„Miserabel“

Stormarner Kommunen fallen bei Radwege-Test durch

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Stormarner Fahrradexperten diskutierten in Ahrensburg über die Ergebnisse des bundesweiten Fahrradklima-Tests. 

Stormarner Fahrradexperten diskutierten in Ahrensburg über die Ergebnisse des bundesweiten Fahrradklima-Tests. 

Foto: Janina Dietrich / HA

Bei bundesweiter Umfrage schneiden Ahrensburg, Reinbek und Bargteheide besonders schlecht ab. Experten haben Hoffnung auf Besserung.

Ahrensburg. Schlechte Noten für Stormarns Radwege: Beim bundesweiten Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) landen die Städte Ahrensburg, Bad Oldesloe, Bargteheide, Glinde und Reinbek auf hinteren Plätzen. Jürgen Griebel von der ADFC-Ortsgruppe Ahrensburg spricht von einem „miserablen Ergebnis“ und sagt: „Es muss noch sehr viel getan werden, damit wir im Ranking endlich einmal bessere Platzierungen erreichen.“ Größter Kritikpunkt sind kreisweit die schlechten Zustände der Radwege. Sie seien holprig und teilweise zu schmal, bemängeln die Teilnehmer der Umfrage. Verschlechtert hat sich auch das Sicherheitsgefühl im Straßenverkehr.

27 Kriterien müssen bei der Umfrage bewertet werden

Der ADFC ruft alle zwei Jahre Radfahrer dazu auf, ihre Kommune im Internet anhand verschiedener Kriterien hinsichtlich ihrer Fahrradfreundlichkeit zu bewerten. 27 Aspekte müssen benotet werden, darunter Ampelschaltungen, Konflikte mit Autofahrern und Fußgängern sowie Abstellanlagen. Die Antworten sind zwar nicht repräsentativ, da nur ein kleiner Teil der Bürger teilgenommen hat (in Ahrensburg zum Beispiel 194). Trotzdem geben sie Anhaltspunkte, inwieweit sich die Städte und Gemeinden in Stormarn verbessern müssen. „Nur wenn mindestens 50 Einwohner an der Befragung teilnehmen, wird eine Kommune in die Bewertung aufgenommen“, sagt Jürgen Hentschke, stellvertretender Kreisvorsitzender des ADFC. Außer den fünf genannten Städten schafften das auch die Gemeinden Ammersbek und Oststeinbek. Das Abendblatt gibt eine Übersicht über die wichtigsten Ergebnisse:


Ahrensburg landet in der Städtekategorie „20.000 bis 50.000 Einwohner“ bei deutschlandweit 311 Teilnehmern auf Platz 278. Mit der Schulnote 4,3 ist Ahrensburg kreisweit Schlusslicht. Im Vergleich zur Umfrage von 2016 verschlechterte sich das Ergebnis um 0,2 Prozentpunkte. Negativ heben die Teilnehmer die holprigen und schmalen Radwege hervor. Zudem kritisieren sie, dass es in jüngster Zeit kaum Förderung des Radverkehrs gegeben habe. „Das Stadtzentrum ist zwar zügig mit dem Rad zu erreichen, aber viele trauen sich die Fahrt nicht zu, weil sie sich unsicher fühlen“, sagt Hentschke. Er fordert deshalb eine autofreie Innenstadt.


Ammersbek
erhält kreisweit die beste Bewertung (Note 3,6), erreicht damit bei den Kommunen unter 20.000 Einwohnern Platz 62 von 186. Kritikpunkte sind dieselben wie in Ahrensburg, positiv bewertet wird die Mitnahme von Rädern in den öffentlichen Verkehrsmitteln.


Bad Oldesloe
hat sich mit Note 4,1 im Vergleich zum letzten Test um 0,2 Prozentpunkte verschlechtert. Die Stadt landet auf Platz 216 von 311. Für den ADFC-Kreisvorsitzenden Reiner Hinsch hat die schlechte Bewertung zwei Ursachen: der ständig wechselnde Straßenbelag, der das Radfahren gefährlich mache, sowie der Stellplatzmangel am Bahnhof. „In Bad Oldesloe, aber auch in Bargteheide und Ahrensburg werden seit Jahren Fahrradparkhäuser geplant, aber der Bau verschiebt sich immer wieder.“


Bargteheide
wird mit der Note 4,2 bewertet (Platz 162 von 186). „Radfahren ist Stress“ – das sagen viele der 82 Umfrage-Teilnehmer über die Situation in der Stadt. Negativ ins Gewicht fallen die schmalen Radwege und die häufigen Konflikte mit Fußgängern.


