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Ahrensburg

Stormarner Fluglärm-Gegner starten voll durch

Die Zahl der Landeanflüge über Stormarn ist im Vorjahr um 17 Prozent gestiegen

Foto: Michael Herrmann

Die Zahl der Landeanflüge über Stormarn ist im Vorjahr um 17 Prozent gestiegen

Jede vierte Beschwerde an die Umweltbehörde kommt aus Stormarn. Arbeit von Bürgerinitiativen in Ahrensburg und Elmenhorst wirkt.

Ahrensburg.  Die Zahl der Beschwerden über Fluglärm ist im Kreis Stormarn im Vorjahr geradezu explodiert. Sie stieg um mehr als 2000 Prozent von 110 im Jahr 2014 auf rund 2400. Damit kam etwa jede vierte der 9340 Lärmklagen aus dem Kreis am östlichen Hamburger Stadtrand.

Ein Hauptgrund dafür ist offensichtlich das große Engagement zweier Protestgruppen: der Bürgerinitiative für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW), die auch Ahrensburg und Umgebung vertritt, sowie der "Fluglärmgeplagten Gemeinde Elmenhorst" (FGE). Beide rufen dazu auf, möglichst viel Beschwerden an die zuständige Behörde für Umwelt und Energie zu schicken.

Dort sehen die Verantwortlichen eine weitere Ursache: die gestiegene Überflughäufigkeit. Über die Bahn 23 (Richtung Langenhorn/Lemsahl/Stormarn) wurden im Vorjahr fast 48.000 aller gut 158.000 Starts und Landungen abgewickelt – ein Plus von etwa 7000. "Dies ist insbesondere mit den Windverhältnissen im Jahr 2015 zu erklären", sagt Behördensprecher Jan Dube.

Flughafen und -gesellschaften versprechen mehr Ruhe ab 23 Uhr

Der drastische Anstieg der Beschwerden hat sich im ersten Quartal dieses Jahres fortgesetzt. Die Zahl hat sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verfünffacht auf fast 4600. Damit ist in nur drei Monaten schon die Hälfte der gesamten Vorjahreszahl erreicht worden. Auffällig ist der außerordentliche Zuwachs im Hamburger Bezirk Nord (von 73 auf 2761). Auch im Bezirk Wandsbek (von 354 auf 956) mit den Walddörfern gab es noch einmal deutlich mehr Hinweise. Für Stormarn ist die Zahl mit 205 etwa konstant geblieben.

Martin Mosel, Sprecher der Bürgerinitiative BAW, erwartet, dass sich der Trend weiter fortsetzt. Immer mehr Menschen seien nicht länger bereit, den Lärm schweigend hinzunehmen. "Jeder Flieger, wenn er zu laut, zu spät, zu tief und zu viel ist, ist eine Beschwerde wert", sagt er. "Das haben die Betroffenen erkannt und machen von ihrem Recht konsequent Gebrauch."

Das bestätigt der Ahrensburger BAW-Vertreter René Schwartz. "Der Flughafen hält seine eigenen Regeln nicht ein, so gibt es oft auch nach 22 Uhr noch Anflüge über Stormarn." Hinzu kämen die Verspätungen nach Betriebsschluss um 23 Uhr, die seiner Meinung nach hausgemacht seien. "Wenn im Sommer um kurz vor elf laut Plan acht Flugzeuge nahezu gleichzeitig landen sollen, kann das gar nicht funktionieren", sagt Schwartz zum Abendblatt.

Er habe schon Tage mit bis zu 20 Flügen über Stormarn nach der 23-Uhr-Sperrstunde erlebt. "Nur ein Nachtflugverbot ab 22 Uhr kann die Menschen wirklich schützen", sagt er.

Aufschläge auf Lärmentgelte erhöht

Für Ahrensburg komme der spezielle Fall hinzu, dass bei Ostwind die Flieger in Richtung der Stadt starten und direkt darüber gen Süden abdrehen. "Das können noch einmal zusätzlich 50 Starts am Tag sein." Weitere Belastungen brächten Airbus-Testflüge mit ihren besonders lauten Manövern mit sich. Ein Großteil der Stormarner Beschwerden kommt von der Gruppe "Fluglärmgeplagte Gemeinde Elmenhorst" (FGE). Die generierte allein in drei Wochen Ende Mai/Anfang Juni rund 450 Hinweise. Die FGE beklagt vor allem die drastische Belastung durch längere Landeanflüge – die waren wiederum eine Kernforderung der BAW. Deshalb arbeiten die beiden Initiativen weiter gegeneinander. "Unsere Kontaktversuche wurden ignoriert, ein Besuch von mir war erfolglos", sagt BAW-Sprecher Martin Mosel.

Unterdessen hat der Hamburg Airport am Dienstag eine Pünktlichkeitsoffensive angekündigt. Im Vorjahr durften 652 Flugzeuge mit Ausnahmegenehmigungen zwischen 23 und 24 Uhr landen oder starten, deutlich mehr als die 571 Verspätungen im Jahr 2014. Jetzt verpflichten sich die Flughafen GmbH sowie die fünf größten Gesellschaften Air Berlin, Condor, Easyjet, Eurowings/Germanwings und Lufthansa, alles zu tun, damit ab 23 Uhr Ruhe ist.

Zugleich hat der Flughafen die Aufschläge auf Lärmentgelte noch einmal erhöht: Bei Verspätungen zwischen 22 und 22.59 Uhr sind 150 statt 100 Prozent extra fällig, ab 23 Uhr sogar 300 statt 200 Prozent.


Antworten in Bargteheide

"Fluglärmschutzkommission vor Ort"heißt es am Donnerstag, 2. Juni, in Bargteheide. In einer Bürgerfragestunde können Menschen aus der Region ab 18 Uhr im Ganztagszentrum (Am Markt 2) Sorgen und Wünsche vortragen.
Fragen sollen kurz und sachbezogen sein. Um umfassende Antworten zu bekommen, sollten sie vor der Veranstaltung per E-Mail (fluglaerm@bue.hamburg.de) eingereicht werden.
Die Beschwerde-Hotline der Hamburger Behörde für Umwelt und Energie hat die Nummer 040/428 40-25 48. E-Mails gehen an fluglaerm@bue.hamburg.de.
Die Bürgerinitiative
für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein hat auf ihrer Seite www.baw-fluglaerm.de ein Beschwerdeformular zum Direktverschicken. Neben dem Datum ist der Text "Flugzeug war extrem laut und fuehrte zu erheblicher Belaestigung" ausgefüllt.

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