Stormarn
Umfrage

Ahrensburgs Innenstadt steht auf dem Prüfstand

Dialal Amirnekooei bei der Umfrage auf dem Ahrensburger Wochenmarkt. Der 55-Jährige verkauft dort seit 20 Jahren Tee und Gewürze

Dialal Amirnekooei bei der Umfrage auf dem Ahrensburger Wochenmarkt. Der 55-Jährige verkauft dort seit 20 Jahren Tee und Gewürze

Foto: Dorothea Benedikt / HA

Verwaltung hat Umfrage in Auftrag gegeben, die das Einkaufsverhalten der Menschen analysiert. 150 Kunden wurden am Wochenende befragt.

Ahrensburg.  Wie ist das Kaufverhalten der Ahrensburger? Was vermissen die Menschen in ihrer Stadt? Und was kann Ahrensburg besser machen? Um Antworten auf diese und weitere Fragen zu bekommen, hat die Verwaltung eine Umfrage in Auftrag gegeben. „Wir wollen ein Gefühl für das Kaufverhalten der Menschen bekommen“, sagt Juliette Schickel, Stadtplanerin im Bauamt der Stadt: „Wichtig ist für uns vor allem das Parkverhalten.“

Mitarbeiter eines Hamburger Beratungsunternehmens haben eine Umfrage konzipiert, die am Freitag und Sonnabend in der Innenstadt durchgeführt wurde. 150 Kunden und 20 Markthändler wurden befragt. „Wir wollen wissen, wie man den innerstädtischen Bereich verbessern könne – für die Ahrensburger, die Markthändler und die Ladenbesitzer“, sagt ein Interviewer. Etwa fünf Minuten hat eine Befragung gedauert. „Dabei haben wir aber nicht nur Fragen gestellt, die mit Ja oder Nein zu beantworten sind, sondern auch Verbesserungsvorschläge notiert“, sagt der Mitarbeiter. Demnächst sollen die Ergebnisse ausgewertet und der Stadt präsentiert werden.

Das Hamburger Abendblatt hat sich gleichzeitig in der Ahrensburger Innenstadt umgehört und dabei eine Momentaufnahme gemacht. „Der Markt muss für Familien attraktiver gemacht werden“, sagt Dialal Amirnekooei, 55, der seit 20 Jahren Gewürze und Tee auf dem Wochenmarkt vor dem Rathaus verkauft. Dafür bräuchte der Markt laut Amirnekooei ein Management, das einmal im Monat beispielsweise Aktionen auf dem Wochenmarkt koordiniert. „Eine Aktion könnte sein, dass Erzeuger von Apfelsäften oder Tee-Verkäufer ihre Produkte vorstellen. Der Markt wird so zum Familienerlebnis und unterscheidet sich von den Obst- und Gemüsetheken in Discountern“, sagt Amirnekooei, der weitere Ideen hat: „Wenn wenige Händler da sind, könnte man die Verkaufsstände im Kreis aufstellen und in der Mitte Sitzmöglichkeiten aufbauen.“

Erst neun Wochen auf dem Markt als Händler vertreten ist Nils Heinsohn, 46, der Kartoffeln und Zwiebeln verkauft. „Ich finde die Auswahl auf dem Markt gut. Zu ändern braucht man da nichts“, sagt er. Verbesserungswürdig sei indes die Parkplatzsituation. „Ich merke es selbst, wenn ich hier einen Parkplatz suche“, sagt Heinsohn: „Auch die Kunden beschweren sich oft, dass es keine Parkplätze gibt. Oder sie müssen schnell zum Auto, weil die Parkzeit abgelaufen ist und sie sonst sofort ein Strafzettel bekommen.“

Hamburgerin schätzt in Ahrensburg die inhabergeführten Geschäfte

Dass es zu wenig Parkplätze in Ahrensburg gibt, findet auch Simone Huget aus Hamburg-Bergstedt. Dennoch nimmt sie gern die 20-minütige Fahrt und die Parkplatzsuche in Kauf. „Ahrensburg ist sehr gut aufgestellt. Ich weiß, dass ich hier eine gute Qualität bekomme“, sagt Huget, die am Sonnabend auf dem Wochenmarkt einkauft. Doch nicht nur der Wochenmarkt lockt die Hamburgerin nach Ahrensburg. „Diese Stadt lebt von guten Einzelhändlern. Ich habe bei mir um die Ecke das AEZ, dennoch fahre ich nach Ahrensburg.“ Sie schätzt die Expertise der inhabergeführten Geschäfte. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal, an dem festgehalten werden sollte“, sagt sie. Zwar kauft Simone Huget gelegentlich auch im Internet ein, „da fehlt mir aber die Beratung.“ Der 26 Jahre alte Ahrensburger Finn Mathys, kann dem Online-Shopping indes nichts abgewinnen. „Da kann man die Sachen nicht anfassen und das Zurückschicken ist mir einfach zu stressig“, sagt Mathys. Dennoch ist Ahrensburg nicht seine erste Wahl beim Einkaufen. „Wenn ich Sportbekleidung kaufen will, fahre ich nach Hamburg. Dort kommt man mit der Bahn schnell hin“, sagt er. Ahrensburg wird in Sachen Auswahl nie an das Angebot der Hansestadt herankommen. „Aber wenn man dringend etwas braucht, bekommt man es auch hier“, sagt Mathys.

Hannelore Winderlich, die seit 34 Jahren ein kleines Modegeschäft am Rathausplatz in Ahrensburg hat, wünscht sich mehr Initiative vom Stadtmarketing. „Ich könnte mir eine lange Einkaufsnacht oder so etwas vorstellen. Das lockt die Kunden eher in die Läden, als Buden auf dem Rondeel. Eine Parkplatznot sieht sie nicht: „Wir haben doch genug Parkhäuser.“ Ihre Nachbarin, die nicht genannt werden möchte, hat inzwischen aufgegeben, Verbesserungsvorschläge zu machen. „40 Jahre hat sich nichts geändert. In den nächsten Tagen werde ich mein Geschäft schließen.“