Stormarn
Schule

Stormarner Kommunen wollen Elterntaxis ausbremsen

Die Polizei und das Ordnungsamt sind auf Elterntaxi-Patrouille vor der Klaus-Groth-Schule in Bad Oldesloe. Sie wollen auf Eltern einwirken.

Die Polizei und das Ordnungsamt sind auf Elterntaxi-Patrouille vor der Klaus-Groth-Schule in Bad Oldesloe. Sie wollen auf Eltern einwirken.

Foto: Finn Fischer

Einige Städte und Gemeinden setzen auf Gespräche, andere verschärfen Vorgehen. Alle sind sich einig, dass sich etwas ändern muss.

Ahrensburg/Bad Oldesloe. Die durch Elterntaxis verursachten, teils unhaltbaren und gefährlichen Situationen vor Schulen wollen einige Städte und Gemeinden nicht länger hinnehmen. Stormarns Kreisstadt Bad Oldesloe verstärkt die Kontrollen vor den Schulen und erwägt die Einrichtung sogenannter Hol- und Bringzonen. Das gilt auch für Reinbek und Trittau, während die Verantwortlichen in Glinde noch auf verdeutlichende Gespräche mit Eltern setzen. In Ahrensburg, wo es große Probleme an mehreren Schulen gibt, schieben sich Polizei und Verwaltung die Verantwortung gegenseitig zu. Das Abendblatt hat Ordnungshüter und Politik zum Vorgehen gegen Elterntaxis befragt.
Ahrensburg: Vor der Stormarnschule an der Waldstraße in Ahrensburg war das Elterntaxi-Aufkommen zuletzt so stark angestiegen, dass die Hausmeisterin morgens den Verkehr zu regeln versuchte, um Unfällen entgegenzuwirken und Schüler zu schützen. Nicht nur an der Stormarnschule gab es Probleme, deshalb erfolgt aktuell an einigen betroffenen Schulen eine Schulwegsicherung durch die Polizei, die vor Ort Eltern ermahnt. Für weitere Vorgehen gegen Elterntaxis sieht Andreas Misselhorn, Bezirksleiter der Polizei Ahrensburg, aber die Stadtverwaltung in der Verantwortung. „Die Verwaltung hat einen Spielraum und kann Vorhaben final durchsetzen. Wir, die Polizei, sind eher in beratender Funktion tätig“, sagt Misselhorn.

Laut Stadtverwaltung ist aktuell nichts in Planung, um etwas an der Lage zu ändern – von Briefen an die Eltern einmal abgesehen. Allerdings müsse, so sagt der Polizist aus Ahrensburg, die Situation vor Ort auch differenziert betrachtet werden: „Es gibt auch Schulen, die weniger oder keine Auswirkungen durch Elterntaxis verspüren.“


Bad Oldesloe:
In der Kommune sind bereits viele Versuche, das steigende Verkehrsaufkommen vor Schulen in den Griff zu bekommen, gescheitert. Betroffen sind vor allem die Stadtschule und Klaus-Groth-Schule. Wie berichtet, hatten Bürgermeister Jörg Lembke, Mitarbeiter des Ordnungsamtes und die Polizei zuletzt mit klärenden Gesprächen versucht, auf Eltern einzuwirken. Weil sich die Kontrollen herumsprachen, wird das Ordnungsamt künftig auch ohne Vorwarnung vor Ort sein und Eltern verwarnen. Eine bauliche Lösung ist laut Lembke auch nicht ausgeschlossen, allerdings gibt es bisher noch keine konkreteren Pläne wie zum Beispiel in Hamburg, wo zum Sommer hin Poller auf den Straßen installiert werden sollen.

Vom Hamburger Abendblatt auf sogenannte Hol- und Bringzonen angesprochen, zeigte sich Lembke interessiert. „Das könnte an der Klaus-Groth-Schule und auch an der Stadtschule umgesetzt werden. Wir werden das prüfen“, so der Bürgermeister.