Glinde
schneidet ein bisschen besser ab, erreicht in derselben Städtekategorie Platz 151 und Note 4,1. Als einzige Kommune in Stormarn hat sich das Fahrradklima in Glinde im Vergleich zur letzten Befragung leicht um 0,1 Prozentpunkte verbessert. Neben den holprigen Radwegen bemängeln Glinder die schlechte Reinigung der Radwege und das schlechte Angebot an öffentlichen Leihfahrrädern. „Vor allem ältere Menschen sind unsicher. Sie haben Angst, auf der Fahrbahn zu fahren“, sagt Brigitte Mattigkeit vom ADFC Glinde. „Manche fahren dann so weit rechts, dass sie gegen den Bordstein stoßen und stürzen.“


Reinbek
schneidet nach Ahrensburg am zweitschlechtesten ab (Platz 265 von 311, Note 4,3). Die 111 Befragten kritisieren neben dem schlechten Zustand der Radwege auch, dass nur wenige Einbahnstraßen für Radfahrer geöffnet sind.


Oststeinbek
hat sich zum ersten Mal an der Umfrage beteiligt (62 Teilnehmer). Die Gemeinde erreicht mit Note 4 Platz 135 von 186 Kommunen. Bernd Petri von der ADFC-Ortsgruppe bemängelt, dass Falschparker auf den Radwegen kaum kontrolliert würden. Auch sei nach wie vor unklar, ob bei der Sanierung der Möllner Landstraße an die Radwege gedacht werde. Positiv hebt er hervor, dass sich in der Gemeinde in den vergangenen Monaten eine Menge bewegt habe. So sei zum Beispiel die Arbeitsgruppe Mobilität gegründet worden, die sich zurzeit damit beschäftige, den Radverkehr weiterzuentwickeln.

Die zuständige Projektmanagerin bei der Verwaltung, Gabriela Malone, sagt: „Wir gucken, wie wir die Mobilität in Oststeinbek moderner machen.“ Der Ort sei ein gutes Beispiel dafür, was der Radwege-TÜV des Hamburger Abendblattes im vergangenen Sommer bewirkt habe (siehe Text unten). Hentschke sagt: „Viele Bürgermeister stehen dem Thema jetzt offener gegenüber, wollen Verbesserungen für ihre Kommune. Ohne die Abendblatt-Serie wären wir noch nicht so weit.“ Das bestätigt auch Gabriela Malone. „Die Berichte sind unter den Bürgermeistern heiß diskutiert und sehr ernst genommen worden.“

Verbesserungsbedarf gibt es laut ADFC auch außerorts

Hentschke ist daher zuversichtlich, dass sich die Situation in den Kommunen bald verbessern wird. „Im Kleinen passiert das schon“, sagt er. Ein großes Problem blieben die Verbindungen zwischen den Orten. Häufig müssten Radfahrer außerorts auf der linken Straßenseite auf Radwegen fahren. Sie stünden dann am Ortseingang vor Schwierigkeiten, weil sie auf die Fahrbahn und damit auf die rechte Seite wechseln müssten. „Es gibt so gut wie nie Querungshilfen. Da muss der Kreis als zuständige Behörde dringend etwas tun.“ Ähnliches gelte bei der Beseitigung von Wurzelaufbrüchen und Schlaglöchern. Während die städtischen Bauhöfe schon gut reagierten, stehe beim Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr noch der Autofahrer im Mittelpunkt. Hentschke sagt: „Die Radfahrer werden meist vergessen.“

Der Radwege-TÜV des Abendblattes hat einigesbewirkt. Viele Kommunen wollen sich verbessern
Jürgen Hentschke, Vize-Kreisvorsitzender des ADFC

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