Stormarn
Flüchtlinge

Ammersbek und Jersbek schaffen neuen Wohnraum

Foto: Birgit Schücking / HA

Am Schäferdreschwerden zwei Häuser für 48 Menschen gebaut. In Klein Hansdorf ziehen bis zu 40 Neuankömmlinge in Seniorenheim.

Ammersbek/Jersbek. Isabella Sauer

Ob in Ammersbek nun 114, 115, 116 oder 117 Flüchtlinge leben, das kann derzeit niemand genau sagen. Nicht mal Bürgermeister Horst Ansén, der die Zahl gewöhnlich parat hat. Diesmal räumt der Verwaltungschef mit einem Strahlen ein, völlig ahnungslos zu sein. Er sagt: „Fakt ist, unsere zwei hochschwangeren Frauen liegen schon auf der Entbindungsstation, die eine erwartet Zwillinge.“ Also nun auch noch Zuwachs ohne Zuweisung. Wie gut, dass die Gemeinde derzeit zwei neue Häuser baut. Und auch Jersbek schafft Wohnraum für Flüchtlinge – und der dürfte als durchaus ungewöhnlich beschrieben werden.

Ammersbek baut für rund eine Million Euro zwei Häuser

Etwas ungewöhnlich geht es ausnahmsweise auch auf der Baustelle im Ammersbeker Ortsteil Schäferdresch zu. Dort klettert Bauamtsleiterin Susann Jandt-Wahls mit jedem Ammersbeker, der Lust hat, über das Baugerüst in den Rohbau, zeigt die Wohnungen und beantwortet Fragen. Zwei Häuser mit je vier Wohnungen für Flüchtlinge entstehen dort derzeit. Knapp eine Million Euro investiert die Gemeinde in die Häuser, die später in Sozialwohnungen umgewandelt werden können. Mitte Februar sollen die ersten Bewohner einziehen können. Insgesamt ist Platz für 48 Menschen.

Die Möbel für die Unterkunft hat Rathausmitarbeiterin Julia Albrecht bereits bestellt. Die junge Sachbearbeiterin verdankt den Flüchtlingen ihren Job. Horst Ansén: „Wir haben nun eine und eine halbe Stelle geschaffen, um der Arbeit Herr zu werden.“ Zudem soll noch ein Hausmeister eingestellt werden. Sechs Menschen sind in der Ammersbeker Verwaltung ausschließlich mit dem Thema Flüchtlinge beschäftigt. Ansén: „Tatsächlich sind Mitarbeiter aller Fachbereiche eingespannt.“ So wie die Bauamtsleiterin, die wieder aus dem Rohbau klettert.

In Jersbek, im Ortsteil Klein Hansdorf, gibt es ein etwas anderes Konzept: Alleinerziehende Flüchtlingsmütter und ihre Kinder sowie minderjährige unbegleitete Flüchtlinge ziehen in den Seniorenwohnpark Klein Hansdorf. Auf dem Gelände gibt es fünf Häuser. In dreien wohnen 36 ältere Damen und Herren. Zwei Häuser standen leer – bis am Donnerstag die ersten Flüchtlinge ankamen. Inhaber Mathias Steinbuck sagt: „Wir verkleinern uns.“ Im September gab es noch rund 60 Bewohner.

Weil Fachkräfte fehlen, stehen zwei Häuser im Altenheim leer

Der Grund sei zum einen die Fachkraftquote, die das Seniorenheim nicht mehr erfüllen könne. Steinbuck: „Wir haben hier im Dorf Fachkräftemangel.“ Ein zweiter Grund sei der, dass eine ambulante betreute Wohngruppe in den Häusern 4 und 5 entstehen soll. „Wir verschieben diesen Plan etwas nach hinten“, so der Heimleiter.

Die Bewohnerinnen Ilse Reha, Jutta Klapzcus und Gretchen Schlender sind aufgeregt, sie freuen sich auf ihre neuen Nachbarn. Klapzcus sagt: „Wir haben mit unseren Pflegerinnen viel über das Thema Flüchtlinge gesprochen.“ Sie alle hier im Wohnheim seien gespannt auf das, was komme.

Die leer stehenden Häuser werden vom Amt Bargteheide-Land bis Januar 2019 zur Unterbringung von Flüchtlingen angemietet. Es gibt eine Kooperation zwischen dem Amt Bargteheide-Land und dem Kreis Stormarn. Das Amt Bargteheide-Land mietet Haus 4, um dort in neun Apartments 20 Personen unterzubringen. Ulrike Meyborg, Flüchtlingsbeauftragte, sagt: „Alleinerziehende Mütter und ihre Kinder finden hier ein neues Zuhause.“

In Haus 5 wird der Kreis Stormarn für das Land Schleswig-Holstein unbegleitete Jugendliche unterbringen. Der Bürgermeister von Jersbek, Herbert Sczech (UWG), sagt: „Es ist eine Außenstelle für 18 bis 20 Jugendliche, die ohne Eltern nach Deutschland gekommen sind.“ Sie werden über den Träger, die Norddeutsche Gesellschaft für Diakonie, rund um die Uhr von Sozialpädagogen betreut.

Auf die Frage, ob sich denn Jung und Alt verstehen werden, sagt Bürgermeister Sczech: „Es ist eine lebenswirkliche Situation, das wird funktionieren.“ Schließlich seien es die Senioren, die am wenigsten Bedenken geäußert hatten. Vielmehr freuten sich diese auf die neuen Nachbarn. Der Seniorenpark habe sogar vor, sich im Laufe der nächsten Wochen ein paar gemeinsame Projekte zu überlegen. So sagt der Wohnparkleiter Steinbuck: „Vielleicht kochen ja die Flüchtlinge und die Senioren mal zusammen.“

Am Montag, 7. Dezember, gibt es ab 18.30 Uhr im Bürgerhaus (Heideweg 1) ein Treffen für Bewohner aus Klein Hansdorf und Timmerhorn, die Lust haben, eine Flüchtlingspatenschaft zu übernehmen.