Stormarn
Sicherheit

Polizei im Kreis Stormarn geht gegen „Elterntaxis“ vor

Polizei und Ordnungsamt auf Elterntaxi-Patrouille vor der Klaus-Groth-Schule in Bad Oldesloe

Polizei und Ordnungsamt auf Elterntaxi-Patrouille vor der Klaus-Groth-Schule in Bad Oldesloe

Foto: Finn Fischer

Hol- und Bringdienst gefährdet Fußgänger und Radfahrer. Kontrolle vor Grundschule in Bad Oldesloe. Auch andere Kommunen werden aktiv.

Bad Oldesloe.  Sie gefährden Schüler und Radfahrer, stehen in Halteverboten und behindern den Verkehr: „Elterntaxis“ werden vor Stormarner Schulen zunehmend zum Problem, vor allem in Barsbüttel, Ahrensburg und in Bad Oldesloe. Die Kreisstadt sagt Eltern, die ihre Kinder regelmäßig bis direkt vor die Schule fahren, jetzt den Kampf an. Vor der Klaus-Groth-Schule kontrollierten Polizei, Ordnungsamt und der Bürgermeister höchstpersönlich erstmals gemeinsam Autofahrer. Strafzettel verteilten die Ordnungshüter diesmal noch nicht. Doch das könnte sich bald ändern.

Am Mittwoch um 7.30 Uhr morgens postierten sich sechs Polizisten und drei Mitarbeiter des Oldesloer Ordnungsamtes in der Königsberger- und Breslauer Straße rund um das Schulgelände der Klaus-Groth-Schule (KGS), um Elterntaxis abzufangen. Ein Großteil der Kinder wohnt in den Einzel- und Doppelhäusern in den umliegenden Wohngebieten oder in einem der Mehrfamilienhäuser im Poggenseer Weg. Es ist eine ruhige Gegend mit wenig Verkehrsaufkommen. Viele der Grundschüler kommen zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Schulbus. Doch auch hier gibt es immer mehr Erwachsene, die ihren Kindern den Schulweg nicht zutrauen. „Ich hatte gerade einen Vater, der mir sagte, sein Kind werde überfallen, wenn er es nicht fahre“, berichtete ein Polizist.

Viele Eltern haben Angst, dass den Kindern etwas passiert

Diese Begründung hört er nicht das erste Mal. Viele Eltern haben Angst, ihrem Kind könnte etwas passieren. Sei es durch Unfälle oder Kriminelle. „Immer wieder machen Geschichten von Mitschnackern die Runde, an denen aber eigentlich nie etwas dran ist“, sagt der Beamte. Er könne sich in 20 Dienstjahren an keinen Fall erinnern, in dem ein Kind auf dem Schulweg entführt wurde.

Doch in WhatsApp-Gruppen machen solche Gerüchte von Minivans, in denen Kinder verschwinden, schnell die Runde. „Dass sich solche Falschmeldungen mittlerweile so schnell verbreiten können, ist wirklich ein Problem“, sagte Bürgermeister Jörg Lembke, der sich an der Aktion beteiligte und persönlich mehrere Fahrer der Elterntaxis ansprach. In der Konsequenz führen Eltern die Kinder dann doch lieber zur Schule n und das Verkehrsaufkommen wachse – zum Leidwesen von Fußgängern und Radfahrern.

Doch es ist nicht nur die Angst davor, Kinder könnten zwischen Wohnungstür und Klassenzimmer Schaden nehmen. Auch das Wetter spielt eine Rolle. Gestern war kein Regen angesagt. Das sorgte für eine vergleichsweise entspannte Verkehrssituation vor der Grundschule. Nur einige Eltern mussten sich eine Standpauke von den Ordnungshütern anhören, denn die wenigsten stoppten im Halteverbot.

Einsatz mit präventativem Charakter

Der Einsatz hatte diesmal ohnehin eher einen informativen und präventiven Charakter. Lembke: „Wir möchten erreichen, dass Eltern auf Hol- und Bringdienst verzichten.“ Viele hätten sich einsichtig gezeigt, andere weniger. Vor allem in der schmalen Breslauer Straße entstünden laut Bürgermeister Lembke gefährliche Situationen durch die Elterntaxis – auch wenn dort kein grundsätzliches Halte- und Parkverbot bestehe.

