Ahrensburg

Tunneltal-Museum? Die Idee kommt gut an

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René Soukup
Archäologin Mirjam Briel an einem der Schlagplätze: An genau dieser Stelle saßen vor tausenden Jahren Rentierjäger und fertigten Werkzeuge

Archäologin Mirjam Briel an einem der Schlagplätze: An genau dieser Stelle saßen vor tausenden Jahren Rentierjäger und fertigten Werkzeuge

Foto: Finn Fischer / HA

Große Unterstützung für Plan einer Dauerausstellung über Steinzeit-Rentierjähger von Ahrensburg. Kreis ermittelt derzeit Kosten.

Ahrensburg.  Es ist eine Idee, die begeistert: ein Museum über das Ahrensburger Tunneltal in Stormarns größter Stadt, dessen touristische Anziehungskraft weit über die Grenzen des Kreises reicht. Jener Ort, der als Fundstätte für den Nachweis steinzeitlicher Rentierjäger gilt und wo im Vorjahr spektakuläre Ausgrabungen gemacht wurden.

Schon vor Jahren hatte sich der damalige Kreiskulturreferent Johannes Spallek Gedanken über ein solches Projekt gemacht, das Besuchern ermöglicht, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Geschehen ist allerdings nichts – bis jetzt. Die Kreisverwaltung in Bad Oldesloe ermittelt nun die Kosten für eine Machbarkeitsstudie.

Die Kosten für solch ein Vorhaben sind noch unklar

Zahlen, auf wie viel Euro so ein Vorhaben hinauslaufen könnte, gibt es noch nicht. Genauso wenig ist klar, wer den Bau finanziert. Kreiskulturreferentin Tanja Lütje spricht beim Museum „von einem wichtigen Thema mit überregionaler Bedeutung“. Sie sagt: „Wir sollten es groß angehen und versuchen, Partner wie die Metropolregion und die Touristik zu gewinnen.“ Hamburg müsse eingebunden werden, schließlich sei das Fundgebiet grenzübergreifend.

Demnächst wird Lütje Kontakt mit der Ahrensburger Verwaltung aufnehmen, um detaillierter über ein solches Projekt zu sprechen. „Danach prüfen wir mögliche Partner.“ Vor der Sommerpause sei ein runder Tisch mit allen Beteiligten geplant.

Kreispolitiker geben einstimmig den Startschuss für die Prüfung des Projekts

Auch Kreispolitiker sind angetan von der Idee, die steinzeitliche Vergangenheit des Tunneltals touristisch zu erschließen. Sie gaben den Startschuss. Der Schul-, Kultur- und Sportausschuss sprach sich einstimmig für die Prüfung der Machbarkeitsstudie aus.

Die Ausschussvorsitzende Sigrid Kuhlwein (SPD) sagte dem Abendblatt: „Alternativ zu einem Museum könnte auch ein Schauraum entstehen. Die kleinere Variante ist ein Natur- und Kulturweg nach Hamburg, der sich bestimmt schneller realisieren lässt.“ Viele Seiten müssten sich finanziell an so einem Projekt beteiligen. „Sicher ist, dass alle davon profitieren.“

Mögliche Finanzierung durch EU-Fördermittel

Kuhlwein schwebt zum Beispiel vor, EU-Fördermittel in Anspruch zu nehmen. „Auch denke ich an die Metropol- sowie die Aktivregion, um Geld einzuwerben.“ Kreis und Kommune sollten ebenfalls einen Teil besteuern. Der Antrag ihrer Partei gehe auf die Idee von Johannes Spallek zurück. Der sagt: „Mit dem Fundplatz ist ein Fenster in die Menschheitsgeschichte geöffnet worden.“ Man habe die Chance, eine Präsentation der Archäologie in der Metropolregion zu machen. „Davon haben wir hier nicht viele.“

Stormarns Tourismusmanagerin Rabea Stahl steht einem Museum über das Tunneltal positiv gegenüber. „Das wäre ein neuer Anziehungspunkt im Kreis, der nicht nur Ahrensburg etwas bringe.“ Ob sie in der Wirtschaft, zum Beispiel bei Hoteliers, um Kooperationen wirbt mit dem Ziel, Geld zu akquirieren, darauf will sich Stahl nicht festlegen. Sie sagt: „Wenn das Konzept stimmt, dann wäre es möglich, zusammen mit der Kultur zu schauen, ob wir Partner gewinnen können, die das Projekt finanziell unterstützen.“

