Stormarn
Regionale Produkte

In Bargteheide kommen Land-Eier jetzt aus dem Automaten

Vertreiben das Land-Ei aus dem Automaten: Andreas Krallinger (l.)sowie Kirsten und Axel Steinmatz.

Vertreiben das Land-Ei aus dem Automaten: Andreas Krallinger (l.)sowie Kirsten und Axel Steinmatz.

Foto: Melissa Jahn

Mitten im Zentrum:Ein Gerät spuckt aus, was freilaufende Hühner frisch gelegt haben. Weitere Produkte sind geplant.

Bargteheide.  Wer regionale Produkte sucht, kann in Bargteheide an ganz neuer Stelle fündig werden. Ab sofort gibt es direkt im Stadtzentrum an der Rathausstraße 6 einen Verkaufsautomaten, der jeden Tag frisch mit Bargteheider Land-Eiern bestückt wird. „Natürlich von glücklichen Hühnern“, wie Landwirt Axel Steinmatz betont, der die Idee zusammen mit seiner Frau Kirsten und Freund Andreas Krallinger umsetzt. Die Eier stammen vom Bauernhof der Familie Steinmatz. Der liegt direkt am Ortsausgang Richtung Tremsbüttel, wo auch das Hühnermobil der 240 Hennen steht. Das ist ein beweglicher Stall für Freilandhaltung.

„Buddi, buddi, buddi, es gibt Körner Mädels.“ Wenn Andreas Krallinger „seine Hühner“ ruft, kommen die Hennen der Zuchtlinie „Lohmann Brown“ zusammen mit den drei Hähnen ohne Scheu angelaufen und fressen ihm sprichwörtlich aus der Hand. Routiniert nimmt er ein Huhn auf den Arm, streicht stolz über das gesunde Gefieder und deutet auf den roten Kamm. „Die satte Farbe verrät die Gesundheit eines Huhns. Sie bekommen hier genau das, was sie brauchen.“

Das Hühnermobil wird jede Woche versetzt

Der gebürtige Österreicher kennt sich mit dem Federvieh aus. Er kam vor Jahren als erster Erntehelfer auf den Hof der Familie Steinmatz, verliebte sich in eine Frau und das Land Schleswig-Holstein – und blieb. Heute wohnt der 41 Jahre alte Saatgutvertreter in Bargfeld-Stegen und hilft Axel Steinmatz bei den Hühnern, da der Landwirt zuvor auf Schweinehaltung und Ackerbau spezialisiert war. „Mit neun Jahren hielt ich bereits meine eigenen Hühner auf unserem Bauernhof“, sagt Krallinger mit breitem österreichischem Dialekt, seinem Markenzeichen. Auch zum Essen? Krallinger lacht: „Ja freilich, das gibt das beste Hühnerfrikassee.“

Aber noch sind die Hühner gerade erst auf dem Bauernhof eingezogen und laufen auf der zwei Hektar großen, durch einen Zaun abgetrennten, Fläche herum. Das Besondere an einem Hühnermobil: Einmal wöchentlich wird der komplette Auslauf versetzt und das Haus mit seinen Rädern an eine neue Stelle gefahren. Dadurch bekommen die Hühner immer wieder ein frisches Fleckchen Wiese, welche mit einer speziellen Saatmischung aus Gräsern und Klee angelegt wurde – ein Garant für kräftig-gelben Eidotter. „Statt chemischer Mittel nutzen unsere Hennen gegen Milben ein Staubbad aus Steinmehl“, sagt Krallinger. „Rückstände wie von Fipronil sind bei uns nicht möglich.“ Das Mittel sorgte 2017 für Schlagzeilen, weil es in Legehennenbetrieben verbotenerweise zur Bekämpfung von Parasiten eingesetzt worden war. Zahlreiche Überschreitungen der Höchstwerte wurden festgestellt.

Immer sonnabends ist „Bettenwechsel“

Bei der Familie Steinmatz werden die Eier täglich mit der Hand aus den Dinkelspelzen geholt, in denen die Hühner ihre Nester bauen, und in die Eierkartons verpackt. Körnerfutter und Wasser müssen aufgefüllt, der Kot per Hand auf einem Fließband herausgekurbelt und das Mobil umgestellt werden. „Sonnabends ist bei uns ,Bettenwechsel’“, sagt Axel Steinmatz. „Allein mit dem Umstecken des Zauns sind wir zwei Stunden beschäftigt. Dies bedeutet deutlich mehr Arbeit als ein hoch technisierter Stall.“ Und doch mache ihn die Arbeit mit den Hühnern auch glücklich, das Sammeln der Eier sei beruhigend und ein schöner Ausgleich zu anderen Aufgaben.

