Kultur

Regionale Künstler zeigen ihre Sicht auf Flucht

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Janis Walzel, Malerin aus Trittau, vor ihren Werken, die derzeit in Mölln zu sehen sind. Mit einer Vernissage zur Gemeinschaftsausstellung „Weg ins Ungewisse“ begann am Sonntag, 3. März, im Stadthauptmannshof die Veranstaltungsreihe „Fliehen – einst geflohen

Janis Walzel, Malerin aus Trittau, vor ihren Werken, die derzeit in Mölln zu sehen sind. Mit einer Vernissage zur Gemeinschaftsausstellung „Weg ins Ungewisse“ begann am Sonntag, 3. März, im Stadthauptmannshof die Veranstaltungsreihe „Fliehen – einst geflohen

Foto: Lutz Kastendieck

Die Reihe „Fliehen – einst geflohen“ bietet Besuchern viele Möglichkeiten zur Auseinandersetzung. Eine Übersicht über das Programm.

Hoisdorf/Reinfeld. Die Veranstaltungsreihe „Fliehen – einst geflohen“ baut auf dem Engagement vieler Kulturschaffenden und Künstler auf. Sie haben sich unter dem Dach der Stiftung Herzogtum Lauenburg zusammengefunden, um ein Programm zu erarbeiten, das sich dem Thema Flucht und Vertreibung aus unterschiedlichen Perspektiven widmet.

Bis zum 30. September bieten Ausstellungen, Theatervorführungen, Vorträge, Konzerte, Filme und Lesungen in Stormarn reichlich Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit der Problematik. Die Malerin Janis Walzel aus Trittau hat das bereits aus künstlerischer Perspektive heraus getan, denn sie hat für die Gemeinschaftsausstellung „Der Weg ins Ungewisse“, mit dem die Projektreihe in Mölln eröffnet wurde, eigens sieben Arbeiten erstellt. Sie werden zusammen mit 60 Werken weiterer 18 Künstler in Stormarn in einer Folgeausstellung im Marstall Ahrensburg gezeigt.

Kunst aus den Erfahrungen der Großeltern

Was Walzel spontan und temporeich mit Acrylfarben auf Leinwand bringt, hat seinen Ursprung in der Geschichte ihrer Großeltern. „Ich bin mit ihren Erzählungen über ihre Flucht aus Ostpreußen großgeworden“, erzählt sie. Um mehr zu erfahren, habe sie als Kind so lange nachgebohrt, bis Tränen geflossen seien. „Auch heute beschäftigt mich das sehr, wenn Flüchtlingskinder in der Schule über ihre Fluchterfahrungen berichten“, sagt die Grundschullehrerin.

Aufgrund mangelnder eigener Erfahrungen setze sie Ahnungen und Gehörtes in Bildsprache um. Eines ihrer Bilder zeigt ein kaputtes Gebäude, daneben eine Gestalt mit Fahrrad und rotem Pullover. Sie scheint das einzig Lebendige in einer völlig zerstörten Umgebung zu sein, ein Hoffnungsschimmer in Rot.

Sonerausstellung im Stormarnschen Dorfmuseum

Die künstlerische Herangehensweise birgt laut Walzel jedoch auch ein Risiko: „Wenn sich Kunst mit einem so ernsten Thema beschäftigt, besteht die Gefahr, dass es an Dramatik verliert.“ Dass sie sich trotzdem dieser Herausforderung gestellt habe, liege an der „Hoffnung, dass die Bilder zur Auseinandersetzung beitragen“. Die Vernissage zur Schau ist am Sonntag, 5. Mai (Lübecker Straße 8, 16 Uhr), die Werke können dann bis zum 30. Mai besichtigt werden.

Doch zunächst einmal steht die Eröffnung der Ausstellung „Holländerei – Glaubensflüchtlinge aus den Niederlanden revolutionieren die bäuerliche Milchwirtschaft“ im Stormarnschen Dorfmuseum Hoisdorf (Sprenger Weg 1) an diesem Sonnabend, 30. März (14.30 Uhr), auf dem Programm. Sie greift den Aspekt der Bereicherung einer Gesellschaft durch Migration auf. Arbeiten Trittauer Schüler sind ebenfalls zu sehen. Sie beschäftigen sich mit „Flucht und Vertreibung unter dem Aspekt der Menschenwürde“. Von Sonntag, 31. März, bis Ende September öffnet das Heimatmuseum Reinfeld (Paul-von-Schoenaich-Straße 7) jeweils sonntags von 10 bis 12 Uhr seine Türen. „In der ostdeutschen Heimatstube haben wir Dinge ausgestellt, die Vertriebene von ihrer Flucht mitgebracht haben“, sagt Museumsleiterin Anja Rademacher. Hintergrundinformationen lieferten eine Chronik und Fotoalben aus der Zeit.

Lesung in Reinbek, Theater in Ahrensburg

Am Sonntag, 7. April, nähert sich eine Lesung unter dem Titel „Weit klüger ist’s dem Vaterland entsagen ...“ in Reinbek (Museum Rade, Schlossstraße 4, 11.30 Uhr) der Thematik an (Eintritt 5 Euro). Auf der Bühne wird sie im Marstall Ahrensburg (Lübecker Straße 8) am Sonntag, 5. Mai (18 Uhr), mit dem Schauspiel „Rose“ dramaturgisch umgesetzt (Eintritt 10 Euro). In dem berührenden Stück berichtet eine Jüdin von ihrer Fluchtodyssee, während sie Totenwache für ein palästinensisches Mädchen hält, das ihr fanatischer Enkel erschossen hat.

Am selben Tag um 11.30 Uhr wird die Ausstellung „Bilder vom Ankommen“ im Schloss Reinbek (Schlossstraße 5) eröffnet. Die gezeigten Fotografien sind beim gemeinsamen Workshop von Menschen mit und ohne Fluchterfahrungen entstanden (Eintritt 3 Euro).

Das Kulturzentrum am Marstall zeigt in Ahrensburg (Lübecker Straße 8) die Filme: „Lauf, Junge, lauf“ am Mittwoch, 15. Mai, und „Comedian Harmonists“ am Mittwoch, 12. Juni. In der Wassermühle Trittau (Am Mühlenteich 3) ist am Sonnabend, 22. Juni (18 Uhr), die Vernissage zum interkulturellen Fotoprojekt mit Musik „Schau mal, ich erzähl dir was“ von Martina Doehring. Es ist vom 24. bis 27. Juni (11 bis 16 Uhr) zu sehen. Am selben Ort bringen Sopranistin Martina Doering und Pianist Aivars Kalejs am Sonnabend, 29. Juni (19 Uhr), einen Liederzyklus nach Texten aus dem Tagebuch von Anne Frank zu Gehör.

( HA )

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