Stormarn
Friedensaktion

Künstler protestieren in Trittau gegen Aufrüstung

Ilse Magdalene Siebel von der Künstlergruppe 9. November erläutert auf dem Europaplatz die Installation „ausgegrenzt – Zeugen gesucht“ mit Grenzsteinen von Axel Richter..

Ilse Magdalene Siebel von der Künstlergruppe 9. November erläutert auf dem Europaplatz die Installation „ausgegrenzt – Zeugen gesucht“ mit Grenzsteinen von Axel Richter..

Foto: Elvira Nickmann

130-jähriges Bestehen des Konzerns Rheinmetall war Anlass für die Gruppe, vor dem Werksgelände zu demonstrieren. Rund 50 Teilnehmer.

Trittau. Während sich die einen am Sonnabend auf dem Frühlingsmarkt in Trittau vergnügten, beschäftigten sich andere – rund 50 Menschen – mit den Themen Aufrüstung, Krieg und Tod. Von der Poststraße aus setzte sich eine Gruppe Friedensaktivisten mit Fahnen, Rasseln, Hupen und riesiger Friedenstaube in Richtung des Werksgeländes des Rüstungskonzerns Rheinmetall in der Straße An der Feuerwerkerei in Bewegung. Dort angekommen, platzierten sie einen Sarg auf der Zufahrt zum Gelände. „Rheinmetall tötet“ stand auf dem Deckel, daneben hatte sich ein als Tod mit Sense verkleideter Aktivist positioniert. Auf dem gelben Banner dahinter prangte der Schriftzug „Krieg beginnt hier“.

Verantwortlich für das Spektakel war die „Gruppe 9. November“, ein Zusammenschluss Stormarner Künstler. Sie inszenierten den Protest gegen Aufrüstung in einer Verbindung von viel Symbolik und klaren Worten. Anlass zu der Aktion bot das 130-jährige Bestehen von Rheinmetall. Statt Geburtstagswünschen überbrachten die Demonstranten nachdenkliche und aufrüttelnde Gedichte, machten mit Geräuschkulisse auf sich aufmerksam und legten eine Gedenkminute für die Opfer von Krieg ein.

Bildhauer Richter schuf Stormarner Grenzsteine

Danach machten sie sich auf den Rückweg Richtung Poststraße und Europaplatz, wo drei künstlerische Beiträge in Szene gesetzt wurden. Die hellen Stormarner Grenzsteine mit dem Schwanenmotiv aus der Werkstatt von Bildhauer Axel Richter konnten Passanten aus nächster Nähe betrachten. Künstlerin Ilse Magdalene Siebel erläuterte die ursprüngliche Bedeutung der Grenzsteine als Friedenssteine und gab ihrer Hoffnung Ausdruck, dass alle 55 Exemplare von den Stormarner Bürgermeistern einen Platz zugewiesen bekommen, den sie als Friedensort markieren sollen. Siebel lud alle dazu ein, ihre Botschaften auf das weiße Tischtuch der Installation „Unser täglich Brot“ von Denise Heinemeier zu schreiben. An dem mit Tellern und Besteck aus Bienenwachs und einem scheinbar verkohltem Brotlaib gedeckten Tisch blieben nicht nur Friedensaktivisten, sondern auch Vorbeikommende neugierig stehen.

Pastor spricht über den Jemen-Konflikt

Bei einer Klangperformance von Eva Maria Siebert wurde eine Ei-Skulptur im Kreis herumgereicht. Wer sie hielt, konnte in den Hohlraum mit einem Bergkristall hineinsingen, wodurch innerhalb der Gruppe ein kurzer Moment der Begegnung mit dem eigenen Selbst entstand. Die Künstlerin nahm damit das Thema „Zeugen gesucht“ von Axel Richter auf. „Der Kristall steht als Zeuge dafür, dass ich meine Stimme erhebe“, erläuterte sie. Es gehe darum, dass jede einzelne Stimme eine Bedeutung entfalte. Das sah Heidi Beutin aus Köthel ähnlich. Sie hatte von der Demonstration durch die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen erfahren und sich ihr spontan angeschlossen. Dass dem Aufruf nicht wesentlich mehr Menschen gefolgt waren, maß sie keine große Bedeutung bei. „Die Anfänge sind immer klein“, sagte sie. Sie hoffe auf ein Erstarken der Friedensbewegung, die „notwendiger als jemals zuvor“ sei. Ihr Fazit lautete: „Die Aktion ist insgesamt gesehen gut, weil die Weltlage kritisch ist.“

Auch Kerstin Walkowiak beobachtete das Geschehen auf dem Europaplatz, während sie auf den Auftritt des Vocalis Chors wartete, dessen Mitglied sie ist. Sie lasse sich von der Energie mitnehmen, die von der Aktion ausgehe.

Bei der Abschlusskundgebung schlug Pastor Christoph Störmer den Bogen vom Jemen-Konflikt bis nach Trittau: „Gerade gingen ein paar Fotos durch die Presse, dass von den Blendraketen, die im Jemen abgeschossen werden, auch Hülsen mit der Herkunft Trittau zu sehen waren.“ Dagegen setzte er ein Zitat aus der Bibel Psalm 34, Vers 15: „Suche Frieden und jage ihm nach.“ Die Versammelten beschlossen den Aktionstag zusammen mit dem Vocalis Chor Bargteheide mit dem Lied „Peace be to You“.