Aber weil die Familie auch Geld mit den Eiern verdienen möchte, wurde nun der Eierautomat in der Rathausstraße aufgestellt. Und zwar nur wenige Meter entfernt vom ehemaligen Eier-Verkaufsstand der Familie. „Die Schwiegereltern wohnten noch bis 1980 auf dem Hof“, sagt Kirsten Steinmatz. „Im Gebäude von Radsport Runge war der Kuhstall, auf dem Parkplatz der Misthaufen und in dem Secondhand-Geschäft das Wohnzimmer.“ Und an der Straße wurden eben die frischen Eier verkauft.

Per App wird angezeigt, ob Ware nachgefüllt werden muss

Da das Gebäude bis heute in Familienbesitz sei, habe der Automat dort ohne Probleme aufgestellt werden können. „Zurzeit lassen wir die Rollläden noch per Hand hinunter und schützen den Stand zusätzlich per Video vor Randale“, so der Landwirt. „In Zukunft soll das automatisch erfolgen.“ Ob der Automat neu bestückt werden muss, erfährt die Familie Steinmatz schon heute bequem per Handy-App. Nur das Nachfüllen muss noch per Hand erledigt werden.

Aus Bargfeld-Stegen steuert Andreas Krallinger für den Automaten zusätzlich Raps- und Waldhonig von seinen Bienenvölkern bei, zudem ist eine Kooperation mit einem regionalen Fleischproduzenten geplant. „Wir kennen ein ähnliches Modell, bei dem Eier, Grillfleisch und Milch nebeneinander angeboten werden“, sagt Axel Steinmatz. „Je mehr Produkte es an einem Standort gibt, desto attraktiver ist es für die Kunden.“

Hühnerhalter sehen ihr Ziel schon erreicht

Bereits jetzt wurde der Automat gut angenommen. Auch die Bargteheiderin Jutta Krupop kauft dort schon zum wiederholten Mal ein. Sie ist von der Regionalität begeistert, hat sich von der Gesundheit der freilaufenden Hühner persönlich überzeugt: „Die Hennen sehen wirklich wunderbar aus. Und die Eier schmecken tatsächlich besser, als aus dem Supermarkt.“

Das Lob macht die Hühnerhalter mehr als zufrieden: „Damit ist unser Ziel erreicht“, so Krallinger. „Wir wollen qualitativ hochwertige und regionale Eier verkaufen. Aus Bargteheide – für Bargteheide.“

Eierautomat, Öffnungszeiten 5–22 Uhr, Rathausstraße 6 in Bargteheide. Hühnermobil, Tremsbütteler Weg 85, Bargteheide. Preise: zehn Eier: 4 Euro, sechs Eier: 2,50 Euro, ein Glas Honig: 6 Euro

Hintergrund: Der mobile Hühnerstall kostet 45.000 Euro

Ein Hühnermobil ist nicht bloß ein Käfig auf Rädern, sondern ein modern ausgestattetes Stallsystem für artgerechte und umweltschonende Hühnerhaltung. Das wöchentliche Weiterfahren des Stalles verhindert die Verschlammung des Bodens im Auslauf und beugt Krankheiten vor. Durch den Auslauf müssen Schnäbel nicht kupiert oder Ställe verdunkelt werden. Federpicken und Kannibalismus unter den Tieren kommen so gut wie gar nicht mehr vor. Eine Fotovoltaikanlage produziert den Strom für die Hühnerklappe, die sich kurz vor zehn Uhr morgens öffnet und eine Stunde nach Sonnenuntergang automatisch schließt, für Licht und den elektrischen Weidezaun, um die Tiere vor dem Fuchs zu schützen. Bei Schnee und Minusgraden bleiben die Hühner den ganzen Tag im Hühnermobil, welches Schutz bis minus 15 Grad bietet. In der Neuanschaffung kostet ein Aufbau dieser Größe rund 45.000 Euro. Trotz der Mobilität ist eine Baugenehmigung nötig.