Stormarn
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Bauern in Not: „Die Dürrehilfe kommt zu spät an“

Sie kämpfen um den Fortbestand ihres Betriebes in Jersbek: Henning Möller mit seiner Frau Julia und Tochter Karlotta.

Sie kämpfen um den Fortbestand ihres Betriebes in Jersbek: Henning Möller mit seiner Frau Julia und Tochter Karlotta.

Foto: Melissa Jahn

Betriebe reduzieren Viehbestände und beklagen bürokratische Hürden beim Antragsverfahren für finanzielle Hilfen. Frist endet Freitag.

Jersbek/Kiel.  Der heiße und trockene Sommer 2018 bringt viele der 95 Milchbauern in Stormarn in Bedrängnis. Einige Betriebe haben ihre Viehbestände reduziert, um länger mit dem Futter auskommen zu können. Ein Teil des Ausfalls soll durch die sogenannte Dürrehilfe ausgeglichen werden, die in Schleswig-Holstein bisher 800 Landwirte beantragt haben. Doch gerade Viehhalter fielen bisher oft durchs Raster, die mit Milch kaum Geld verdienen, dafür aber Gewerbeeinkünfte haben. Inzwischen hat das Landwirtschaftsministerium in Kiel die Antragsbedingungen zugunsten der Bauern angepasst, die Abgabefrist verlängert. Allerdings nur bis Freitag, 14. Dezember.

Für den Zukauf von Futter werden 20.000 Euro fällig

„An ein weiteres schlechtes Jahr wollen wir lieber gar nicht denken“, sagt Henning Möller. Vor drei Jahren übernahm der heute 31 Jahre alte Landwirt mit seiner Frau Julia den elterlichen Betrieb in Stormarn. 130 Kühe und 145 Hektar Land in Jersbek zählen dazu. Die Lage des Betriebes sei angespannt. Zuerst drückte die Milchkrise die Preise, dann folgten die extremen Wetterbedingungen in diesem Sommer – Überschwemmungen und Dürre. „Wir zahlen noch das Liquiditätsdarlehen der Milchkrise von vor drei Jahren ab“, sagt Henning Möller. „Einen weiteren Kredit hätten wir nicht aufnehmen können.“ Bis Mai reiche das Futter noch aus, dann müsse Mais zugekauft werden. „20.000 Euro haben wir dafür eingeplant“, sagt Möller. „Aber durch die hohe Nachfrage sind die Preise um 25 Prozent gestiegen.“

Umso wichtiger sei die Dürrehilfe, die nun auch auf die Bedürfnisse der Milchbauern zugeschnitten worden sei. Berechtigt ist, wessen Ertrag je Hektar Acker und Grünland im Betriebsdurchschnitt um mehr als 30 Prozent geringer ist als im Schnitt der vergangenen drei Jahre. Doch der Weg bis zur Antrags-Abgabe ist steinig, sagt Julia Möller. „Die Bedingungen haben sich alle paar Wochen geändert. Niemand weiß wirklich Bescheid“, so ihre Kritik. „Die bürokratischen Anforderungen haben uns verunsichert. Befreundete Betriebe haben erst gar nicht teilgenommen.“

Das Problem kennt auch Peter Koll, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes. Während es im Sommer an der Westküste vereinzelt Niederschläge gegeben habe, sei hier besonders der Süden des Kreises betroffen gewesen. „Im südöstlichen Stormarn war es bis September extrem trocken“, sagt Koll. „Es gibt Betriebe mit deutlich weniger als 50 Prozent Grünertrag.“ Trotzdem sei die von Bund und Land bereitgestellte Dürrehilfe in Höhe von 20 Millionen Euro nicht ausgeschöpft worden. Der Bauernverband rechnet damit, dass von 500 Landwirten kreisweit nur sechs Prozent einen Antrag stellen werden.

Landwirte beobachten auch die weitere Entwicklung mit Sorge

„Nicht alle Berechtigten haben bisher einen Antrag eingereicht“, sagt Peter Koll. „Dies liegt unter anderem an den hohen Hürden bei den Auswahlkriterien.“ Anzunehmen sei auch, dass Betriebe schon vorher als überschuldet galten. Und diese fallen von vornherein durch das Raster. Vor Ende 2019 könnten die Landwirte zudem nicht mit einer Auszahlung rechnen. „Durch das Prüfverfahren ist es keine Sofort-Hilfe mehr“, kritisiert Koll. „Das Geld kommt nicht dann an, wenn es benötigt wird.“

Das verunsichert auch die Landwirte aus Jersbek. Henning und Julia Möller entschieden sich bewusst gegen das sogenannte Vorschussverfahren, um das sich landesweit 150 Landwirte beworben haben. „Wir hatten Angst, schlussendlich doch nicht berechtigt zu sein und die Hilfe zurückzahlen zu müssen“, sagt Julia Möller. „Die derzeitige Situation ist beängstigend für uns.“ Und weiter: „Das ist psychischer Stress.“

Witterung bleibt schwierig

Wie sich die Situation der Landwirte im kommenden Jahr entwickelt, ist laut Experten nicht absehbar. Doch auch, wenn Tierbestände reduziert oder Betriebe ganz aufgegeben würden: „Auf die Milchpreise wird sich die Entwicklung kaum auswirken“, sagt Hans Foldenauer vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter. „Schwankungen im Angebot werden heute global ausgeglichen“, so Foldenauer. „Auf dem europäischen Milchmarkt herrscht kein Mangel.“

Das beobachtet auch Landwirt Friedrich Klose, Kreisvorsitzender des Bauernverbandes: „Trotz hoher Futterkosten sind die Milchpreise von 35 auf 30 Cent gefallen. Das ist ein zusätzlicher Grund, warum viele Bauern in einer wirtschaftlich schwierigen Situation sind.“ Nun komme es auf das Frühjahr an – denn ausgestanden sei die Dürre noch nicht. „Aktuell können die Pflanzen gerade noch so überleben, haben jedoch nicht ausreichend Wasserreserven“, sagt Friedrich Klose. Nur die ersten zehn Zentimeter Erde seien durchfeuchtet, 150 Liter pro Quadratmeter würden benötigt. „Es ist auch für diese Jahreszeit ungewöhnlich trocken. Dies zeigt, dass die Dürre noch nicht vorbei ist.“