Stormarn
Bildungspolitik

Ganztagsbetreuung: Stormarns Schulen fürchten Probleme

Schüler beim Mittagessen in einer Ganztagsschule

Schüler beim Mittagessen in einer Ganztagsschule

Foto: Franziska Kraufmann / dpa

Zu wenig Räume, zu wenig Pädagogen – in der Diskussion um einen Rechtsanspruch hofft die Landesregierung auf Hilfe vom Bund.

Ahrensburg.  Mehr Stellen, mehr Geld, mehr Qualität – dies verspricht die neue Landesregierung für den Ausbau der Ganztagsschulen in Schleswig-Holstein . Während SPD und CDU auf Bundesebene sogar einen Rechtsanspruch auf die Betreuung von Grundschulkindern fordern, setzt Schleswig-Holstein auf den Ausbau eines verlässlichen Angebotes. Ziel ist es, Eltern bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu unterstützen. Dafür soll die Nachmittagsbetreuung der unterschiedlichen Schulträger bis 2022 vereinheitlicht werden – insbesondere in Bezug auf die Finanzierung und Qualität. Doch einige Grundschulen in Stormarn melden bereits Bedenken an. Sie fürchten, den Plan der Landesregierung nicht umsetzen zu können.

An Bünningstedter Schule herrscht schon jetzt Raumnot

„Die Forderung nach einem möglichen Rechtsanspruch macht mir Sorgen“, sagt Birgit Graumann-Delling, Schulleiterin der Grundschule in Bünningstedt . „Wenn gleichzeitig die Qualitätsstandards erhöht werden sollen, bekommen wir Probleme.“ Bereits jetzt seien alle Räume belegt, Platz für Elterngespräche und schulbegleitende Maßnahmen nicht mehr vorhanden. Um das Angebot bereitstellen zu können, wurden zusätzlich einige Betreuer in geringfügiger Beschäftigung eingestellt. „Alle sind mit viel Idealismus, aber wenig Lohn beschäftigt“, so die Schulleiterin. „Wenn wir ausschließlich auf ausgebildete Sozialpädagogen umstellen müssten, würden unsere Kosten explodieren.“

Dass ein Ausbau – wie von den Parteien gefordert – viel Geld kostete, belegt auch eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung. Um bis 2025 etwa 80 Prozent der Schüler zu erreichen, müssten demnach bundesweit 15 Milliarden Euro allein in die Infrastruktur investiert und 47.600 Pädagogen zusätzlich eingestellt werden. Entscheidend für gute Lernchancen sei die Präsenz von qualifiziertem pädagogischen Personal – auch am Nachmittag.

Kein Platz für neue Räume

Auch in Stormarn nutzen immer mehr Schüler das Betreuungsangebot am Nachmittag. Von 35 Grundschulen mit 9363 Schülern unterbreiten 26 ein offenes Ganztagsangebot. In der Stadtschule in Bad Oldesloe ist die Teilnahme für alle 410 Schülern sogar verpflichtend. Sie gilt als gebundene Ganztagsschule. Auch in den anderen Schulen ist die Nachfrage groß. In Barsbüttel besuchen 91 Prozent der Kinder die Kurse am Nachmittag, in Hoisbüttel sind es 89 und in Reinbek an der Grundschule Mühlenredder 88 Prozent. Aber auch in ländlicheren Regionen kommt die Betreuung gut an. So erreicht die Grundschule Bünningstedt mit ihrem offenen Angebot 83 Prozent, in Zarpen sind es immerhin noch 68 Prozent der 136 Schüler. In Glinde wächst die Nachfrage nach einem Ganztagsangebot kontinuierlich. Erst zum Schuljahreswechsel richtete die Grundschule Wiesenfeld eine siebte Gruppe ein. Für das kommende Jahr gibt es schon jetzt viele Neuanmeldungen – eine achte Gruppe ist bereits angedacht.

„Wir müssen uns mit der Schule arrangieren“, sagt Kirstin Steindamm, Koordinatorin des offenen Ganztagsangebotes. „Platz, um neue Räume zu bauen, haben wir nicht.“ Dies sei kein Problem, solange die Kommunikation zwischen den Lehrern und den Mitarbeitern der OGS stimme. Kritisch könne es jedoch werden, wenn kleinere oder noch mehr Gruppen gefordert würden.

Nachfrage nach flexiblem Angebot wächst

In Bezug auf die Qualifikation der Betreuer hat Kirstin Steindamm bereits eigene Pläne: Gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt ist die Einstellung von ausschließlich ausgebildeten Arbeitskräften angedacht. „Wir gehen diesen Schritt allerdings nicht wegen der Qualitätsoffensive der Landespolitik“, sagt die Erzieherin, „sondern um der Altersarmut entgegenzuwirken. Alle 450-Euro-Kräfte zahlen über Jahre nicht in die Rente ein. Das wollen wir ändern.“ Zusätzlich begrüße sie diesen Schritt, weil gerade bei verhaltensauffälligen Schülern erfahrenes Personal wichtig sei. Dies soll die gemeinsame Arbeit vereinfachen.

„Die Nachfrage nach offenen Ganztagsschulen mit einem flexiblen Betreuungsangebot steigt. Und dadurch auch der Bedarf an Personal und geeigneten Räumlichkeiten“, bestätigt Thomas Schunck, Pressesprecher des Bildungsministeriums in Schleswig-Holstein. „Die Landesregierung möchte gemeinsam mit den verschiedenen Trägern das schulische Unterstützungssystem qualitativ und bedarfsgerecht ausbauen. Um dieses Angebot an allen Standorten vorhalten zu können, sind wir allerdings auf die Unterstützung des Bundes angewiesen“, so Schunck.

Schulrat gibt sich angesichts der Kosten noch gelassen

Zurzeit übernimmt das Land 17,8 Prozent der Gesamtkosten des Ganztagsangebotes. 10,8 Millionen Euro stehen dafür im Landeshaushalt 2017 zur Verfügung, 12,7 Millionen Euro sind im Haushaltsentwurf 2018 vorgesehen. Dies ist bei weitem nicht ausreichend Geld, um alle Schüler des Landes flächendeckend zu versorgen.

Trotz allem sieht Schulrat Michael Rebling aus Stormarn den Forderungen der Landesregierung gelassen entgegen. Noch seien die Pläne nicht konkret, mögliche Kosten ließen sich nicht ableiten. Gravierende Unterschiede gebe es zur Zeit jedoch in der inhaltlichen Ausgestaltung der Nachmittagsbetreuung. Während mancherorts lediglich eine Art Basis-Betreuung eingerichtet wurde, hätten andere Schulen ein breites Netzwerk mit Sportvereinen und Musikschulen aufgebaut. Von diesen Bildungsmaßnahmen könnten beide Seiten profitieren und Vereine neue Mitglieder dazugewinnen. Qualität beziehe sich eben nicht nur auf das Personal und die Räumlichkeiten, sondern auch auf die Vielfalt des Angebotes.