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E-Highway: Stormarner nehmen Fahrt auf

Der Reinfelder Spediteur Kai Bode kann sich eine Zukunft mit Elektro-Lastwagen vorstellen

Der Reinfelder Spediteur Kai Bode kann sich eine Zukunft mit Elektro-Lastwagen vorstellen

Foto: Finn Fischer / HA

Lastwagen sollen schon 2019 mit Strom auf der Autobahn 1 fahren. Reinfelder Spedition steckt schon in Vorbereitungen für das Projekt.

Reinfeld.  Noch fahren die Lastwagen von Spediteur Kai Bode ausschließlich mit Diesel. Doch das soll sich schon bald ändern. Das Land Schleswig-Holstein plant den Bau eines E-Highways auf der Autobahn zwischen Reinfeld und Lübeck. Der Reinfelder Logistiker wird mindestens zwei Strom-Diesel-Hybridlastwagen einsetzen.

Derzeit befindet sich das Zukunftsprojekt E-Highway noch in den Vorbereitungen. „Die Ausschreibung wird derzeit vorbereitet und gestartet, sobald alle erforderlichen Genehmigungen vorliegen“, heißt es dazu aus dem Kieler Ministerium für Wirtschaft und Verkehr auf Anfrage des Abendblattes. Es ist geplant, die Ausschreibung mit einem Teilnahmewettbewerb noch in diesem Monat zu starten und im ersten Quartal des kommenden Jahres den Auftrag zum Bau zu erteilen.

Lastwagen können jederzeit auf Diesel-Betrieb umstellen

Ab 2019 sollen dann die ersten strombetriebenen Lastwagen auf Stormarner Gebiet über die Autobahn1 rollen. Diese werden dass Logo der Spedition Bode tragen. Der Reinfelder Logistiker führte vor zwei Jahren die ersten Gespräche in Kiel über eine Beteiligung an dem Modellprojekt. Jetzt rückt der Starttermin immer näher. „Das ist für uns natürlich unheimlich spannend“, sagt Geschäftsführer Kai Bode zum Abendblatt. Elektro-Lastwagen seien sicher kein Allheilmittel gegen den CO2-Ausstoß – aber sie seien ein Anfang und ein Schritt in die richtige Richtung.

Kai Bode steht sowohl mit dem Unternehmen Siemens als auch mit dem Nutzfahrzeughersteller Scania in regem Kontakt, wie er sagt. Beide Konzerne kooperieren bei der Entwicklung der Zugmaschinen. Die Lastwagen sind mit einem Stromabnehmer auf dem Fahrerhaus ausgestattet, der – ähnlich wie im Zugverkehr – über Oberleitungen mit Strom versorgt wird. Im öffentlichen Busverkehr einiger Großstädte wird eine ähnliche Technik bereits eingesetzt. Allerdings mit einem wesentlichen Unterschied: „Die Lastwagen sind nicht fest mit den Stromabnehmern verbunden“, sagt Kai Bode. Schließlich müssten die Trucks die Autobahn irgendwann auch wieder verlassen. Dann werden die Stromabnehmer eingefahren, der Hybridantrieb stellt automatisch auf Diesel um.

Das Modellprojekt ist auf drei Jahre angelegt

„Wir wollen anfangs zwei mit Hybridmotoren betriebene und später wahrscheinlich auch vollwertige Elektro-Lastwagen einsetzen“, kündigt der Logistiker an. Diese verfügen über Akkus und werden während der Fahrt auf der Autobahn geladen. Nach dem Verlassen der Autobahn 1 reicht der Strom dann bis zum jeweiligen Lager. So jedenfalls die Theorie.

Wie praktisch der E-Highway tatsächlich ist, wird sich in anderthalb Jahren zeigen. „Wir können jetzt noch nicht sagen, wie viel Diesel oder CO2 damit letztendlich eingespart werden kann“, sagt Kai Bode. Das Modellprojekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt und soll wissenschaftlich begleitet werden. Am Ende wird die Auswertung darlegen, ob der E-Highway tatsächlich eine Zukunft hat. Während die Spedition dem E-Highway mit großer Erwartung entgegensieht, regt sich an anderer Stelle Widerstand. Die Gemeinde Hamberge liegt direkt an der Autobahn 1 zwischen Reinfeld und Lübeck und fordert im Zusammenhang mit der E-Highway-Planungen auch die Umsetzung einer seit 30 Jahren versprochenen Lärmschutzwand. Die Gemeinde schließt auch eine Klage nicht aus, sollte in Gesprächen keine Einigung erzielt werden.

Lärmschutz: Minister sagt Hamberge Unterstützung zu

„Minister Bernd Buchholz hat sich bereits in seinen ersten Arbeitstagen dieser Sache angenommen und von vorn herein das Versprechen abgegeben, dass das Land die Gemeinde nicht im Stich lassen wird“, sagt Ministeriumssprecher Harald Haase. „Unsere Fachleute werden im Gespräch mit der Gemeinde rasch nach einer einvernehmlichen Lärmschutz-Lösung suchen, so dass es zu keiner Gefährdung des Highways kommen dürfte.“

Die Ausrüstung der Autobahn 1 mit Oberleitungen in beide Richtungen wird 14 Millionen Euro kosten. Die Mittel dafür kommen aus dem Bundeshaushalt. Die Spedition Bode zahlt pro Elektro-Lastwagen rund 250.000 Euro – das dreifache des Preises einer herkömmlichen Zugmaschine. Sollte die Testphase die erwünschten Ergebnisse bringen, könnte der Schwerlastverkehr vom Lübecker Hafen nach Reinfeld und später möglicherweise sogar bis nach Hamburg rein elektrisch fahren.