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Betrugsverdacht gegen Reisebüro: Behörde reagiert

Jörn Behrens (51) hat bei der Kriminalpolizei in Ahrensburg Anzeige gegen das Reisebüro Langeloh erstattet

Jörn Behrens (51) hat bei der Kriminalpolizei in Ahrensburg Anzeige gegen das Reisebüro Langeloh erstattet

Foto: Janina Dietrich / HA

Viele Kunden fürchten um ihr Geld. Nach den Berichten im Abendblatt prüft die Behörde, ob das Reisebüro geschlossen werden kann.

Ahrensburg.  Wenn Uwe Broll über seine Erfahrungen mit dem Ahrensburger Reisebüro Langeloh spricht, ist ihm seine Wut auch noch ein knappes Jahr nach den Ereignissen anzumerken. Seit den Abendblatt-Berichten ist zudem Fassungslosigkeit dabei. Darüber, dass die Firma ihren Betrieb bisher uneingeschränkt fortsetzen kann, obwohl es offenbar so viele Menschen gibt, die sich von dem Unternehmen um ihr Geld betrogen fühlen.

„Ich verstehe das nicht“, sagt der 55-Jährige. „Es liegen zahlreiche Anzeigen bei der Polizei vor – warum unternimmt das Ahrensburger Gewerbeamt nichts?“ Seine Frau Mirjam sagt: „Die Behörde müsste doch längst bei der Firma auf der Matte stehen.“ Nun reagiert die Stadt Ahrensburg. Die Verwaltung habe die Abendblatt-Berichte zum Anlass genommen, zu prüfen, ob sie ein Gewerbeuntersagungsverfahren einleitet, sagt Rathaussprecherin Imke Bär.

15 Kunden haben sich bereits ans Abendblatt gewandt

Bei einem solchen Vorgang müsste dem Gewerbetreibenden und den Behörden die Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben werden. „Bis zur rechtskräftigen Entscheidung können daher einige Monate vergehen“, sagt Imke Bär. „Es ist zum jetzigen Zeitpunkt auf jeden Fall noch sinnvoll, dass all diejenigen, die durch das Reisebüro geschädigt wurden und ein rechtskräftiges Gerichtsurteil gegen die Firma haben, sich im Gewerbeamt melden.“

Die Zahl der Betroffenen ist hoch. Allein 15 Kunden des Reisebüros haben sich inzwischen an das Abendblatt gewandt. Einige mussten Flüge und Hotels doppelt bezahlen, bei anderen wurden Kreditkarten ohne Zustimmung belastet. Uwe Broll hat am 1. November 2017 Anzeige wegen Betrugs bei der Kripo in Ahrensburg erstattet. Zwei Monate zuvor hatte sich der Todendorfer im Reisebüro Langeloh über einen Namibia-Urlaub informiert. Am selben Abend habe Inhaberin Angela Langeloh ihn angerufen, um sich nach seiner Kreditkartennummer zu erkundigen. Die Begründung: Sie brauche diese für Buchungsvoranfragen. Broll sagt: „Ich fand das ungewöhnlich.“ Da er die Geschäftsfrau seit fast 30 Jahren kennt und viele Reisen über ihre Firma gebucht hat, gab er ihr trotzdem die Daten.

Kontauszüge seien offenbar gefälscht worden

Beim Blick auf seine Kreditkartenabrechnung wenige Wochen später habe er seinen Augen nicht getraut. Im Zeitraum vom 13. bis 26. September 2017 buchten drei Reiseveranstalter und eine Fluggesellschaft 2919,48 Euro von seiner Kreditkarte ab. „Wir hatten nichts gebucht, keinen Vertrag unterschrieben und auch nicht unsere Einwilligung für eine Kreditkartentransaktion gegeben“, sagt Uwe Broll. Reisebüro-Inhaberin Angela Langeloh habe ihm danach mehrmals zugesichert, das Geld zurückzuzahlen. „Sie hat mir sogar Kontoauszüge gezeigt, die ihre Überweisung beweisen sollten“, sagt Broll. „Die waren aber offenbar gefälscht.“ Das Geld sei nie bei ihm angekommen.

„Man ist so machtlos, so ohnmächtig, kann nichts tun“, sagt Mirjam Broll. Im November 2017 erstattet die Kreditkartenfirma ihnen das Geld zurück, nachdem sie ihre bei der Polizei erstattete Anzeige vorgelegt hatten. „Wir dachten, wenn wir zur Polizei gehen, reicht das, damit jemand etwas gegen das Reisebüro unternimmt“, sagt die 50-Jährige. Durch die Abendblatt-Berichte erfuhren sie, dass nichts passiert ist. „Wir sind entsetzt“, sagt Broll.

