Stormarn
Arbeitsschutz

Barsbüttel muss Mängel im Rathaus umgehend beseitigen

Stellvertretender Bürgermeister Wolfgang Böckmann favorisiert eine Vollsanierung inklusive energetischer Fassadendämmung favorisiert und rechnet mit mindestens fünf Millionen Euro

Stellvertretender Bürgermeister Wolfgang Böckmann favorisiert eine Vollsanierung inklusive energetischer Fassadendämmung favorisiert und rechnet mit mindestens fünf Millionen Euro

Foto: Birgit Schücking

Die Arbeitsschutzbehörde des Landes Schleswig-Holstein fordert auf: Die Gemeinde solle bereits vor der Sanierung aktiv werden.

Barsbüttel.  In welchem Umfang das Barsbütteler Rathaus saniert wird und was es kostet, ist noch nicht klar. Wohl aber, dass die Gemeinde noch vor Beginn der Arbeiten einige Mängel im Gebäude beseitigen muss. Das hat die Staatliche Arbeitsschutzbehörde bei der Unfallkasse Nord nach einer Besichtigung des 40 Jahre alten Komplexes am 6. Januar jetzt angeordnet. In dem Schreiben, das der Abendblatt-Regionalausgabe Stormarn vorliegt, heißt es: „Die erforderlichen Arbeitsschutzmaßnahmen zu den vorgenannten Punkten sind umgehend einzuleiten.“

Unter anderem prangern die Fachleute aus Kiel die fehlende Kennzeichnung der Notausgänge an sowie Stolperstellen durch Ablösungen des Teppichbodens. Die Beleuchtung sei insbesondere im Treppenhausbereich „auffallend schwach“. Im Gebäude sind seit Längerem Verkleidungen an den Decken entfernt. „Hierdurch kommt es an mehreren Stellen zu einer Freilegung von Materialien wie künstliche Mikrofasern, die zu einer gesundheitlichen Schädigung der Mitarbeiter führen kann“, bemängelt die Arbeitsschutzbehörde. Deren Mitarbeiter Michael Burdinski sagt: „Es muss jetzt einiges gemacht werden, allerdings keine kostenintensiven Sachen.“

Die Arbeitsschutzbehörde war von CDU und SPD eingeschaltet worden. Jene beiden Parteien, die einen Rathaus-Neubau am Stiefenhoferplatz angestrebt hatten. Per Bürgerentscheid am 29. November vergangenen Jahres wurden die Planungen dafür jedoch gestoppt. Die Barsbütteler sprachen sich mehrheitlich für eine Sanierung aus.

Den Kontakt nach Kiel hatte Wolfgang Böckmann (CDU), der stellvertretende Bürgermeister, schon davor hergestellt mit der Hoffnung, dass die Untersuchung die Argumente von Christ- und Sozialdemokraten für einen Neubau stützt. Ein Termin vor dem Bürgerentscheid war aber nicht möglich.

In dem Schreiben geht die Arbeitsschutzbehörde auch auf die bevorstehende Sanierung ein, ohne dabei Kosten zu nennen. Demnach „weisen die Büros überwiegend ungünstige Zuschnitte hinsichtlich des Verhältnisses von Raumbreite zu Raumtiefe auf“. Im Klartext bedeutet das: Die Gemeinde muss die Aufteilung überdenken. Teilweise können Probleme durch eine andere Möblierung gelöst werden, womöglich ist aber auch der Bau von neuen Räumen erforderlich.

Bürgermeister Thomas Schreitmüller muss Raumbedarfsplan erstellen

Die Politik bewertet die Beurteilung aus Kiel unterschiedlich. Rainer Eickenrodt, Fraktionschef der Wählergemeinschaft Bürger für Barsbüttel (BfB): „Mit dem Bericht wird im Wesentlichen der Sanierungsbedarf und Kostenumfang der noch 2014 einstimmig beschlossenen 2,5 Millionen Euro teuren Variante bestätigt.“ Der jetzt zusätzlich angemeldete Raumbedarf für die Flüchtlingsbetreuung habe nichts mit einer Sanierung zu tun, folglich müssten diese Ausbaukosten separat betrachtet werden.

Dem widerspricht Böckmann, der genauso wie die SPD eine Vollsanierung inklusive energetischer Fassadendämmung favorisiert und mit mindestens fünf Millionen Euro rechnet: „Es wurde jetzt bestätigt, dass auf uns wesentlich höhere Kosten zukommen als damals angedacht.“ Man benötige eine Sanierung, nach deren Abschluss Barsbüttel in Sachen Rathaus zehn bis 20 Jahre Ruhe habe.

Bevor konkrete Zahlen auf dem Tisch liegen, ist es Aufgabe der Verwaltung, einen Raumbedarfsplan zu erstellen. Danach beschäftigt sich ein Architekturbüro mit dem Fachplanungskonzept. Ende 2016 soll Klarheit über die Sanierungskosten herrschen.