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Vier Männer wollen Franz Thönnes’ Platz im Bundestag

Der SPD-Politiker Franz Thönnes tritt zur Wahl im Herbst kommenden Jahres nicht noch einmal an

Der SPD-Politiker Franz Thönnes tritt zur Wahl im Herbst kommenden Jahres nicht noch einmal an

Foto: SPD / HA

Nach dem Rückzug des Ammersbekers sucht die SPD Direktkandidaten für den Wahlkreis Segeberg/Stormarn-Mitte. Jusos stimmen für Wagner.

Ammersbek.  Vier Männer konkurrieren um die Nachfolge des Ammersbeker Bundestagsabgeordneten Franz Thönnes. Der SPD-Politiker, der in acht Tagen 62 wird, tritt zur Wahl im Herbst kommenden Jahres nicht noch einmal an. Thönnes sitzt seit 1994 im Bundestag, war zuvor unter anderem Kreis- und Landesvorsitzender seiner Partei.

Alle vier Bewerber um das SPD-Direktmandat im Wahlkreis 8 (Segeberg/Stormarn-Mitte) kommen aus dem Kreis Segeberg: Martin Ahrens aus Hüttblek, Mahmut Cinar aus Norderstedt, Udo Fröhlich aus Bad Segeberg und Alexander Wagner aus Westerrade. Ahrens und Wagner sind Kollegen in der Kreistagsfraktion, Cinar ist im Ortsverein Norderstedt. Fröhlich war von 1997 bis 2003 Bürgermeister in Bad Segeberg und arbeitet zurzeit als Geschäftsführer der Piratenpartei im Landtag.

Mehr Zeit für Privatleben

Franz Thönnes will es Ende 2017 nach dann 47 Berufsjahren als Industriekaufmann, Gewerkschaftssekretär und Abgeordneter ruhiger angehen lassen. „Insgesamt 31 Jahre parlamentarische Arbeit, davon acht im Stormarner Kreistag und 23 im Bundestag sowie sieben als parlamentarischer Staatssekretär, sind genug“, sagte er. Der Ammersbeker möchte mehr Zeit mit Ehefrau Rita haben, die sich seit drei Jahrzehnten in der Kommunalpolitik engagiert. „Politische Aktivität wird bleiben“, so Franz Thönnes, „dann aber im Ehrenamt.“

Eine Garantie für den Sprung nach Berlin ist die SPD-Kandidatur im Wahlkreis 8 keineswegs. So holte Thönnes lediglich 1998 und 2002 das Direktmandat, die weiteren vier Male kam er über die Landesliste ins Parlament. 2005, 2009 und 2013 gewann Gero Storjohann (CDU), der wieder antritt.

Jusos favorisieren Wagner

Die Jusos aus Segeberg und Stormarn haben ihren Favoriten schon ausgemacht: Es ist ihr ehemaliger Landesvorsitzender Alexander Wagner. Bei einer gemeinsamen Kreisvollversammlung in Bad Oldesloe sprachen sich 64,3 Prozent der mehr als 30 Mitglieder für Wagner aus.

Zuvor hatten die Kandidaten sich und ihre Schwerpunkte vorgestellt. Einzig Martin Ahrens konnte wegen eines Termins mit der Kreistagsfraktion nicht kommen. Für Udo Fröhlich stimmten 21,4 Prozent, Martin Ahrens und Mahmut Cinar erhielten jeweils 7,1 Prozent. Stormarns Juso-Vorsitzender Torben Hermann (21) sagte: „Alexander Wagner ist der beste Kandidat aus einem starken Bewerberfeld.“

Martin Ahrens

Martin Ahrens ist stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD im Segeberger Kreistag, dem er seit 2013 angehört. Er ist Sprecher seiner Fraktion im Ausschuss für Wirtschaft, Regionalentwicklung und Infrastruktur. Zuvor war Ahrens Gemeindevertreter und zuletzt Fraktionschef in Kisdorf, wo er auch den Ortsverein von 2007 bis zum laufenden Jahr leitete.