Betroffene sind enttäuscht vom Verhalten der Behörden

Bei der Staatsanwaltschaft Lübeck läuft bereits ein umfangreiches Ermittlungsverfahren gegen Inhaberin Angela Langeloh, wie Oberstaatsanwältin Ulla Hingst dem Abendblatt bestätigte. Für die Gefahrenabwehr sei ihre Behörde aber nicht zuständig, das sei Aufgabe der Ahrensburger Gewerbeaufsicht. Warum wurde diese dann nicht über die Ermittlungen informiert? Das Abendblatt hat bei der Staatsanwaltschaft nachgefragt. Sprecher Christian Braunwarth sagt: „Vor dem rechtskräftigen Abschluss des Strafverfahrens hat sich die Staatsanwaltschaft der Weitergabe von Daten aus einem laufenden Ermittlungsverfahren zu enthalten. Erst ein rechtskräftiges Strafurteil könnte der Gewerbeaufsicht mitgeteilt werden.“

Für viele Betroffene ist das Verhalten der Behörden eine Enttäuschung. So auch für Jörn Behrens. Als er im Juni 2018 bei der Ahrensburger Kripo Anzeige wegen versuchten Betrugs und vollendeter Urkundenfälschung gegen das Reisebüro erstatten wollte, habe der anwesende Beamte diese zunächst gar nicht aufnehmen wollen. „Er erzählte, es gebe schon so viele Anzeigen“, sagt Behrens, der auf seine Anzeige bestand.

Auf der Rechnung fehle das Logo des Reiseveranstalters

Die Staatsanwaltschaft Lübeck hat das Verfahren in diesem Fall inzwischen vorläufig eingestellt. Die Begründung: „Gegen die Beschuldigte ist ein weiteres Verfahren anhängig, in dem sie mit einer erheblichen Bestrafung zu rechnen hat“, heißt es in einem Schreiben der Behörde, das dem Abendblatt vorliegt. Jörn Behrens ist mit der Antwort nicht zufrieden. „Ich möchte, dass etwas passiert, dass mein Fall ernst genommen wird“, sagt er.

Der 51-Jährige wollte im Dezember 2017 einen Urlaub in die Türkei bei Langeloh buchen. Im Februar dieses Jahres erhielt er von ihr eine Bestätigung über den Preis von 2857,50 Euro. Doch auf die Reiseunterlagen und die Rechnung habe er trotz zahlreicher Nachfragen lange warten müssen. Am 5. Juni habe Angela Langeloh die Rechnung persönlich in seinen Briefkasten gesteckt – allerdings mit einer falschen Hausnummer und einem falschen Alter seiner Tochter. Um die Fehler zu korrigieren, habe er direkt beim Reiseveranstalter angerufen. Bei dem Telefonat sei herausgekommen, dass der Reisepreis mit 6984 Euro deutlich teurer ist. Zudem seien eine Adresse in Hamburg und eine falsche E-Mail-Adresse hinterlegt worden. „Das Unternehmen meinte, die Rechnung sei offenbar gefälscht“, sagt Behrens. „Es fehlte zum Beispiel das Logo des Reiseveranstalters.“

Flüge wurden ohne Zustimmung storniert

Auch Anita Waters fühlt sich vom Reisebüro betrogen. Die Ammersbekerin hat 2016 Flüge für eine USA-Reise mit ihrem Mann bei der Firma Langeloh gebucht und dafür 1659 Euro per Kreditkarte bezahlt. Der Urlaub war vom 19. Juni bis 11. Juli 2017 geplant. Als die 57-Jährige am Tag vor der Abreise mit dem Buchungscode des Reisebüros online für die Flüge einchecken will, funktioniert das nicht. „Da ich im Reisebüro niemanden erreichen konnte, habe ich direkt bei der Fluggesellschaft angerufen“, sagt Waters. „Diese berichtete mir, dass die Flüge vom Reisebüro storniert wurden.“ Über ein Internetportal bucht sie neue Flüge. Weil alles so kurzfristig ist, muss sie eine neue Route wählen und mehr als 3100 Euro zahlen.

Nach dem Urlaub fordert das Ehepaar das Geld zurück. Am 7. November 2017 erwirkt es einen Mahnbescheid vom Amtsgericht Ahrensburg, schickt danach zweimal einen Gerichtsvollzieher zur Firma Langeloh. Ihr Geld hat Anita Waters aber bis heute nicht zurück, durch Anwalts- und Gerichtskosten ist die Summe inzwischen auf mehr als 5000 Euro gestiegen. Sie musste in diesem Jahr einen schweren Schicksalsschlag verkraften, ihr Mann starb im Frühjahr. Waters sagt: „Das Geld fehlt mir nun an allen Ecken und Kanten.“

Reisebüro-Inhaberin Angela Langeloh hat sich auf Abendblatt-Anfrage nicht zu den neuen Vorwürfen geäußert.