Stormarn
Bad Oldesloe

Kreis zeichnet Jugendliche mit Jugendkulturpreis aus

Foto: Isabella Sauer / HA

Stormarner Jugendkulturpreis erstmals an zwei Ahrensburger und eine Oldesloerin für Fotografie, Collage und Buntstiftzeichnung vergeben.

Bad Oldesloe.  Tom hatte das Foto in der Schublade liegen. Lena zeichnete ihre Collage in nur einer Nacht und Arsen brauchte einen Monat, bis seine Buntstiftzeichnung fertig war. Die drei Stormarner haben es geschafft, sie sind die Gewinner des ersten Stormarner Jugendkulturpreises. Das Abendblatt hat die jungen Künstlern getroffen und sich die Geschichte hinter ihren Bildern erklären lassen.

Irgendwo im amerikanischen Bundesstaat Florida hat sich der 13 Jahre alte Tom Rathje nachts sprichwörtlich auf die Lauer gelegt, um Fotos zu schießen. Mehrere Stunden lang hockte er sich auf den Bürgersteig, sein Kamerastativ war nur drei Zentimeter hoch. Schließlich gelang ihm der perfekte Klick: Autos rasen vorbei, ihre Rückleuchten hinterlassen lange Farbspuren auf der Fotografie. Der Verkehr in der Stadt ist im Fluss.

Damals hatte Tom wohl noch nicht geahnt, dass dieses Foto einmal 500 Euro Wert sein würde. Der Ahrensburger sagt: „Als ich nach den Sommerferien von dem Wettbewerb erfahren habe und das Motto „Alles im Fluss“ erfuhr, habe ich in meiner Schreibtischschublade herumgekramt.“

Schwere Entscheidung für die Jury: 75 eingereichte Kunstwerke

Der Kreis Stormarn hat im September erstmals den Jugendkulturpreis ausgeschrieben. Unter dem Motto „Alles im Fluss“ waren Jugendliche, Gruppen oder Schulklassen in drei Altersklassen aufgerufen, Kunstwerke in der Sparte „Bildende Kunst“ einzureichen. Eine fachkundige Jury hatte dann die Qual der Wahl. Eine Entscheidungsträgerin war auch die Kreiskulturreferentin Tanja Lütje. Sie sagt: „Wir mussten uns zwischen 75 Kunstwerken entscheiden.“ Über die Anzahl habe sie sich sehr gefreut, denn das zeige das große kreative Potenzial und Interesse von Jugendlichen. „Um dies weiter zu fördern, möchten wir den Jugendkulturpreis alle zwei Jahre vergeben“, so Lütje. Der Preis an die Jugendlichen wechsle sich dann jährlich mit dem Erwachsenenkulturpreis ab.

In der zweiten Altersklasse, 14 bis 17 Jahre, hat Lena Kehrer aus Bad Oldesloe gewonnen. Sie hat eine Collage zur Flüchtlingsproblematik gestaltet. Die 16-Jährige sagt: „Einen Tag vor der Abgabe ist mir endlich eingefallen, was ich zeichnen möchte.“ Sie interessiere sich sehr für das Thema Flüchtlinge und hatte sich gedacht, warum nicht ein aktuelles Thema aus den Medien aufgreifen?

Und so sieht ihr Gewinnerbild aus: Auf schwarzem Tonkartonpapier sind drei Bleistiftzeichnungen aufgeklebt. Eine zeigt eine junge Flüchtlingsmutter mit einem Baby auf dem Arm. Ein Blick weiter ist ein Junge zu sehen, der tot auf dem Boden liegt und rechts darüber ist eine große Weltkugel angeordnet. Auffallend sind die mit roter Acrylfarbe eingezeichneten Flüchtlingsströme.

In zwei Jahren hat der Kreis 150. Jubiläum

Warum hat sich die Jury für dieses Kunstwerk entschieden? Tanja Lütje sagt: „Lena hat ein schwieriges Thema sehr gut auf ein Blatt Papier gebracht.“ Außerdem habe es die Jury fasziniert, dass die Schülerin ihr Bild in drei Teile zerrissen habe.

In zwei Jahren hat der Kreis 150. Jubiläum. Dann wird wieder ein Jugendkulturpreis vergeben. Bleibt es bei den gleichen Einsendekriterien? Die Kulturreferentin sagt: „Die drei Altersklassen 10 bis 13 Jahre, 14 bis 17 Jahre und 18 bis 21 Jahre bleiben, aber ein Motto wird neu von der Jury ausgewählt.“ Zudem ändere sich vielleicht die Kunstsparte. „Nun war es die bildende Kunst, vielleicht ist es beim nächsten Mal der Bereich Musik oder Literatur.“ Das werde sich der Kulturausschuss überlegen, der den Kulturpreis auf den Weg gebracht hat.

Der älteste Sieger ist Arsen Gebauer. Der 21-jährige Ahrensburger hat eine Buntstiftzeichnung abgegeben. Es zeigt ein Stillleben in Tschernobyl, in dem sich die Natur eine verlassene Szenerie, eine Dachterrasse eines Hotels, zurückerobert. Arsen sagt: „Ich habe ein ähnliches Foto im Internet gefunden, als ich mich wieder einmal mit dem Thema Tschernobyl beschäftigt habe.“ Der Ahrensburger studiert an einer privaten Hochschule in Hamburg und wird mit dem Siegergeld ein weiteres Semester bezahlen.