Großhansdorf:
An der Schulbushaltestelle der Grundschule Schmalenbeck in Großhansdorf gibt es bereits eine Haltezone. Weitere sollen folgen, wie Bauamtsleiter Stefan Kroll sagt: „Wir beobachten, dass Eltern ihre Kinder immer häufiger zur Schule fahren.“ Damit die Autofahrer künftig nicht mehr den Verkehr behindern, sollen in der Sieker Landstraße zu Schulbeginn mehrere Parkplätze zeitweise gesperrt und nur für das Ein- und Aussteigen von Schulkindern freigegeben werden.
Bargteheide: In Stormarns am schnellsten wachsender Stadt ist das Schulzentrum, besonders die Straße Am Schulzentrum, bekannt für „ein hohes Verkehrsaufkommen durch Bringfahrten“, sagt Alexander Wagner, Referent der Bürgermeisterin. Gleiches gelte für die Straße Lohe, was teilweise die Anfahrt der Busse zum Schulzentrum beeinträchtige. Allerdings scheint das Problem nicht derart groß zu sein, dass Bedarf nach Reglementierungen gesehen wird. Das bestätigt auch eine Anfrage bei Torsten Frehe (CDU), dem Ausschussvorsitzenden Planung und Verkehr.

Ihm sei bekannt, dass die genannten Straßen „morgens gefühlt im Chaos versinken, vor allem bei schlechtem Wetter“. Dass politisch oder verwaltungsseitig Handlungsbedarf gesehen werde, sei bisher nicht bekannt. Vorhandene Parkplätze müssten dann für einen gewissen Zeitraum zu Schulbeginn wegfallen, um dort Haltezonen einzurichten.


Ammersbek: In der Gemeinde Ammersbek gibt es derzeit keinen Handlungsbedarf. „Da sowohl die Grundschule im Ortsteil Hoisbüttel als auch die in Bünningstedt direkt an einen großen Parkplatz angebunden sind, haben wir hier weder Parkplatzmangel noch Beschwerden“, sagt die SPD-Kreistagsabgeordnete Sigrid Kuhlwein dazu.


Glinde:
„Hier parken Eltern auf Gehwegen, in Halteverboten und wollen die Kinder am besten durch den Flur fahren“, sagt Polizei-Bezirksleiter Thorsten Peters. Der 55-Jährige hält als Maßnahme gegen Elterntaxis eine Einbahnstraße mit Rondell für sinnvoll. Die Politik lehnte diesen Vorschlag aus Kostengründen ab. „Das kann ich auch verstehen. Grundsätzlich sollten Eltern ihre Kinder vernünftigerweise zu Fuß oder in Gruppen losschicken“, sagt Peters.


Trittau: Auch in Trittau ist die Situation angespannt, sagt Jens Hoffmann (59). Der stellvertretende Bürgermeister von der CDU sieht das Problem vor allem an der Großenseer Straße, die gerade saniert wird. Es gibt dort zwar eine Hol- und Bringzone, doch die ist momentan wegen der Arbeiten schlechter zu erreichen. Ende September soll die Bauphase, die vor allem auf der Heinrich-Hertz-Straße am Gymnasium Trittau und der Ecke Gartenstraße bei der Hahnheide-Schule spürbar ist, beendet sein.

Hoffmann rechnet anschließend mit einer deutlichen Entspannung der Verkehrslage. Um diese auch dauerhaft zu gewährleisten, ist in Planung, im Anschluss an die Bauarbeiten den vorhandenen „Kiss and Ride“-Parkplatz auch wegen der hohen Nachfrage zu vergrößern und die Verkehrssituation dadurch zu entlasten.


Barsbüttel:
In der 13.700 Einwohner zählenden Gemeinde hatte die SPD angeregt, Teile aus einem vorhandenen Verkehrskonzept schon jetzt umzusetzen und an drei Standorten am Schulzentrum Elternhaltezonen einzurichten. „Leider waren die anderen Fraktionen der Meinung, lieber abzuwarten und das Verkehrskonzept dann in seiner Gesamtheit zu beraten“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Hermann Hanser. Dabei wären die drei genannten Maßnahmen kostengünstig und ohne größere Planungen umzusetzen gewesen.


Reinbek:
In Stormarns zweitgrößter Stadt könnten die Elterntaxis zum Politikum werden. „Der erste Schritt sollte die direkte Ansprache der Eltern sein, der zweite die Überlegung von Möglichkeiten“, sagt der CDU-Vorsitzende Patrick Ziebke. Er könnte sich bauliche Veränderungen am Schulzentrum Mühlenredder vorstellen, wurde aber nicht konkreter. Im Gespräch ist eine allgemeine Kontrolle im Beisein des Bürgermeisters Björn Warmer. Dieser initiierte auf Anfrage des Abendblatts mithilfe des Amtes für Bildung und Stadtleben eine Umfrage an Schulen und Kitas, ob etwas gegen Elterntaxis geplant oder bereits erfolgt ist. Die Ergebnisse stehen noch aus.