Stormarn
Drillingsgeburt

Das unwahrscheinliche Glück einer Bargteheider Familie

Familienglück: Benni Islami und Verena Gless mit ihren Drillingen auf dem Weg vom Krankenhaus nach Hause

Familienglück: Benni Islami und Verena Gless mit ihren Drillingen auf dem Weg vom Krankenhaus nach Hause

Foto: Christina Schlie / HA

Verena Gless und Benni Islami sind Eltern eineiiger Drillinge. Ein Sechser im Lotto kommt häufiger vor als solch eine Geburt.

Bargteheide.  Die Chance auf einen Sechser im Lotto liegt etwa bei eins zu 46 Millionen. Die Chance, eineiige Drillinge zu bekommen, ist weit geringer, liegt bei eins zu 200 Millionen. Verena Gless und Benni Islami sind also ein echtes Glückspaar. Die Bargteheider sind stolze Eltern der eineiigen Drillinge Ariana, Elisa und Leona. „Als der Frauenarzt mir sagte, dass drei Herzen in meinem Bauch schlagen, war ich zunächst geschockt“, erinnert sich die 33-Jährige an den Tag, als sie von der Schwangerschaft erfuhr. Ihr Ehemann glaubte bei der Nachricht zunächst an einen schlechten Scherz. „Erst als ich das Ultraschallbild sah, wusste ich, dass sie die Wahrheit sagt“, so der Vater.

Der Tag der Geburt, der 13. August, stellte das Leben der kleinen Familie quasi auf den Kopf. Trotzdem ist Brüderchen Leano ganz begeistert von seinen Schwestern. „Baby, Baby, Baby“, kommt es immer wieder fröhlich aus dem Mund des Zweieinhalbjährigen. Was es allerdings bedeutet, mit drei Schwestern aufzuwachsen, kann er sich natürlich noch nicht vorstellen. Vater Benni Islami lächelt, fragt sich, wie es wohl später einmal sein wird, mit vier Frauen in einem Haushalt zu leben.

Mit einem komplizierten Eingriff rettete ein Spezialist das Leben der Drillinge

Erst seit drei Wochen ist die Familie wieder Zuhause vollzählig. Monate voller Angst und Ungewissheit liegen hinter den Eltern. Zwölf Wochen musste Verena Gless mit ihren Töchtern im UKE bleiben. Denn Ariana, Elisa und Leona kamen in der 31. Woche als Frühchen auf die Welt, mussten lange medizinisch betreut werden. Das ist keine Seltenheit bei einer Mehrlingsschwangerschaft, mit der oft gesundheitliche Risiken einhergehen.

Noch im Bauch der Mutter wurde bei Elisa und Leona eine Mangelversorgung festgestellt. Ein sogenanntes fetofetales Transfusionssystem, eine äußerste seltene Durchblutungs- und Ernährungsstörung, die nur dann auftritt, wenn sich mehrere Kinder eine Plazenta teilen. In einem komplizierten Lasereingriff konnte ein Spezialist der Uniklinik Eppendorf, Professor Dr. Kurt Hecher, das Leben der Kinder retten. Eine Operation, die für das Paar bange Stunden bedeutet. „Es ging um alles“, sagt die Mutter. „Aber wir waren die ganze Zeit über zuversichtlich gestimmt. Dieses Gefühl hat meine Schwangerschaft bestimmt.“

„Unser Dank gilt dem gesamten UKE-Team“

Mit einem Geburtsgewicht von jeweils 1300, 1400 und 1500 Gramm und einer Größe von 36 bis 40 Zentimetern mussten die Babys in Brutkästen. Auch das sei eine belastende Situation für die Eltern gewesen. „Unser Dank gilt dem gesamten UKE-Team für die tolle Betreuung“, sagt die Mutter. Die sich auch gern daran erinnert, dass auch die Ärzte die Geburt der Drillinge als eine Sensation bewerteten.

„Schlimm war, dass ich in dieser Zeit meinen Sohn nur einmal in der Woche sehen konnte“, sagt Mutter Verena, die eine lange Zeit im Ronald McDonald Haus, einer Unterkunft der gleichnamigen Stiftung für Familien mit kranken Kindern, in der Nähe des Klinikgeländes wohnte. Vater und Sohn verbrachten diese Zeit gemeinsam in Bargteheide – Kindergarten und Arbeit bestimmten weiterhin ihren Alltag.