Bad Oldesloe ist mit dem Elterntaxi-Problem keineswegs allein. Auch am Schulzentrum in Großhansdorf verstopfen Elten mit ihren Autos regelmäßig die Straße. Dort soll jetzt eine sogenannte „Kiss and Go“-Zone eingerichtet werden, in der Kinder aussteigen dürfen (siehe rechts). Das wäre auch für Schulen in Bad Oldesloe eine Idee, wie Lembke auf Nachfrage des Abendblatt sagt: „Das könnte an der Klaus-Groth-Schule und auch an der Stadtschule umgesetzt werden. Wir werden das prüfen.“

Barsbüttel diskutiert Haltezonen

Einen Tag zuvor hatten Polizei und Ordnungsamt die Stadtschule besucht, um Elterntaxis zu verscheuchen. Dort ist die Situation durch das grundsätzlich höhere Verkehrsaufkommen während der Hol- und Bringzeiten noch weitaus gefährlicher (wir berichteten), als an der KGS. Doch dort hatte sich die Aktion schon vorher herumgesprochen. „Das ist schade. Wir waren bemüht, den Termin geheim zu halten“, sagt Agnes Heesch, Sprecherin der Oldesloer Stadtverwaltung. Eine große Rolle spielt das jedoch nicht: „Es war nur der Auftakt, weitere Aktionen und Kontrollen durch das Ordnungsamt werden folgen und dann auch ohne Ankündigung.“

Auch in anderen Städten und Gemeinden nehmen die Elterntaxis überhand, wie an der Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule (EKG) und der Grundschule in Barsbüttel. Die Gemeindevertretung wird am heutigen Donnerstag (28, März, 19 Uhr, Aula der EKG, Soltausredder 28) über einen Antrag der SPD-Fraktion auf Einrichtung von Elternhaltezonen an der Hauptstraße, im Birkenweg, in der Falkenstraße (Ecke Meisenweg) und auf dem Parkplatz östlich des Sportplatzes entscheiden.

Ähnliche Szenen spielen vor Ahrensburger Schulen ab. Roman Tietze, Leiter der Grundschule Am Aalfang; „Wir sagen immer, dass die Kinder zu Fuß kommen sollen.“ Gebracht hat das bislang wenig. Mitunter werde hier sogar der Mitarbeiterparkplatz zugeparkt, wodurch die Lehrer dann zu spät zum Unterricht kommen. An der Stormarnschule zieht sich Hausmeisterin Annette Stöcker regelmäßig eine Warnweste an und versucht morgens den Verkehr zu regeln – so gut es eben geht.

Großhansdorf plant „Kiss and Go“-Zone

Weil Eltern mit ihren Autos regelmäßig die Sieker Landstraße vor dem Schulzentrum verstopfen, plant Großhansdorf die Einrichtung einer sogenannten „Kiss and Go“-Zone. In dem Bereich können Eltern ihre Kinder aussteigen lassen, ohne den fließenden Verkehr zu behindern.

„Wir beobachten, dass Eltern ihre Kinder immer häufiger zur Schule fahren“, sagt Bauamtsleiter Stefan Kroll. Dadurch komme es verstärkt zu gefährlichen Situationen. Nach den Osterferien soll auf sieben bis acht Parkplätzen in der Sieker Landstraße morgens zum Schulbeginn ein zeitlich begrenztes Parkverbot eingerichtet werden, um Platz für die neue Zone zu schaffen. Angedacht ist zunächst ein Test für ein Jahr. Anschließend werde entschieden, ob sich das Konzept bewährt habe.

Was den Eltern gefallen dürfte, könnte bei Anwohnern für Unmut sorgen. Die müssen sich auf die Elterntaxis einstellen und ihre auf den Parkplätzen abgestellte Fahrzeuge spätestens morgens vor Schulbeginn entfernen.