Stormarn
Prozess

Unfallopfer-Verein will Präsidentin loswerden

Anton Fleischer, Mitglied im Bundesverband der Unfallopfer, fühlt sich von dessen Präsidentin betrogen. Wie ihm geht es mittlerweile vielen Mitgliedern

Anton Fleischer, Mitglied im Bundesverband der Unfallopfer, fühlt sich von dessen Präsidentin betrogen. Wie ihm geht es mittlerweile vielen Mitgliedern

Foto: Alexander Sulanke

Mitglieder des Bundesverbands der Unfallopfer gehen gegen Lütjenseerin vor. Sie wurde wegen Untreue verurteilt.

Lübeck/Lütjensee.  Mitglieder des Bundesverbands der Unfallopfer in Deutschland wollen ihre in Lütjensee lebende Präsidentin nicht länger an der Spitze des Vereins sehen. Die 61-Jährige, die im Februar 2014 bereits wegen Untreue verurteilt worden war, soll schnell abgewählt werden. Ein Teil der Mitglieder ist deshalb juristisch gegen Ergebnisse der jüngsten Versammlung im Januar 2014 vorgegangen.

Zu den Widersachern der Lütjenseerin zählt Hanna Holzenkämpfer aus Emden. Ihre Zivilklage wurde am Mittwoch vor dem Landgericht Lübeck verhandelt. Sie wollte nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch feststellen lassen, dass die Vorstandswahl des Bundesverbands auf der Versammlung ebenso unwirksam ist wie ein Satzungsbeschluss. Zudem ging es um die Herausgabe einer Mitgliederliste und von Kassenberichten.

Hanna Holzenkämpfer ist als Opfer eines medizinischen Behandlungsfehlers seit dem Jahr 2000 Mitglied des Verbands. „Wir Mitglieder haben ein Recht auf Information und darauf, dass unser Geld ordentlich verwendet wird“, sagte die 59 Jahre alte Rentnerin, die früher als Sozialarbeiterin im Schuldienst gearbeitet hat, gegenüber der Abendblatt-Regionalausgabe Stormarn. Und beide Rechte sieht sie durch die Präsidentin des Vereins bedroht.

48 Taten der Lütjenseerin verursachte einen Schaden von rund 50.000 Euro

Grund ist deren Vorgeschichte: Die Lütjenseerin war im Februar 2014 rechtskräftig in zweiter Instanz vom Landgericht Lübeck wegen gewerbsmäßiger Untreue zu zwei Freiheitsstrafen von einem Jahr und sechs Monaten sowie von acht Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Es ging dabei um 48 Taten, die in den Jahren 2007 und 2008 zu einem Schaden von rund 50.000 Euro geführt haben.

Die Präsidentin hatte Geld vom Konto des Vereins, der sich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert, für private Zwecke abgezweigt und davon unter anderem Handwerker, Schuhe, Parfüm und Tierfutter bezahlt sowie sich einen Dienstwagen angeschafft.

Alle diese Machenschaften blieben den Vereinsmitgliedern lange Zeit verborgen. Auch Hanna Holzenkämpfer als stellvertretende Vorsitzende des Vereins betont, nichts davon bemerkt zu haben. Nach ihren Angaben verschwieg die Präsidentin noch auf der Mitgliederversammlung am 25. Januar 2014 das damals laufende Gerichtsverfahren gegen sie – und wurde wiedergewählt.

Prozess endet mit Vergleich: Bis August ist eine Mitgliederversammlung Pflicht

Gegen die Vorstandswahl klagte Hanna Holzenkämpfer ebenso wie gegen einen Satzungsbeschluss, durch den der Präsidentin nachträglich eine Entschädigung für ihre Arbeit zustehen sollte. Der Vorwurf: Die Wahl und der Beschluss hatten nicht die nötige Mehrheit der Mitglieder, es haben Personen abgestimmt, die gar keine Vereinsmitglieder waren. Die Gerichtsverhandlung darüber bei der 9. Zivilkammer des Lübecker Landgerichtes endete am Mittwoch mit einem Vergleich. Sein Inhalt: Bis zum 31. August muss der Bundesverband eine Mitgliederversammlung einberufen in Frankfurt am Main an einem öffentlich zugänglichen Ort, der gut erreichbar ist.

Geschieht dies nicht, muss die Präsidentin bis zum 25. September eine aktuelle Mitgliederliste an Hanna Holzenkämpfer aushändigen, damit diese und eine bestimmte Anzahl anderer Mitglieder eine Versammlung einberufen können. „Es ist unsere Hoffnung und unser Ziel, dass viele Mitglieder zur nächsten Versammlung kommen und die Präsidentin abberufen wird“, sagte Hanna Holzenkämpfer.

Sie wird von Vereinsmitgliedern aus ganz Deutschland unterstützt, unter anderem von Anton Fleischer aus Würzburg. Er hatte das Strafverfahren gegen die Präsidentin im Gerichtssaal verfolgt. „Was hat die Frau mit dem Geld gemacht? Das ist doch eine einzige Schweinerei“, sagte er im Februar 2014 zum Abendblatt über die Präsidentin des Bundesverbandes. Die Lütjenseerin war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.