24 Windeln verbraucht die Familie am Tag

Als zwei der Drillinge stabil genug waren und auf die Säuglingsstation verlegt werden konnten, pendelte die 33-Jährige Mutter zwischen ihren Töchtern hin und her. In dieser Zeit der Trennung haben wir festgestellt, dass es den Kindern am besten geht, wenn sie zusammen sind. Deshalb gibt es in der Doppelhaushälfte in Bargteheide auch nicht drei einzelne Bettchen, sondern einen umgerüsteten Laufstall, in dem die Drillinge eng aneinander gekuschelt schlafen. „Die Nächte sind kurz, wir könnten etwas mehr Schlaf gebrauchen“, sagt Vater Benni. „Aber Hauptsache, wir sind zusammen.“

Im Vier-Stunden-Rhythmus wird gefüttert, gewickelt, geschmust und geschlafen. 24 Windeln werden täglich verbraucht. Eine größere Abfalltonne ist schon bestellt. Eine Packung Säuglingsmilch reicht nur für zwei Tage. „Wenn wir die Kinder abends ins Bett legen, nehmen wir für die Nacht einen Wäschekorb voll vorbereiteter Fläschchen mit“, sagt Verena Gless. Leona, die Jüngste der Drillinge, muss teilweise noch über eine Magensonde ernährt werden. Aber auch diese Herausforderung meistert das Paar souverän.

Stolze 140 Zentimeter Bauchumfang wurden bei der Mutter zuletzt gemessen

Und wie reagieren Verwandte und Bekannte? Schon als die Eltern bekannt gaben, dass sie Drillinge erwarten, war die Resonanz überaus positiv. „Wir schaffen das“, sei der Grundgedanke, der das Paar trage. „Sorge hatte ich, ob mein Körper da überhaupt mitspielt“, berichtet die Bargteheiderin. Die letzte Schwangerschaft war schließlich noch nicht lange her. Dennoch habe sie die Drillingsschwangerschaft gut gemeistert. Stolze 140 Zentimeter Bauchumfang wurden bei ihr zuletzt gemessen. Doch bei drei zusätzlichen Kindern auf einen Schlag sei die finanzielle Belastung natürlich groß. „Allein für unsere Drillingskarre haben wie soviel bezahlt wie manch einer für ein Auto“, sagt die Mutter. Für die Fahrt vom UKE nach Hause hat sich Vater Benni einen VW-Bus von einem Freund mit Platz für alle Familienmitglieder ausleihen müssen. Auch für regelmäßig anstehenden Termine bei Ärzten oder Physiotherapeuten bedarf es guter Planung. „Bis alle startklar sind, vergehen schon ‘mal 45 Minuten“, sagt der 42-Jährige. Doch das Elternpaar sei dabei, sich einzuspielen.

Manchmal stellen nette Nachbarn einen Topf mit Suppe vor die Haustür

Helfende Hände seinen trotzdem gefragt. Wir wollen ja auch Zeit für Leano haben. Er dürfe nicht das Gefühl bekommen, zu kurz zu kommen. Die Mutter sagt: „Es ist schwierig, jedem Kind gerecht zu werden.“ Oma, Tante und Freundinnen helfen deshalb im Haushalt. „Toll ist auch, wenn die Nachbarn einen Topf Suppe vor die Tür stellen. Das hilft ungemein“, sagt Verena Gless. Im Moment ist Vater Benni noch häufig zu Hause. Er arbeitet im Restaurant Papillon, einem Familienbetrieb.

Und wie halten die Eltern die Mädchen auseinander? „Bei Ariana und Elisa ist das schwer“, sagt der Vater und guckt gleich noch ein zweites Mal hin. Um es für alle leichter zu machen, tragen die Mädchen Namensbändchen an den Handgelenken. Dass ihre Töchter eineiige Drillinge sind, macht die Eltern besonders stolz. „Aber etwas Einzigartiges sind sie für uns sowieso.“