Bei Grabungen für die neue S 4 wurden Klingen und Schlagstätten gefunden

Ein Partner wäre womöglich die Sparkassen-Stiftung Stormarn. Deren Geschäftsführer Jörg Schumacher betont „die große Bedeutung des Tunneltals für Norddeutschland“. Er hatte mit Spallek schon vor vier Jahren über dessen Idee gesprochen, sagt: „Wir haben damals Interesse signalisiert.“ Derzeit sei es allerdings Beschlusslage, keine neuen Projekte in Angriff zu nehmen. Das kann sich in diesem Fall aber ändern. Schumacher: „Es besteht die generelle Bereitschaft, sich als kleinerer Player zu beteiligen.“ Die Hauptlast müssten andere tragen. Mit Geld allein aus Stormarn sei das aber nicht in den Griff zu bekommen. Schumacher: „Es müssen auch EU-Fördermittel her.“

Sollten sich Ahrensburg, der Kreis und die Stormarner Unterstützer für das Museums-Projekt entscheiden, können sie sich berechtigte Hoffnungen auf Unterstützung der Metropolregion Hamburg machen. Pressesprecherin Marion Köhler: „Wir fördern häufig solche Maßnahmen wie Museen.“ In der Regel mit 50 Prozent der kommunalen Mittel, die nicht gedeckt seien. Es könnten aber auch bis zu 80 Prozent werden.

Ahrensburger Bürgermeister Michael Sarach will ein überzeugendes Konzept haben

Ahrensburgs Bürgermeister Michael Sarach wünscht sich ein überzeugendes Konzept. „Ich würde mich freuen, wenn es machbar ist, und mich bei der Politik dafür einsetzen.“ Das Museum bezeichnet er als Pfund, mit dem Ahrensburg wuchern könne.

Von Enthusiasmus ist bei Landrat Klaus Plöger dagegen keine Spur: „Ich warte entspannt ab, was bei der Machbarkeitsstudie rauskommt. Die Sache hat für mich nicht oberste Priorität.“ Diejenigen, die begeistert davon seien, müssten das Thema vorantreiben.

Das Ahrensburger Tunneltal hatte im vergangenen Jahr mehrfach für Schlagzeilen gesorgt. Erst fanden Archäologen bei Grabungen, die Teil der Planungen für die neue S-Bahn-Linie S 4 von Hamburg nach Bad Oldesloe sind, sehr gut erhaltene Klingen steinzeitlicher Rentierjäger. Es sind Überbleibsel von Menschen aus der sogenannten Ahrensburger Kultur (10.760 bis circa 9650 v. Chr.), die in dem Gebiet über einen langen Zeitraum hinweg auf die Jagd gingen. Dann wurden sogenannte Schlagstätten entdeckt, das sind Plätze, an denen die Menschen ihre Werkzeuge hergestellt haben. Sowohl die Menge als auch der gute Zustand der Objekte macht es immer wahrscheinlicher, dass im Boden auch menschliche Überreste aus der Zeit gefunden werden könnten.

Es waren wohl die ersten Menschen, die mit Pfeil und Bogen jagten

Vor den jüngsten Entdeckungen waren bei Grabungen in dem Gebiet Artefakte von zwei Kulturen aus der Ära nach der großen Eiszeit vor 15.000 Jahren gefunden worden. Die Hamburger Kultur jagte in dem Gebiet vor etwa 14.000 Jahren mit Speeren. 2000 Jahre später folgte die Ahrensburger Kultur, die weltweit wohl als erste Zivilisation mit Pfeil und Bogen ihrer Beute nachstellte.

Derzeit wird im Tunneltal nicht mehr gegraben. Ob die Experten weiter auf die Suche nach spektakulären Funden gehen, ist ungewiss. Ingo Clausen vom Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein: „Das hängt vom Bauvorhaben und den Planungen der Bahn ab.“ Die Ausgrabungen im vergangenen Jahr seien von sehr hohem wissenschaftlichen Wert.

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