpfen konnte, kam Verstärkung.

Einige Taten räumt der Angeklagte ein

Seitdem sitzt Rafal W. in Untersuchungshaft. Am siebten Tag der Hauptverhandlung äußerte sich auch Rafal W. zu den Vorwürfen. Einige der Taten räumte er ein, andere nicht. In vielen Fällen sei er lediglich Fahrer gewesen, um Autos nach Polen zu bringen. Der Prozess wird am 19. Juni fortgesetzt.