Stormarn
Todendorf

Das ist der Grund für den Dauerstau auf der Autobahn 1

Die Baustelle befindet sich etwa 500 Meter südlich der Raststätte Buddikate. Vor dieser Verengung auf zwei Streifen staut sich regelmäßig der Verkehr

Die Baustelle befindet sich etwa 500 Meter südlich der Raststätte Buddikate. Vor dieser Verengung auf zwei Streifen staut sich regelmäßig der Verkehr

Foto: Julia Rhode / HA

Eine unscheinbare Brücke muss saniert werden. Vor allem an diesem verlängerten Wochenende dürfte es Behinderungen geben.

Todendorf.  Fast jeder kennt es aus den täglichen Verkehrsnachrichten: drei Kilometer Stau auf der Autobahn 1 zwischen Bargteheide und Ahrensburg – schon wieder. In diesem Dauerstau müssen sich Stormarner Pendler jeden Tag in Geduld üben. Es vergeht kaum ein Morgen, in dem der Berufsverkehr sich nicht zurückstaut. Einige hundert Meter südlich der Raststätte Buddikate ist die Fahrbahn von drei auf zwei Fahrstreifen verengt, in beide Richtungen. Genervte Gesichter, Verspätung am Arbeitsplatz, Unverständnis. Denn auf der Baustelle, an der die Pendler vorbeifahren, sehen sie nie jemanden arbeiten.

Die Brücke ist 40 Jahre alt

Ein Gerüst, das die Brücke verhüllt, rote Stahlträger, ein Baustellenauto. Hin und wieder läuft ein Mann mit Helm und orangefarbener Weste herum. Die Frage, die sich viele stellen, ist: Warum arbeitet hier niemand und wieso wird überhaupt gebaut? Martin Freitag ist für die örtliche Bauaufsicht verantwortlich. Er erklärt die Behinderungen auf der A 1: „Die Brücke ist 40 Jahre alt. Viele Stahlträger rosten, sie müssen neu beschichtet werden“ Es seien reine Instandhaltungsarbeiten, betont Freitag.

Den meisten Autofahrern ist die Brücke noch nie richtig aufgefallen. Verständlich, so unscheinbar, wie sie über die A 1 führt, rechts und links von Bäumen begrenzt. „Das ist eine sogenannte Wirtschaftswegbrücke“, erklärt der Bauaufseher. Hauptsächlich nutzten sie Bauern und Landwirte, aber auch bei Reitern, Fahrradfahrern und Wanderern sei der Übergang beliebt.

Autofahrer werfen Flaschen

Momentan ist die Brücke aber für jeglichen Verkehr gesperrt. Es werde schließlich gebaut, heißt es. Doch selbst tagsüber liegt die Brücke unberührt über der Autobahn, eingehüllt in ein Gerüst. Von Bauarbeitern keine Spur. Warum man hier nie jemanden arbeiten sieht, hat einen Grund: Die Bauarbeiter verrichten ihre Aufgaben zu einem großen Teil innerhalb des verhüllten Gerüstes. Bis auf Ausnahmen sieht man nicht, dass die Stahlträger unterhalb der Brücke mit fünf neuen Beschichtungen versehen werden, die dem Korrosionsschutz dienen.

„Die Autofahrer werden wütend darüber, dass sie niemanden arbeiten sehen. Sie werfen Flaschen oder Müll von der Fahrbahn in den Baustellenbereich“, sagt Jens Sommerburg, Leiter der Niederlassung Lübeck des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr (LBV). „Mit Absicht“, betont er.

Noch bis 27. Oktober Behinderungen

Und sogleich folgt die Bestätigung. Während des Abendblatt-Gesprächs mit vier Verantwortlichen auf der Baustelle fährt plötzlich ein Auto laut hupend vorbei. Sommerburg dazu: „Für den Autofahrer sieht es gerade so aus, als würden fünf Bauarbeiter in orangefarbenden Westen sinnlos herumstehen“ Der Fahrer ärgere sich darüber. Sommerburg hat Verständnis. Dass zwei Arbeiter im Inneren der Brücke gerade Korrosionsschutzmaßnahmen vorbereiten, sieht der Autofahrer nicht.

Mit den Staus müssen Stormarner noch bis zum 27. Oktober rechnen. Dann sollen die Bauarbeiten auf der Fahrbahn beendet sein.

Baufortschritt langsam erkennbar

Und so langsam ist auch ein Baufortschritt erkennbar. In der vergangenen Woche stand das Gerüst für die Arbeiter in den beiden Mittelstreifen der dreispurigen Autobahn. Am Donnerstag wurde es abgebaut. Anfang nächster Woche werden die Arbeiten am äußeren Abschnitt der Brücke weitergeführt. Das heißt, der Verkehr wird dann über zwei schmale Fahrstreifen auf der linken Seite der Autobahn umgeleitet. Bisher waren die befahrbaren Spuren auf der rechten Seite gewesen.

Während des Umbaus der Gerüste wird zwischenzeitlich sogar nur eine Fahrspur genutzt werden können. „Wir versuchen, das über Nacht zu schaffen“, sagt Bauaufseher Martin Freitag. Tagsüber oder gar im Berufsverkehr die A 1 auf nur einen Fahrstreifen zu begrenzen, wäre unverantwortlich, sagt er. Denn besonders an diesem Wochenende, an dem viele andere aufgrund des Feiertags am Montag in einen verlängerten Wochenendurlaub fahren, könnte es voll werden auf der Autobahn, vor allem Richtung Nor den, an die Ostsee.

Sanierungsbedarf bei Stapelfeld

Die A 1 birgt auch ohne diese Baustelle noch reichlich Staupotenzial. Eigentlich sollte sie 2017 als Ausweichstrecke für die zurzeit im Ausbau befindliche A 7 fungieren. Doch nun besteht laut LBV akuter Sanierungsbedarf im Raum Stapelfeld. In den kommenden zwei Jahren ist also vor allem dort mit Staus zu rechnen. Man wird es in den Verkehrsnachrichten hören.