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Onlinehandel

Oldesloer Onlineportal bietet Alternative zu Amazon

Foto: Finn Fischer / HA

In Bad Oldesloe startet das erste Onlineportal für den regionalen Handel. Fachleute erwarten dadurch bessere Umsätze

Bad Oldesloe.  Der Handel betritt Neuland – in Bad Oldesloe ist nun das erste Onlineportal für regionale Dienstleister ans Netz gegangen. Die Idee dahinter: Kunden können sich zu Hause vor dem Rechner über das Angebot informieren und sich dann vor Ort beraten lassen und direkt kaufen. Ist das ein Weg aus der Krise des regionalen Einzelhandels? „Ein lokaler Marktplatz im Internet kann vor allem kleineren Läden neue Verkaufschancen eröffnen und deren Bekanntheitsgrad steigern“, sagt Angela Dittmer, Preisparadies-Inhaberin und Mitinitiatorin.

Internet dient als lokales Schaufenster, sagt die Marketing-Fachfrau

Zum Start engagieren sich 50 Händler, Dienstleister und Gastronomen im neuen Online-Portal www.ich-kauf-in-od.de. Nutzer können die Unternehmen nach Branchen filtern oder direkt nach Produkten suchen. Bisher dient das Portal ausschließlich der Information. Bei großer Nachfrage, könnte eine Shopfunktion eingerichtet werden. „Das Web dient hier als digitales Schaufenster“, sagt Nicole Brandstetter vom Verein „Wir für Bad Oldesloe“. Dieser neue Ansatzpunkt biete den Händlern ein bisher ungeahntes Potenzial, sagt die Marketing-Expertin. Das neue Infoportal soll dem verstaubten Image des Einzelhandels entgegen- wirken. Seit Jahren schauen viele stationäre Ladeninhaber mit Unbehagen auf weiter steigende Umsatzzahlen der Online-Konkurrenz, ein Heilmittel dagegen gibt es bislang nicht.

Nicht nur in Bad Oldesloe ist diese Entwicklung eine Gefahr für die Fußgängerzone. „Das Thema beschäftigt viele Städte. Bange Erwartungen sind verbreitet – mit Recht“, sagt Heinrich Grüter, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels Nord. Jedes zehnte Ladengeschäft sei vom Bankrott bedroht. „Ohne ein Zusammenwirken von Politik, Verwaltung und Wirtschaft sieht es düster aus für die Fußgängerzonen.“ Auch Grüter sieht den Online-Handel als eine der Hauptursachen für die prekäre Lage in den Innenstädten. Im Modebereich stieg der Anteil der über das Internet vertriebenen Waren im Zeitraum 2008 bis 2013 von 6,8 auf enorme 18,9 Prozent. „Kleidung, Schmuck, Sport-Artikel – das sind die Sparten, die in Innenstädten am häufigsten zu finden sind. Ausgerechnet die sind am meisten betroffen“, sagt Grüter. Portale, die Onlinemarkt und stationären Handel zusammen bringen, könnten das Geschäft neu beleben. Auch weiterhin begutachten Kunden die Ware gern vor Ort – vor allem bei Kleidung oder Elektroartikeln.

Befragungen ergaben, dass 50 Prozent der Kunden Produkte vor dem Kauf anfassen, sehen – und am liebsten gleich mitnehmen wollen. Umgekehrt informieren sich Verbraucher auch in den Geschäften, kaufen dann aber günstiger im Internet. Es besteht also längst eine Beziehung zwischen On- und Offlinehandel – gewollt oder nicht. Grüter: Diese Entwicklung kann nicht nur der E-Commerce für sich nutzen, sondern auch der stationäre Handel.“

Bad Oldesloe wagt nun diesen Schritt. Bleibt abzuwarten, ob Händler und Kunden das neue Info-Portal annehmen. Derzeit finden sich hier 70 verschiedene Branchen und 1000 Produkte. Beides ist ausbaufähig. Nicole Brandstetter sagt: „Wir stehen am Anfang, hoffen auf weitere Anbieter.“ In den kommenden Wochen wollen die Initiatorinnen den Nutzen des Portals mit zusätzlichen Partnern erhöhen. Langfristiges Ziel sei nicht nur eine Branchen-Plattform, sondern ein gemeinsames Shopping-Portal mit Waren aller Anbieter, damit der lokale Handel von den wachsenden E-Commerce-Umsätzen profitieren kann. Ideen gibt es viele, wie etwa ein Click- and Collect-System, also die Abholung im Netz bestellter Artikel in einem Geschäft, den Ausbau der Homepage zur Shopping-App oder einen „Same Day“-Paketversand, also die Lieferung der Ware am selben Tag.

Firmen, die das Internet bisher nicht nutzen, könnten die neue Chance nutzen

Die lokale Händlerin Susanne Relling-Peters ist von dem Projekt überzeugt: „Wer heute noch bestehen will, braucht einen Online-Auftritt“, sagt die Inhaberin von Wollywood. Viele Geschäftsleute präsentierten sich noch immer nicht im Internet. „Wer sich vor der Entwicklung sperrt, wird nicht mehr lange existieren.“

Susanne Relling-Peters hat ihren Wollhandel bereits vor Jahren auf den wachsenden Onlinemarkt ausgerichtet, generiert hier längst den Großteil ihres Umsatzes. Viele andere Ladeninhaber haben den Trend verschlafen. Für sie bietet sich möglicherweise nun eine Chance, das Neuland für sich nutzbar zu machen.