Stormarn
Ahrensburg

ATSV legt nach: Wir brauchen ein Sportzentrum!

Sport-Gipfel (v.l.): Filip Schwen (Abendblatt), Udo Stroinski und Georg Tür (beide FC Ahrensburg), Ralph Klingel-Domdey (Abendblatt), Gerd Wollesen und Dietrich Ebert (beide ATSV) und Janina Dietrich (Abendblatt).

Sport-Gipfel (v.l.): Filip Schwen (Abendblatt), Udo Stroinski und Georg Tür (beide FC Ahrensburg), Ralph Klingel-Domdey (Abendblatt), Gerd Wollesen und Dietrich Ebert (beide ATSV) und Janina Dietrich (Abendblatt).

Foto: René Soukop / HA

Vereinsführung plädiert für schnellen Umzug ins Gewerbegebiet und plant Gespräche mit der Politik. Dort ist die Haltung gespalten.

Ahrensburg.  Der Vorstand des Ahrensburger TSV hat mit seiner Forderung, die Sportplätze aus der Innenstadt ins Gewerbegebiet zu verlegen , eine kontroverse Diskussion ausgelöst. Nach dem ersten Abendblatt-Bericht zu dem Thema sorgte zunächst der Vorsitzende Jürgen Westphal für Irritationen, schrieb auf der Internetseite des Vereins und in einer Mail an Politiker aller Fraktionen, dass „der Sport ins Zentrum gehört“. Was gilt denn nun, wollte das Abendblatt wissen und lud die Vorstände des ATSV, des FC Ahrensburg und von Roter Stern Kickers zum „Sport-Gipfel“ in die Redaktion ein.

Roter Stern verweigert die Teilnahme, lässt aber per Mail wissen, dass der Verein gegen einer Verlagerung der Fußballfelder ist. Ähnlich äußert sich der FC, zeigt sich aber offen für konstruktive Gespräche über die Zukunft des Sports in Ahrensburg. Eindeutig sprechen sich die ATSV-Vorstände Gerd Wollesen und Dietrich Ebert für einen Umzug ins Gewerbegebiet Beimoor-Süd aus. „Wir stehen zu unserer Forderung. Wenn die Stadt uns dort ein großes Sportzentrum errichtet, würden wir sofort umziehen“, sagt Wollesen. Und weiter: „Wenn ich Kommunalpolitiker wäre, würde ich morgen mit der Planung beginnen.“

Höchste Priorität hat für die Teilnehmer des Sport-Gipfels derzeit, dass das neue Umkleidehaus auf dem Stormarnplatz schnellstmöglich gebaut wird. „Damit können wir nicht warten, hier besteht sofort Handlungsbedarf“, sagt FC-Vorsitzender Georg Tür. Die Arbeiten für das 1,25 Millionen Euro teure Haus sollen 2019 beginnen. ATSV-Vorstand Dietrich Ebert sagt aber, dass sein Verein auch mit einer kostengünstigeren Variante zufrieden wäre, etwa mit einer Containerlösung: „Politik und Verwaltung sind dafür verantwortlich, dass die Kosten so explodiert sind.“

Ahrensburgs Politik ist beim Thema Sportplätze gespalten

Ebert kritisiert, dass sich die Politik mit Investitionen in den Sport zu lange zurückgehalten habe. Anders als Bargteheide. „Dort wurde der Sport 1971 von der Ortsmitte auf ein Gelände außerhalb des Zentrums verlegt.“ Seit fast 50 Jahren habe die Stadt eine zukunftsfähige Anlage mit Plätzen, Halle und Schwimmbad „und Platz für Wachstum“. So ähnlich stellt sich der 4200 Mitglieder starke ATSV ein Sportzentrum im Ahrensburger Gewerbegebiet vor.

Der Verein wünscht sich eine multifunktionale Anlage inklusive Dreifeldhalle und fünf Fußballfeldern. „Auch unsere Inliner suchen händeringend Trainingsmöglichkeiten“, sagt Wollesen. „Die Volleyballer spielen am Gartenholz – das alles könnten wir an einem Ort vereinen.“ Vollkommen abgeneigt ist auch Udo Stroinski, Vize-Vorsitzender des FC (70 Mitglieder), von dieser Idee nicht. „Mindestens fünf neue Plätze, eingezäunt und mit vernünftigem Flutlicht, dazu eine Bewirtung auf der Anlage: Das wäre für die Fußballer toll.“ Vorsitzender Georg Tür ist für den Erhalt der Felder auf dem Stormarnplatz, sagt aber: „Im Falle einer Mehrheit für einen Sportpark in Beimoor-Süd bin ich Demokrat genug, dies mitzutragen.“ Die Politik ist dazu gespalten. SPD und FDP sprechen sich für eine neue Debatte über die Zukunft des Stormarnplatzes aus. Sie stehen einer Verlagerung der Sportplätze offen gegenüber. CDU, Grüne, WAB und Linke wollen die Fußballfelder unbedingt im Zentrum belassen. Derzeit nutzen 27 Mannschaften den Platz – 23 vom ATSV, je zwei vom FC und den Kickers.

Nach Ansicht des ATSV-Vorstands gibt es viele gute Gründe für einen raschen Umzug ins Gewerbegebiet, zum Beispiel das Bevölkerungswachstum. „Neu-Ahrensburger wollen sich oft auch sportlich betätigen“, sagt Wollesen. Die Hallenkapazitäten für Vereine seien jedoch derart knapp bemessen, dass der ATSV keine weiteren Angebote schaffen könne. Es gebe lange Wartelisten.

Sportvereine müssen Hallen der Schulen anmieten

Zurzeit müssten Sportvereine die Hallen der Schulen anmieten. „Aber mit der Umstellung auf die Offene Ganztagsschule werden unsere Hallenzeiten auch nachmittags weiter beschnitten“, kritisiert Wollesen. Daher brauche es dringend eine Dreifeldhalle, die ausschließlich für den Vereinssport genutzt werde. Ein weiteres Argument für schnelles Handeln sei, dass die Kunstrasenplätze am Stormarnplatz bald das Ende ihrer Lebensdauer erreichten, sagt Ebert. Die Sanierung eines Feldes koste Hunderttausende Euro, rechnet er vor: „Da stellt sich doch die Frage, ob eine Investition in solcher Höhe sinnvoll ist oder ob wir das Geld lieber als Anzahlung für eine neue Anlage nehmen.“ FC-Vorstand Tür sagt hingegen: „Uns ist wichtig, dass die Plätze sicher mit dem Fahrrad erreichbar bleiben. Das wäre am viel befahrenen Ostring nicht der Fall.“

Gerd Wollesen schließt die Diskussionsrunde mit einem emotionalen Appell für eine zukunftsorientierte Sportpolitik in Ahrensburg, sagt: „Wir müssen die Jugendlichen vom Computer wegholen, ihnen die Möglichkeit geben, den Sport zu erleben, was ihr Leben bereichert.“ Dazu sei es notwendig, „mit einer modernen Anlage in Beimoor-Süd einen Treffpunkt zu schaffen – ein Wahrzeichen für Ahrensburg als Sportstadt“. Er werde dazu in den nächsten Wochen Gespräche mit allen Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung führen.

Lesen Sie hier: Politik berät über Zukunft des Stormarnplatzes