Stormarn
Interview

Barsbüttel: Der Bürgermeister ohne Gegenkandidat

Thomas Schreitmüllers Büro befindet sich derzeit in einem Container neben dem Rathaus, das gerade saniert wird

Thomas Schreitmüllers Büro befindet sich derzeit in einem Container neben dem Rathaus, das gerade saniert wird

Foto: René Soukup

Thomas Schreitmüller verrät, warum er eine dritte Amtszeit einer beruflichen Veränderung vorzieht. Die Wahl ist am Sonntag.

Barsbüttel.  Von wegen Spannung. Die Bürgermeisterwahl in Barsbüttel am kommenden Sonntag, 9. September, ist schon entschieden. Der parteilose Amtsinhaber Thomas Schreitmüller ist der einzige Kandidat . Er steht seit Januar 2007 an der Spitze der Verwaltung, ist Chef von 180 Mitarbeitern und wird diesen Job bis 2025 sicher haben. Alle in der Gemeindevertretung versammelten Parteien, die Wählergemeinschaft Bürger für Barsbüttel (BfB), CDU, SPD, Grüne und FDP, haben keinen eigenen Bewerber aufgestellt und unterstützen den 50-Jährigen in unterschiedlicher Intensität, etwa mit Plakaten.

Schreitmüller ist tief verwurzelt in Stormarn. Er wuchs in Ahrensburg auf und machte nach der Realschule eine Verwaltungslehre in Großhansdorf. Dort baute er die Umweltabteilung auf und wurde Leiter des Bauamts, später Rathauschef in Tangstedt. Im Abendblatt-Interview spricht der Konkurrenzlos-Bürgermeister über sein Verhältnis zur Politik, die Zukunft der Gemeinde und einen Fehler, den er begangen hat.

Herr Schreitmüller, ist eine Wahl ohne Gegenkandidat für Sie nicht langweilig und damit eine fehlende Herausforderung?

Thomas Schreitmüller: Eine Wahl ist grundsätzlich nicht langweilig, insbesondere wenn sie einen selbst betrifft. Manchmal stelle ich mir allerdings schon die Frage, ob es angenehmer wäre, wenn ich einen Gegenkandidaten hätte. Denn dadurch erkennen die Wähler Vor- und Nachteile eines Bewerbers womöglich besser.

Was ist für Sie der Maßstab einer erfolgreichen Wahl? Stichwort Wahlbeteiligung.

Ich gehe von einer niedrigen aus, leider, weil es mit einem Kandidaten in der Tat so spannend nicht ist. Ich hoffe, dass mehr als 20 Prozent der Barsbütteler mitmachen. Das wäre zufriedenstellend. Es liegt auch in meinem Interesse, dass die Direktwahl für die Bürgermeister bestehen bleibt. Im Wahlprogramm der Landes-CDU ist ja vorgesehen, dass sie für hauptamtliche Bürgermeister wieder abgeschafft wird. Insofern wäre eine hohe Beteiligung ein klares Signal. Außerdem: Schon das Amt des Bürgermeisters verdient es, vom Bürger unterstützt zu werden.

Was hat sich seit Ihrem Wirken in Barsbüttel positiv verändert?

In den Bereichen Kindertagesstätten und Schule haben wir uns sehr gut weiterentwickelt, viel Geld investiert und zum Beispiel Bildungseinrichtungen erweitert. Auch der Umgang der Kommunalpolitiker miteinander ist ein anderer geworden. Auseinandersetzungen gibt es nur noch auf der sachlichen Ebene. Das war früher anders und hat mit den Geschehnissen um meinen Vorgänger zu tun. Ich glaube, dass es der Politik im Zusammenspiel mit dem Bürgermeister und seinen Mitarbeitern gelungen ist, Barsbüttel als lebens- und liebenswerte Gemeinde zu erhalten und Bedarfe entsprechend anzupassen.

Politiker aller Parteien loben Ihre Arbeit und die Art und Weise, wie Sie mit den Entscheidungsträgern umgehen. Trotzdem: Was hätten Sie im Rückblick anders gemacht?

Nicht wirklich viel. Aber eine Sache ist in der Tat unglücklich gelaufen. Aus heutiger Sicht war es ein Fehler von mir, nach dem Beschluss der Gemeindevertretung zur Teilsanierung des Rathauses eine noch bessere Lösung zu suchen. Das hat die Politik verunsichert. In der Folge gab es neue Überlegungen, und es kam es zu einem Bürgerentscheid über einen Rathausneubau. Das hat für Unruhe gesorgt. Jetzt wird das Verwaltungsgebäude vollsaniert und erweitert. Aber nochmal: Als Bürgermeister muss ich immer nach der besten Lösung suchen. Das ist meine Pflicht. Aus meiner Sicht wäre ein Neubau am Nahversorgungszentrum optimal gewesen.

Welches sind in den kommenden sechs Jahren die größten Herausforderungen in Barsbüttel?

Wir müssen den Ort mit den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln nicht nur für Kinder und Jugendliche gut gestalten, sondern auch für Senioren. Die demografische Entwicklung erfordert es, dass das Gemeinwesen stärker angepasst wird für ältere Bürger. Dabei geht es auch um die Schaffung von altengerechtem Wohnraum.

In anderen Kommunen in Stormarn ist das Verhältnis zwischen Bürgermeister und Politik angespannt. Sie haben den Rückhalt aller Parteien. Verraten Sie uns die Erfolgsformel?

Es passt einfach zusammen. Wichtig ist immer eine gute Kommunikation. Ein Beispiel: Wenn ich denke, dass eine Partei bei einem Thema auf dem falschen Weg ist und anders handeln sollte, gehe ich damit nicht an die Öffentlichkeit, sondern suche das Gespräch mit dem Fraktionsvorsitzenden unter vier Augen. Ich glaube, dass ein solches Verhalten geschätzt wird.

Sie sind seit Mai 2000 Bürgermeister. Erst im kleinen Tangstedt und jetzt in Barsbüttel mit seinen 13.700 Einwohnern. Können Sie sich vorstellen, in einer größeren Kommune zu kandidieren?

Ich hatte ja Angebote, aber mir ist wichtig, dass ich Freude an der Arbeit habe. Und das ist hier der Fall. Insofern habe ich keine Abwanderungsgedanken.