Stormarn
Ahrensburg

Das neue Leben des ehemaligen Reinbeker Bürgermeisters

Axel Bärendorf (mit Inhaberin Silvia Hugo) im Ahrensburger Fitnessstudio Top Form Club

Axel Bärendorf (mit Inhaberin Silvia Hugo) im Ahrensburger Fitnessstudio Top Form Club

Foto: Joelle Delvecchio / HA

Axel Bärendorf arbeitet an persönlichen Fitness-Zielen und ist zudem als Ehrenamtler beim Roten Kreuz und im Verein Heimat begehrt.

Ahrensburg.  Fürs Gespräch kommt er in die Redaktion, so viel Zeit hat er. Dort sitzt er, schräg nach hinten gelehnt, den linken Arm über der Rückenlehne, sichtlich entspannt. Axel Bärendorf hat am 1. September 2014 sein altes Leben gegen ein neues getauscht: Er ist aus dem Reinbeker Bürgermeisteramt in den Ahrensburger Ruhestand gewechselt. 13 Jahre Verwaltungschef reichten – zu viel Ärger mit der Politik und der Gesundheit.

Bürgermeister wurde er 2001, zunächst in Ammersbek. 2008 wählten ihn die Reinbeker in ihr Rathaus. Und dort erlebte er hautnah, dass sich Verwaltung und Politik allzu oft nicht einig wurden. „Ich habe versucht, meine Ideen einzubringen, und die Verwaltung effizienter gemacht“, sagte Bärendorf im November 2013 dem Abendblatt. Er kündigte an, er würde bei der Wahl im Mai 2014 nicht wieder kandidieren und somit am 31. August aus dem Amt scheiden. „Mir fehlt der Rückhalt, den ich mir wünsche.“

Aktueller Anlass für den frühzeitig angekündigten Abschied war die hitzige Diskussion um den geplanten Neubau der Feuerwache. Eine erste Verwaltungsvorlage mit dem Standort Mühlenredder hatten die Parteien abgelehnt und die Prüfung zweier Alternativstandorte gefordert. Als diese von Experten nun untersucht und als nicht tauglich eingestuft wurden, das Rathaus eine weitere Beschlussvorlage mit dem Mühlenredder als dem einzig möglichen Standort verschickte, musste sich der Bürgermeister heftige Kritik anhören. Die Fronten seien verhärtet, mit der Verwaltung gebe es kein Miteinander, hieß es seitens der Politik.

Derartige Aussagen verärgerten Bärendorf nachhaltig. Damals lautete sein bitteres Fazit, dass sich in Reinbek keine Vertrauenskultur entwickelt habe und dass mit jedem Schritt neue Reibung erzeugt werde. Deshalb sei ein Wechsel an der Verwaltungsspitze nötig: „Vielleicht bringt der oder die Neue etwas ein, was Vertrauen schafft.“

„Bürgermeistern fehlen Ruhephasen – das ist gesundheitlicher Verschleiß“

Heute, 16 Monate nach seinem Ausscheiden aus dem Amt, sieht Bärendorf das alles viel gelassener. Ruhig erzählt er, dass ihm die Arbeit dennoch Spaß gemacht habe, dass man als Bürgermeister Problemlöser sei und mit allem, was man tue, Unikate schaffe. Dennoch habe der Job eine Kehrseite: „Es gibt keine Ruhephasen. Es war gesundheitlicher Verschleiß.“ Ohne das Amt fühle er sich heute unwichtig – und das „mit Begeisterung“, denn er habe Zeit, sich zu kümmern: um sich selbst und im Ehrenamt um andere.

Nach Herzproblemen, die 2010 zu einer fast tödlichen Herz-Rhythmus-Störung und einem gravierenden operativen Eingriff führten, wollte er als Pensionär vor allem eines: wieder zu Kräften kommen. „Mein Ziel war es, meine Unbeweglichkeit und Fettleibigkeit abzubauen.“ Bärendorf läuft, macht Krafttraining, radelt – jeden Tag mehr als eine Stunde Sport, nur am Wochenende „nimmt er sich frei“. 58 Jahre alt ist er, wieder fit und 20 Pfund leichter. Noch zehn weitere Kilo möchte er loswerden. „Das ist dann ein gutes Kampf- und Laufgewicht.“ Und das ist auch nötig, denn er hat das Ziel, 2017 den Lübeck Marathon mitzulaufen.

Doch auch für andere möchte er etwas tun, Menschen in Not helfen. Axel Bärendorf wollte sich für Flüchtlinge engagieren und bot seine ehrenamtliche Mitwirkung dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) an, „aber nur in der zweiten Reihe“. Daraus wurde nichts, denn das DRK rief ihn irgendwann an, weil sie ihn eher für die erste Reihe gewinnen wollten: „Sie sagten: ,Wenn du etwas machen willst, dann richtig.’“ Vergangenen Monat wurde er zum Präsidiumsbeisitzer des Stormarner Kreisverbands des DRK gewählt. Was ihn 2016 an Aufgaben erwartet, weiß er nicht. Ambitionen habe er jedenfalls keine. „Die sollen mich auffordern, bei Bedarf leiste ich, was ich kann.“

Der Vorstand des Heimatvereins möchte Bärendorf zu seinem Nachfolger machen

Auch im Heimatverein Ahrensburg ist er Beisitzer und berät Vorstand Jürgen Wahl. Bärendorf: „Ich dränge mich nicht in den Vordergrund, bringe mein Wissen zu Bau- und Planungsrecht lieber aus dem Hintergrund ein.“ Das hätte Wahl gern anders: Der Vereinsvorstand hat angekündigt, er werde Bärendorf als seinen Nachfolger vorschlagen. Davon will der aber noch nichts wissen und sagt: „Jürgen Wahl leistet hervorragende Arbeit und benötigt keine Ablösung. Wenn er das aber eines Tages möchte, dann stehe ich zur Verfügung.“

Vorerst beschäftigen ihn aber eher naheliegende Fragen, etwa die nach dem Abendessen im Hause Bärendorf. Scampi und Gemüse soll es geben. Er will jetzt rasch einkaufen und das Essen dann selbst zubereiten. Das Kochen hat er im vergangen Jahr für sich entdeckt. „Ich koche unbegnadet, aber ziemlich gerne“, sagt Bärendorf. Seine Frau sei manchmal angetan, manchmal weniger. Doch er gibt sich Mühe, ihren Geschmack zu treffen. „Die Chili im Essen bleibt heute weg.“ Axel Bärendorf, der im Gegensatz zu seiner Frau gern scharf isst, kann damit leben: Sein neues Leben hat tagtäglich genug Würze.