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Ahrensburg

Kindergärtnerin schnitzt mit der Kettensäge Kunstwerke

Foto: Christina Schlie / HA

Die 35 Jahre alte Jessica von Leliwa leitet den Ahrensburger Waldkindergarten – und ist seit Kurzem auch ausgebildete Bildhauerin.

Ahrensburg.  Laut knattert die Motorsäge, wenn sich Jessica von Leliwa an die Arbeit macht. Mit schwerem Gerät verwandelt die zierliche Frau meterlange Baumstämme in filigrane künstlerische Objekte. Schnitzen mit der Kettensäge ist allerdings nur ein Bereich, den die 35-Jährige während ihrer Ausbildung zur Bildhauerin kennengelernt hat. Acht Jahre lang pendelte sie zwischen Hamburg und Tirol hin und her, um aus ihrem Hobby einen zweiten Beruf zu machen.

Die Liebe zur Natur hat die Leiterin des Waldkindergartens in Ahrensburg bereits als kleines Mädchen für sich entdeckt. Mit ihrem Großvater ist sie oft durch den Wald gezogen. Als Naturpädagogin wollte sie selbst unbedingt das Schnitzen erlernen. Aus einem Schnupperkursus in Österreich ist erst eine Leidenschaft und schließlich ein zweites berufliches Standbein geworden.

Seit 2007 absolvierte die Kindergärtnerin neben ihrem eigentlichen Beruf eine Ausbildung zum Holz- und Steinbildhauer, die sie im Herbst vergangenen Jahres erfolgreich mit der Gesellenprüfung abschloss. Ihre Faszination für Holz ist ansteckend. Seit sieben Jahren zieht Jessica von Leliwa regelmäßig mit den Schnitz-Kids, einer Kindergruppe, durch den Forst Hagen in Ahrensburg. Die Mädchen und Jungen trotzen jedem Wetter, auch Schnee und Regen halten die kleinen Handwerker nicht von ihrer Leidenschaft ab. „Nur bei Sturm verschieben wir unsere Treffen. Sicherheit geht vor“, sagt die Bildhauerin.

Kinder arbeiten mit scharfen Messern, Bohrmaschinen und Holzanspitzern

Zweimal im Monat treffen sich die Schnitz-Kids im Wald, um kreativ mit Holz zu arbeiten. Aber auch Toben und Klettern gehören dazu. Die Bewegung an der frischen Luft sei ein guter Ausgleich für anstrengende Schultage und langes Stillsitzen, sagt Jessica von Leliwa. Außerdem lernen die Kinder den sicheren Umgang mit scharfem Werkzeug. Das steigere das Selbstbewusstsein.

Am wichtigsten ist es Jessica von Leliwa jedoch, die Kinder in ihrem kreativen Potenzial zu unterstützen. „Die Natur in den Händen zu spüren und festzustellen, wie unterschiedlich sich Holz anfühlt, ist ein Erlebnis“, sagt sie. Ganz nebenbei lernen die Kinder etwas über den heimischen Wald. „Frisches Holz ist viel weicher und lässt sich leichter verarbeiten“, sagt der neunjährige Homke.

Die Kinder arbeiten mit scharfen Messern, Bohrmaschinen und Holzanspitzern. „Außer kleinen Schnitten ist noch nichts passiert“, sagt Jessica von Leliwa. Wenn sie an das Werkzeug gehen, tragen die Kinder Sicherheitshandschuhe. Dann seien alle konzentriert bei der Sache. Man müsse den Kindern auch mal etwas zutrauen, so die Erfahrungen der Bildhauerin. Auch mit ihren Schnitz-Kids kommt die Künstlerin hin und wieder in die Werkstatt, um größere Projekte zu starten.

Unter dem Titel „Der Weg war das Ziel“ zeigt die Bildhauerin jetzt in einer Ausstellung im Ahrensburger Peter-Rantzau-Haus Werke aus dem achtjährigen Schaffensprozess: von der Schildkröte über den Torso einer Frau bis hin zum Hamburger Wasserträger.