Stormarn
Museum

Wunder-Kammer zeigt Sammlung Rolf Italiaander

Foto: Lutz Wendler / HA

Das Museum Rade präsentiert die Sammlung Rolf Italiaander. Das Haus mit dem globalen Anspruch ist ein kultureller Geheimtipp.

Reinbek.  Es gibt Entdeckungsreisen, die unerwartet stark nachwirken. Bernd Michael Kraske erzählt nicht ohne Stolz, dass er kürzlich eine Gruppe der Freunde der Kunsthalle durch das Museum Rade geführt habe und dass die Gäste aus Hamburg so beeindruckt von der Sammlung Rolf Italiaander, der „Weltkunst im Wohnzimmer“, gewesen seien, dass es wohl einige Ausflüge mehr nach Reinbek geben werde. Wertschätzung, die besonders zählt, weil die Kunsthallen-Freunde als Mitglieder des größten Freundeskreises eines deutschen Kunstmuseums verwöhnt sind, was anregende Exkursionen, reizvolle Ausstellungen und lehrreiche Führungen anbelangt.

Das überregionale Interesse hilft auch, um vor Ort stärker im Bewusstsein zu verankern, welch ein Schatz in der Villa gegenüber vom Schloss Reinbek bewahrt wird. Denn selbst in seiner Heimat Stormarn ist das kleine Museum mit dem globalen Anspruch eher ein kultureller Geheimtipp. Deshalb lautet der Titel des Kamingesprächs am heutigen Mittwochabend im Schloss passenderweise „Museum Rade – Reinbeks unbekannte Schöne“. Rudolf Zahn, Vorstandsmitglied der Museumsstiftung, befragt Bernd M. Kraske, den langjährigen Leiter und Kurator des Museums Rade, zu der einmaligen Sammlung, die der Völkerkundler und Reiseschriftsteller Rolf Italiaander (1913-1991) zeitlebens in aller Welt zusammengetragen hat.

Italiaander war ein Abenteurer und Privatgelehrter, der sich von der eigenen Begeisterung immer neu dazu antreiben ließ, die Welt zu erkunden und zu Hause von seinen Reisen und Begegnungen zu berichten – in mehr als 100 Büchern, in Vorträgen, in Radiosendungen wie „Zwischen Hamburg und Haiti“, vor allem aber durch seine rasch wachsende Sammlung von Volkskunst. Italiaander hatte sich für Vorträge bezahlen lassen und war von seinen Gastgebern, darunter der Dalai Lama, Senegals Präsident Léopold Senghor und der iranische Schah Reza Pahlavi, beschenkt worden. Über die Jahre seien an die 5000 Exponate zusammengekommen, schätzt Kraske.

In der ständigen Ausstellung werden auf drei der vier Etagen des Museums Rade etwa 800 Stücke gezeigt – in einem überwältigenden Nebenein-ander von Kulturen und Zeiten, von Objekten, Gemälden und Skulpturen, von Kunst und Kitsch. Bernd M. Kraske bringt das auf eine einfache Formel: „Drei Schritte von Bali nach Kuba.“

Es ist offensichtlich, dass Italiaander ein manischer Sammler war und dass sein Museum eine Art WunderKammer ist, die in kleinen, bestenfalls zimmergroßen Abteilungen nebenein-ander stellt, was keine Bezüge hat. Der Kellerraum mit Arbeiten von Künstlern der Hamburger Sezession aus den 1920er- und 1930er-Jahren grenzt an eine Sammlung von Kultobjekten der Sepik-Kultur von Neuguinea, die einen Ahnenkult pflegt.

Zwei Etagen höher werden Werke naiver europäischer Malerei aus den 60er- und 70er-Jahren in Nachbarschaft zu persischer, indischer und balinesischer Kunst gezeigt.

Man mag das als Besucher verwirrend finden und ist trotzdem rasch gefangen von der Vielfalt, von der Intensität und Qualität einzelner Werke und kommt ins Nachdenken über die Bedeutung von Bildern und Objekten, über Inhalte und Querbezüge. Und das dürfte der Intention von Italiaander entsprechen. „Er war der Überzeugung, dass die Kunst anderer Kulturen als gleichwertig zu unserer Kunst gesehen werden sollte“, sagt Kraske.

Italiaander war also seiner Zeit voraus, wenn er andere Kulturen – und auch Religionen – nicht vom Standpunkt der westlichen Zivilisation, also sozusagen von oben herab beurteilte. Kraske: „Es war Rolf Italiaanders Überzeugung, dass jeder Mensch, jede Kultur den Trieb hat, Schönheit zu erschaffen. Er sammelte Kunst der Welt. Nicht Namen waren ihm wichtig, sondern dass Werke originär, ehrlich, authentisch waren. Die Kunst war für ihn ein Mittel, Menschen in Dialog mitein-ander zu bringen – ein völkerverbindendes Element.“

Seit 1987 ist die Sammlung von Rolf Italiaander in Reinbek zu Hause. Die Stadt stellte damals die sanierte Villa mietfrei zur Verfügung. Bernd M. Kraske war schon beteiligt am Umzug von Tangstedt an der Oberalster, wo das Museum im Ortsteil Rade 1970 gegründet worden war. Der Literaturwissenschaftler hatte bereits als Lektor für den Autor Italiaander gearbeitet. Was sich als Glücksfall erwies, denn am Ende passte alles ideal. Kraske wurde zum Chef des neu gegründeten Reinbeker Kulturzentrums, das er 27 Jahre lang leitete, inklusive des Museums Rade, für das er auch nach seiner Pensionierung ehrenamtlich als Geschäftsführer und Kustos weiterarbeitet.

„Museum Rade – Reinbeks unbekannte Schöne“: