Stormarn
Schwein gehabt

Stormarner verraten dem Abendblatt ihre Glücksrezepte

Hilde, 78, und Gerhard Schulz, 82, sind seit 54 Jahren verheiratet und wohnen genauso lange in Hamfelde

Hilde, 78, und Gerhard Schulz, 82, sind seit 54 Jahren verheiratet und wohnen genauso lange in Hamfelde

Foto: Verena Künstner / HA

Es sind die vermeintlich einfachen Dinge des Lebens, die die Menschen aus dem Kreis zufrieden machen. Fünf persönliche Glücksrezepte.

Bargteheide/Trittau.  90.000 Treffer sind es etwa, die das Internet auf die Frage „Was ist Glück?“ liefert. Doch es wäre wohl zu einfach – vielleicht sogar vermessen – im riesigen Datennetz die einzig richtige Antwort auf diese große Frage finden zu wollen. Die hohe Trefferquote zeigt vielmehr, dass Menschen sich häufig mit dem Thema Glück beschäftigen. Aber gibt es sie denn überhaupt, die einzig richtige Antwort? Niemand scheint das besser zu wissen als die Schleswig-Holsteiner. Sie zählen nämlich, folgt man dem aktuellen „Glücksatlas“ der Deutschen Post (siehe unten), zu den glücklichsten Deutschen. Die Menschen zwischen Nord- und Ostsee bewerten ihre Lebenszufriedenheit mit absoluten Bestnoten. Aber was macht die Menschen im Kreis Stormarn besonders glücklich? Die Abendblatt-Regionalausgabe hat nachgefragt.

Glücksrezept 1: Familie

Bei Juliane Erdner und Deike Garjani liegt das Glück jeweils im Kinderwagen und guckt mit großen Augen in die Welt. Clara Sophie ist gerade einmal zehn Wochen alt, Finja kam vor vier Monaten zur Welt. Ihre Mütter haben einander beim Schwangerschafts-Yoga in Bargteheide kennengelernt und verbringen nun viel Zeit zu viert. Die 32-jährige Deike Garjani stammt ursprünglich aus dem Kreis Segeberg, hat dann zehn Jahre in Hamburg gelebt. „In Bargteheide bin ich endlich angekommen“, sagt sie. Vor allem mit Baby fühle sie sich hier sehr wohl. „Es gibt viele junge Mütter, mit denen ich mich austauschen kann. Das gibt mir ein gutes Gefühl.“ Auch Juliane Erdner, 33 Jahre alt und gebürtige Mecklenburgerin, kann ihr Mutterglück in der Stormarner Kleinstadt in vollen Zügen genießen. Die Menschen seien besonders herzlich und vor allem Kindern gegenüber rücksichtsvoll. Sie ergänzt: „Hier wird viel geboten und alles ist schnell erreichbar. Das erleichtert das Leben als Mutti und wird auch später für Clara Sophie ein Vorteil sein.“

Glücksrezept 2: Freunde

Ob die kleine Clara Sophie in Stormarn wirklich ihr Glück findet, wird die Zukunft zeigen. Bei Uschi Mundt hat es in jedem Fall funktioniert. Sie ist vor mehr als 40 Jahren der Liebe wegen von Niedersachsen ins nördlichste Bundesland gezogen. „Ich habe mich sofort wohl gefühlt. Die Region strahlt Freude aus.“ Deswegen werde sie auch immer hier bleiben, sagt die 59-Jährige mit Nachdruck. Ihr Mann ist verstorben. Für Uschi Mundt starb damit das Liebste, das sie hatte. „Es war eine schwere Zeit. Doch unser großer Freundeskreis hat mich aufgefangen und mir den Spaß am Leben zurückgegeben.“ Auch das sei Glück, sagt die Bargteheiderin. Glück im Unglück.

Für Gerald Hecker spielen Freundschaften bei der Frage nach seinem ganz persönlichen Glück ebenfalls eine wichtige Rolle. Der 47-Jährige wohnt in Ahrensburg und arbeitet seit vier Jahren als Filialleiter bei der Haspa in Bargteheide. „Ich freue mich, wenn mir Freunde und Bekannte zufällig auf der Straße begegnen und man spontan Klönschnack hält.“ Das passiere „auf ‘m Land“ ziemlich häufig. Geboren ist Hecker in Hamburg. In den Großstadttrubel ziehe es ihn aber nur noch selten. „Das Leben hier draußen macht mich glücklicher. Ich wohne zentral genug, um alles fußläufig zu erreichen und habe andererseits die nötige Ruhe um mich herum.“

Glücksrezept 3: Träume

Genau wie Gerald Hecker haben sich auch Nadine Johannsen und ihr Mann ganz bewusst für ein Leben im Kreis Stormarn entschieden. „In Trittau konnten wir endlich unseren Traum vom eigenen Haus verwirklichen“, sagt die 35-Jährige. Aus Hamburg zog das Paar ohne zu Zögern aufs Land. „Die Uhren hier ticken anders. Ich genieße die Luft, die Natur – und nach wie vor die Nähe zur Großstadt.“ Dort arbeitet Nadine Johannsen nämlich immer noch. Aber nur noch Teilzeit. Der Grund: Sohn Emil, der das Glück der kleinen Familie seit anderthalb Jahren perfekt macht.

Glücksrezept 4: Gesundheit

Die beiden Söhne von Lothar König sind schon längst aus dem Gröbsten raus. „Zum Glück“, sagt der 63-Jährige lachend. Und ist damit schon mitten im Thema. Auch ihn hat es aus Hamburg nach Stormarn, genauer gesagt nach Trittau, verschlagen. „Mit einem Umweg über den Kreis Pinneberg“, erzählt der frisch gebackene Rentner. Ja, es sei für ihn ein großes Glück, dort leben zu können, wo man sich wirklich zu Hause fühlt. „Egal, in welche Himmelsrichtung man fährt, man landet immer an einem idyllischen Fleck.“ Doch weit wegfahren will König eigentlich gar nicht. Denn: „Alles Schöne liegt hier zum Greifen nah.“ Zu einem glücklichen Leben gehört für den Trittauer auch Gesundheit. „Ich bin sehr dankbar, dass es meiner Frau und mir, unseren Kindern und Enkelkindern wirklich gut geht. Das ist die Grundlage allen Glücks.“

Glücksrezept 5: Liebe

Diese Meinung unterstreicht auch das Ehepaar Schulz aus Hamfelde. Hilde und Gerhard sind seit 54 Jahren verheiratet und haben – nicht nur gesundheitlich – einige Hochs und Tiefs erlebt. „Uns ist nichts in den Schoß gefallen“, sagt der 82-jährige Gerhard Schulz. Doch das Paar, das eine Tochter hat, habe auch in schwierigen Zeiten immer zusammengehalten. „Wir wissen, was wir aneinander haben“, sagt Hilde Schulz. „Es ist uns wichtig, gemeinsame Glücksmomente zu erleben. Zum Beispiel bei der Musik.“

Hilde Schulz singt in einem Chor, ihr Mann Gerhard ist sowohl bei Proben als auch bei Auftritten immer an ihrer Seite. Die 78-Jährige sagt: „Ich kann mich noch gut an das letzte große Konzert erinnern. Wir sangen in der Krummesser Kirche die Deutsche Messe von Franz Schubert. Wenn ich daran denke, kriege ich heute noch Gänsehaut.“ Neben der Liebe zu einander, zur Musik und zum eigenen Garten teilen Schulz’es auch die Lebenseinstellung. Gerhard Schulz bringt es auf den Punkt: „Auf große Wunder kann man lange warten. Es sind die kleinen Momente, die glücklich machen.“

Regelmäßig schreibt der Hamfelder plattdeutsche Geschichten. In seiner aktuellen heißt es zum Thema Glück: „Glieks nochmol de friee Blick no links, Südhang und Südrand von de Hahnheid, een Glücksgefeuhl. Nu noch flink in Richtung Dörp, noch eenmol links affbögen, dat Huus, de Goorden, de Familie. Hamfelde. Min Tohuus! Hier feuhl ik mi glücklich!“