Stormarn
Rechtsextremismus

Glinder bejubeln das Ende des rechten Modeladens Tønsberg

Die Bürgerinitiative feiert mit Unterstützern das Ende des Mietvertrags vor dem Tønsberg-Laden

Die Bürgerinitiative feiert mit Unterstützern das Ende des Mietvertrags vor dem Tønsberg-Laden

Foto: Kerstin Völling / BGZ

Der Mietvertrag für den Tønsberg-Laden ist abgelaufen. Die Bürgerinitiative feiert nun fünf Jahre Protest mit einem „Buntem Dinner“.

Glinde.  Immer wenn ein Kunde den Tønsberg-Laden betritt, protestieren Mitglieder der Bürgerinitiative Glinde gegen rechts mit Vuvuzela-Getröte. Es sind die letzten Kunden des rechten Modeladens, der die bei Neonazis beliebte Marke Thor Steinar verkauft. Der Mietvertrag endete gestern am 31. Juli. Mit einem „Bunten Dinner“ feiert die Bürgerinitiative das Ende des umstrittenen Geschäfts.

„Spätestens am Montag müssen die da raus sein, sonst wird geräumt“, sagt Hans-Jürgen Preuß, Sprecher der Initiative. Sektkorken knallen. „Darauf haben wir lange gewartet!“, ruft Preuß ins Mikrofon. Unter Applaus der knapp 100 Gäste schiebt er hinterher: „Fünf Jahre Tønsberg sind mehr als genug.“ Der Pastor im Ruhestand erinnert daran, wie der Protest begann. „Nur durch politisch engagierte Jugendliche wurde uns überhaupt klar, welches Kuckucksei uns da ins Nest gelegt wurde.“

Akionen des Vereins: Demos, Lesungen, Info-Veranstaltungen

In der norwegischen Stadt Tønsberg bauten die Nationalsozialisten ein Konzentrationslager auf. „Von dort aus wurden Hunderte Menschen nach Auschwitz deportiert und ermordet“, so Preuß. Im Vorjahr organisierte die Initiative eine Ausstellung zu diesem Thema im Bürgerhaus. Nur eine von vielen Aktionen wie Demos, Lesungen und Info-Veranstaltungen, die es neben der regelmäßigen Mahnwache gab.

„Unser Protest endet nicht“, sagt Preuß. Im September werde es zum fünften Jahrestag der Tønsberg-Eröffnung in Glinde eine abschließende Aktion geben. Auch die Aufklärungsarbeit werde weitergeführt. So bestehe die Geschichtswerkstatt Zwangsarbeiterlager Wiesenfeld weiter.

Nur Glinder Polizeikommissar im Einsatz

Auch Anfeindungen im Internet, die im Zusammenhang mit der Schließung des Ladens gegen die Initiative auftauchten, schrecken die Mitstreiter von Glinde gegen rechts nicht. „Die Auseinandersetzungen, die wir am Glinder Berg mit den Thor-Steinar-Fans hatten, waren eher harmlos“, sagt Preuß.

Kontakt zu Tønsberg-Anwälten habe es nur gegeben, als die Bürgerinitiative die Poller auf dem angrenzenden Parkplatz mit bunten Strickbezügen verzierte. „Da haben sie sich offiziell beschwert. Wir haben die Stricküberzüge abgenommen und ihnen zugeschickt.“ Im Gegenzug habe es auch „Geschenke“ gegeben: „Den Mietvertrag und einen Braunen Mecklenburger – wahrscheinlich ein Schnaps“, sagt Preuß.

Der Glinder Polizeioberkommissar Frank Weber begleite die Veranstaltung als einzige Einsatzkraft: „Daran ist zu erkennen, dass wir hier nicht von einer Gefährdung ausgehen.“