Der 38 Jahre alte Bilanzbuchhalter ist in Flensburg aufgewachsen, lebt seit 15 Jahren im Kreis Segeberg und wohnt seit drei Jahren mit Ehefrau und Sohn im 380-Einwohner-Dorf Hüttblek. Er arbeitet als Leiter des Rechnungswesens bei einer gemeinnützigen Stiftung in Hamburg.

Ahrens trat 2006 in die SPD ein. Hauptziel ist eine gerechtere Finanz-, Steuer- und Wirtschaftspolitik. Er sagt: „Die aktuelle Politik macht unseren Staat in vielerlei Hinsicht nur ärmer und die Reichen reicher.“

Mahmut Cinar

Mahmut Cinar ist ein politischer Neuling. Der 34 Jahre alte Norderstedter hat erst seit einem Jahr das SPD-Parteibuch. „Ich wollte mich ehrenamtlich engagieren, und da gefiel mir das Programm am besten“, sagt der studierte Soziologe, der als Integrationsdozent an der Grone-Schule in Hamburg arbeitet.

Eigentlich habe er gar nicht so schnell durchstarten wollen. Doch als Franz Thönnes seinen Rückzug ankündigte – auch für Cinar völlig überraschend –, habe er seine Chance gesehen, ihm wichtige Themen an entscheidender Stelle mitzubestimmen. „Ich erlebe und höre jeden Tag, dass die Flüchtlinge darunter leiden, nicht arbeiten zu können“, sagt der ledige Akademiker. Er will dazu beitragen, die Integration in den Arbeitsmarkt zu beschleunigen. Nun heißt es für ihn, sich bekannt zu machen, durch die Ortsvereine zu touren und für sich zu werben.

Udo Fröhlich

Udo Fröhlich war von 1997 bis 2003 Bürgermeister von Bad Segeberg, wurde damals deutlich abgewählt. Seine Mitbewerber waren allesamt noch nicht geboren, als er 1971 in die SPD eintrat. Seit Ende Januar arbeitet Fröhlich als Geschäftsführer der Piratenpartei im Kieler Landtag – kein Problem für den Parteilinken. „Ich bin ja nicht politisch tätig, das ist ein reiner Verwaltungsjob“, sagt der Diplom-Verwaltungswirt.

Der 60-Jährige strebt nicht unbedingt eine politische Karriere an, sondern will eine Diskussion um die Zukunft der SPD anfachen und mitreden. Die Partei brauche eine Kursänderung, weg von den „neoliberalen Verheißungen“ hin zu sozialer Gerechtigkeit. Hartz IV sei schikanös, die Riester-Rente ein Irrweg. Die Armen würden ärmer, die Reichen reicher. Die SPD müsse sich auf ihre ursprünglichen Werte besinnen, so der verheiratete Vater zweier erwachsener Kinder.

Alexander Wagner

Alexander Wagner war über Jahre einer der engsten Mitarbeiter von Franz Thönnes: Von 2008 bis 2015 leitete er dessen Wahlkreisbüro. Wagner war unter anderem Landesvorsitzender der Jungsozialisten, sitzt seit 2008 im Segeberger Kreistag und gehört dem Kreis- und Landesvorstand an. Im August vergangenen Jahres wechselte er als persönlicher Referent von Minister Reinhard Meyer (SPD) in das Landesministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie nach Kiel.

Er wolle „frischen Wind in den Bundestag bringen“, stehe für eine „klare Politik der Gerechtigkeit mit Ecken und Kanten“, sagt Wagner. Der 29-Jährige wurde in Güstrow geboren, ist im Kreis Segeberg aufgewachsen und wohnt in Westerrade. Er studiert berufsbegleitend Deutsch und Politikwissenschaft. Ehrenamtlich engagiert er sich seit 2008 auch als Vorsitzender des Sportvereins Wahlstedt.